Blick in die Vergangenheit

Die Sammlung des „Scherbenmoirs“ wird inventarisiert: Archäologin Ines Abspacher, Monika Deisenhofer, Gerda Knapp – Vorsitzende des Heimatvereins Unteres Zusamtal – und Dr. Johannes Mordstein (von links). Foto: privat
Eigentlich hieß er Josef Müller. Landauf, landab war er aber nur unter dem Namen „Scherbenmoir“ bekannt. „Moir“ (Maier) wurde er genannt, weil er der Besitzer des früheren Maierhofes in Wortelstetten war. Die „Scherben“ im Spitznamen verwiesen auf sein Hobby. Jahrzehntelang sammelte Josef Müller mit großer Leidenschaft archäologische Fundstücke. Im Laufe der Zeit trug er zahlreiche Funde zusammen: Knochen, Metallfragmente, Schlackenreste und eben auch Scherben. Die Lesefunde wurden teilweise von Müller selbst in Wortelstetten und Umgebung entdeckt, teilweise erhielt er auch Objekte von Freunden und Bekannten, die um die Begeisterung des „Scherbenmoirs“ für derartige Dinge wussten.

Nach dem Tod Müllers im Jahr 2006 gelangte die Sammlung an den Heimatverein „Unteres Zusamtal“, der nun ein wissenschaftliches Verzeichnis der Fundstücke erstellte. Grundlage hierfür war eine Begutachtung durch das Landesamt für Denkmalpflege, das der Sammlung Müller eine historische Bedeutung für die Region um Wortelstetten attestierte. Zuschüsse des Landesamts und der Gemeinde Buttenwiesen deckten die Personal- und Sachkosten, die für die wissenschaftliche Bearbeitung durch eine Archäologin und den Erwerb von Tüten und Kartons für die Aufbewahrung der Sammlung anfielen.

Funde ab der Steinzeit

Für das Projekt konnte die Archäologin Ines Abspacher aus Augsburg gewonnen werden, die über eine jahrelange Berufserfahrung verfügt. Mit Unterstützung der Vereinsmitglieder Gerda und Christian Knapp, Monika Deisenhofer und Dr. Johannes Mordstein untersuchte die Archäologin jedes einzelne Fundstück der Sammlung. Dank ihrer ausgezeichneten Sachkenntnis gelang es, alle Fundstücke wissenschaftlich zu benennen und zeitlich einzuordnen. Die Zeitstellung der Funde reicht von der Steinzeit über die Kelten- und Römerzeit und das Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert. Die Ergebnisse der Begutachtung wurden schließlich in eine Datenbank eingetragen.

Wichtige Mosaiksteine

Auch wenn viele der einzelnen Objekte für sich allein betrachtet wenig spektakulär erscheinen, stellen sie doch wichtige Mosaiksteinchen für das Verständnis der Vergangenheit dar. Dank der exakten Beschreibung können nun Siedlungsspuren aus unterschiedlichen Epochen in der Umgebung von Wortelstetten erfasst werden. Dank der Sammlung des „Scherbenmoirs“ ist es nun möglich, einen Blick in frühere Jahrhunderte zu werfen. (pm)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.