Arbeiten im Ewigen Eis

 

Abenteuerlust und Neugier: Markus Eser aus Gottmannshofen ist seit Dezember 2014 auf einer Forschungsstation in der Antarktis tätig.

Mit der Antarktis assoziiert man gewaltige Eisberge, gleißendes Weiß, unheimliche Stille und unendliche Weite. Doch dahinter versteckt sich viel mehr. Das riesige Gebiet um den Südpol ist eine Region voller Extreme und harscher Lebensbedingungen mit Temperaturen bis zu 50 Grad minus. Da Polartag und Polarnacht herrschen, gibt es nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter.

Markus Eser lebt dort seit Dezember 2014. Der Elektrotechniker aus dem Stadtteil Gottmannshofen trägt zusammen mit zwei Kollegen für 15 Monate dafür Sorge, dass der Forschungsbetrieb auf der Neumayer-Station III im atlantischen Sektor der Antarktis reibungslos funktioniert. Die vom Alfred-Wegener-Institut betriebene Station liegt auf dem rund 200 Meter dicken Ekström-Schelfeis und über 13 300 Kilometer von Wertingen entfernt.

Einfach mal kurzerhand den Nachbarn besuchen - geht nicht. Die südafrikanische Station liegt in rund 250 Kilometern Entfernung. Dennoch: Einsam und allein ist Markus Eser nicht. Im antarktischen Sommer leben und arbeiten bis zu 40 Menschen an der Station. Nur im Winter wird es leerer: Dann sind nur noch ein Koch, drei Ingenieure, ein Arzt und vier Wissenschaftler vor Ort. Sie bilden das sogenannte Überwinterungsteam.

Die Bedingungen sind beschwerlich. Dennoch fühlt sich Markus Eser nach eigenen Worten wohl in der Antarktis. Das kommt auch daher, dass es in der Station an nichts fehlt. Die rund 100 Container beherbergen unter anderem Wohn- und Schlafräume, Hospital, Küche, Messe, Funkraum und Sanitärräume.

Der Tagesablauf ist fest terminiert. Um 8 Uhr gibt es Frühstück. Danach geht es an den Arbeitsplatz. Mittagessen ist um 12 Uhr, Abendessen um 18 Uhr. In der Station arbeiten die Wissenschaftler in Büros und Laboren. In der Umgebung sind Observatorien für geophysikalische, hydroakustische und meteorologische Forschungsarbeiten installiert.

Außerdem gibt es ein Spurenstoff-Observatorium. Hier messen Wissenschaftler kontinuierlich die klimarelevanten Gase in der antarktischen Luft. Derzeit werden auch Untersuchungen angestellt, wie sich eine Langzeitisolation im Umfeld der Neumayer-Station auf das menschliche Immunsystem auswirkt. Das sei vor allem für die Raumfahrt wichtig, macht Eser aufmerksam.

Die Infrastruktur der Station setzt auf moderne und robuste Technik. Hier ist Markus Eser zusammen mit dem Stationsingenieur und einem Elektroniker als Fachmann gefragt. "Alles in allem ist unsere Schneeschmelze eine der wichtigsten Stationsanlagen und sichert uns einen großen Teil unseres Komforts", verdeutlicht Eser. "Wir verbrauchen circa 15000 Liter Wasser in der Woche. Davon sind etwa 5000 Liter Warmwasser. Ebenfalls verwenden wir das Schmelzwasser zum Trinken. Nachdem darin allerdings keine Mineralien enthalten sind, werden in unserer Wasseraufbereitung diese zugesetzt. Das Wasser schmeckt sehr gut und hat praktisch keinen Kalk. Das ist gut für Wasserkocher, unseren großen Warmwasserboiler und die Waschmaschinen. Entkalken ist hier nicht nötig." Das Essen kommt aus der Tiefkühlzelle.

Die Technik nimmt allerdings nicht alles ab. Eser: "Bei uns kommt man teilweise kräftig ins Schwitzen, wenn bei starken Sturm die nicht restlos geschmolzenen Eisbrocken an den Rändern abgestochen werden müssen, damit der Schmelzbehälter wieder neu befüllt werden kann."

Herausforderungen gibt es genügend. Doch die hat Markus Eser - der seine Stärken in der Organisation und im Finden von pragmatischen Lösungen sieht - gesucht. Abenteuerlust und Neugier waren seine Antriebsfedern, sich von seinem Arbeitgeber zwei Jahre für die Stationsarbeit freistellen zu lassen.

Aspekte wie die ewige Dunkelheit oder der Zwang, über längere Zeit mit denselben Menschen auf engem Raum zusammen zu sein sind für ihn nicht wirklich ein Thema. Die Dunkelheit sei sehr gewöhnungsbedürftig gewesen und Lagerkoller habe er nicht bekommen, meint er. Familie und Freunde vermisse man natürlich. Doch hier tragen die digitalen Medien entscheidend zur Kommunikation bei. Und natürlich das Wissen, dass der Aufenthalt zeitlich nur begrenzt ist.

Die Freizeit nutzen die Stationsmitarbeiter auf vielfältige Weise. Sport wird großgeschrieben. Gern besucht werden die gemeinsamen Film- und Spieleabende. Darüber hinaus gibt es Sauna, Billardtisch und Tischkicker. Eser greift auch gerne zu seinen mitgebrachten Musikinstrumenten.

In einigen Monaten ist sein Aufenthalt in der Polarstation beendet. Ab August 2016 kehrt Markus Eser wieder zu seinem Arbeitgeber, den Lechwerken Augsburg, zurück. Dann hat ihn wieder der normale Alltag ...
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.