Den Glauben nicht verlieren

Zeitzeugin Hanna Zimmermann (rechts) im Gespräch mit der Geschäftsführerin der Montessori-Schule, Sonja Spiegler. Foto: privat

Am 27. Januar wird alljährlich der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz gedacht. Wenige Wochen vorher besuchte die Auschwitz-Überlebende Hanna Zimmermann die Wertinger Montessori-Schule. Dort schilderte sie Erschütterndes aus der „Hölle“. Sie vergaß aber auch nicht, die Hoffnung zu erwähnen.

Hanna Zimmermann ist in der Montessori-Schule keine Unbekannte mehr. Die 91-jährige stattete der Bildungseinrichtung an der Zusmarshauser Straße bereits zum vierten Mal eine Stippvisite ab. Diesmal lauschten Schüler der achten bis zehnten 10. Klasse, die Fachoberschüler sowie Gäste von der Anton-Rauch-Realschule ihren Erzählungen.
Die Zeitzeugin, 1924 in Aussig/Ústí nad Labem (Tschechoslowakei) geboren, wurde mit ihrer jüdischen Familie von den Nationalsozialisten verfolgt. Drei Jahre litt sie als Jugendliche im Ghetto Lodz. Dann folgten die Konzentrationslager Auschwitz, Bergen-Belsen und Neuengamme, in dessen Außenlager Salzwedel sie am 14. April 1945 befreit wurde. Mit ihrer Mutter kehrte Hanna Zimmermann nach Prag zurück. Mittlerweile lebt sie schon seit vielen Jahren in München.
„Auschwitz und Bergen-Belsen waren die Hölle“, berichtete sie. „Wir hatten das Gefühl außerhalb der Welt zu sein.“ Manchmal versagten ihr die Worte, wollte all die Gräuel gar nicht detailliert erzählen. „Es war noch viel, viel schlimmer als man überhaupt sagen oder sich vorstellen kann“, meinte sie dann nach einer kurzen Pause.

Überleben gehörte nicht zum Plan

Die jüdischen Kinder lebten in den Konzentrationslagern meist nicht lange. „Das Überleben gehörte nicht zum Plan der Nazis“, verdeutlichte Hanna Zimmermann. Dann nannte sie grauenvolle Zahlen: „Von den 15.000 Kindern im Ghetto Theresienstadt überlebten lediglich rund 100.“
Mit viel Einfühlungsvermögen beantwortete sie die Fragen der Schüler. Ihr Leben sei nie mehr ein normales geworden, gestand sie. Bei der Befreiung aus dem KZ habe sie gerade noch 36 Kilogramm gewogen. „Ich musste monatelang unter Überwachung eines amerikanischen Arztes wieder essen lernen.“
Das Schlafen allein in einem Zimmer habe ihr große Qualen bereitet. „Ich habe im Traum so laut geschrien, dass ich mich vor den Nachbarn geschämt habe.“

Entsetzliches Schweigen

Aber auch das Schweigen habe ihr sehr zugesetzt. „Niemand wollte etwas über diese schreckliche Zeit hören.“ Selbst in der eigenen Familie sei darüber nie gesprochen worden. Vergessen habe man dies aber nicht können.
Das Vergessen nahm dann auch einen wichtigen Teil von Hanna Zimmermanns Appell ein. „Lasst es nicht zu, dass wir vergessen werden und dass so etwas jemals wieder passiert“, sagte sie zu den Schülern. Zugleich munterte die Zeitzeugin sie auf: „Ihr habt an all dem nicht die geringste Schuld.“ (spr/pm)
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