Barrierefrei? Da hapert's!

An einer Treppe kann so mancher Weg enden. Für ältere Menschen und Personen mit Behinderung stellt der Zugang zum Wertinger Rathaus (Bild) ein großes Hindernis dar. Foto: SGW

Die Seniorengemeinschaft Wertingen (SGW) belässt es nicht nur bei Worten. Die Einrichtung unter dem Vorsitzenden Hans-Josef Berchtold ist auch aktiv, wenn es um nachhaltige Verbesserungen für die ältere Generation geht. Jüngstes Beispiel: Berchtold fordert - stellvertretend für das „Soziale Netzwerk Wertingen“ – die Stadt auf, das Projekt „Wertingen barrierefrei“ bis spätestens 2021 umzusetzen. Darüber hinaus stellt er den Antrag, einen Inklusionsbeauftragten innerhalb des Stadtrats zu benennen und regelmäßig über den Fortschritt des Projekts zu berichten.

Berchtold macht in diesem Zusammenhang vor allem auf die deutliche Zunahme an älteren und somit auch an nichtmobilen Menschen aufmerksam. „Bei dieser demografischen Entwicklung ergibt sich insbesondere für die städtebaulichen Gegebenheiten neue Herausforderungen“, so der SGW-Chef.
Die Seniorengemeinschaft sowie Vertretern der vor Ort aktiven Sozialverbände – kurz: „Soziales Netzwerk Wertingen“ – erörterten schließlich auf der Basis dieser Zukunftsentwicklung die Perspektiven. In Abstimmung mit der Stadtverwaltung wurde so im Juni 2015 das Projekt „Wertingen barrierefrei“ initiiert. Ziel dieses Projekts sei es, betont Berchtold, den öffentlichen Raum besonders zu gestalten. Und zwar so, dass er für Menschen mit motorischen, kognitiven und Einschränkungen der Wahrnehmung nutzbar sei.
Im letzten Herbst wurde die Ist-Situation in Wertingen eruiert und aufgenommen. „Dabei trafen sich Vertreter der Stadtverwaltung, Mitarbeiter eines Büros für Ortsplanung und Stadtentwicklung, Mitglieder des sozialen Netzwerkes wie auch zahlreiche Betroffene zu einem ,Stadtspaziergang‘“, erinnert Berchtold. Bei diesem Rundgang wurden vor allem die verkehrlichen Schwachstellen für ältere Menschen unter die Lupe genommen. Los ging es am Seniorenzentrum Sankt Klara, weiter führte der Gang über die mit vielen schrägen Einfahrten versehene Bauerngasse bis hin zum Ebersberg.

Ältere haben es schwer

Dabei zeigte sich, dass es für ältere Menschen und Personen mit Behinderung nicht einfach war. Die Erreichbarkeit notwendiger Einrichtungen hing für diesen Personenkreis wesentlich davon ab, ob der öffentliche Verkehrsraum und öffentliche Gebäude barrierefrei waren. Das hatte wiederum großen Einfluss darauf, ob der Einzelne soziale Kontakte pflegen, sich ausreichend informieren und gesellschaftliche Teilhabe realisieren kann.
Der SGW-Vorsitzende plaudert über die Schwierigkeiten bei dem „Stadtsparziergang“. So hätten Teilnehmer beispielsweise versucht, bei regem Verkehr über das Nadelöhr „Thürheimer Tor“ zu einer Apotheke am oberen Marktplatz zu gelangen. „Dabei zeigte sich, dass das Überqueren von stark befahrenen Straßen grundsätzlich ein großes Risiko für alle Behinderte darstellt“, resümiert Berchtold.

Großes Hindernis

Anschließend seien noch die Überquerung der sehr verkehrsreichen Schulstraße zu einem Drogeriemarkt sowie der Anstieg über die Schmidgasse bis zur Sparkasse erfolgt. „Ein großes Hindernis stellte für die Betroffenen auch der Zugang zur Stadtverwaltung in Schloss und Amtsgericht dar“, verweist Berchtold.
Die Ergebnisse dieser Begehung wurden anschließend vom Planungsbüro schriftlich aufgearbeitet und in zwei weiteren Workshops mit allen Beteiligten intensiv diskutiert. In das vom Planungsbüro erstellte und im Februar vorgelegte Gutachten floss die derzeitige Situation in Bezug auf die Barrierefreiheit in der Stadt Wertingen ein. „Darin werden konkrete Maßnahmen aufgezeigt, wie sich die derzeitigen Probleme lösen lassen“, verdeutlicht Berchtold. Zudem enthalte das Gutachten eine Vielzahl von städtebaulichen Empfehlungen, eine Prioritätenliste und auch eine grobe Kostenschätzung der erforderlichen Maßnahmen.
Im Mai wurden die Resultate des Projekts dem Stadtrat präsentiert. Nun sei das Stadtparlament am Zug, die notwendigen Maßnahmen umzusetzen, so die Projektteilnehmer. (spr/pm)
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