Der Garten im Wandel der Zeit

Baumfällung zwischen Schloss und Amtsgericht 2016.
 
Gerhard Miesel aus Gottmannshofen schneidet in der Region die Bäume nach altem Muster.

Hast Du einen Raum, pflanze einen Baum.
Hast Du keinen Raum, dann erfülle dir diesen Traum."

In den letzten 30 Jahren wurden immer mehr Bäume und Sträucher gepflanzt, die keinen Raum haben. Denn das Land wird knapp und teuer. Und nachdem der Baum immer unnötiger wird, da mit ihm kein Profit gemacht werden kann, wird ihm auch immer weniger Raum zugeteilt. Im Sommer sucht man ihn zwar auf, um im Schatten zu stehen und zu parken, doch bereits im Herbst wird sein Laub verdammt in alle Ewigkeit. Es wird behandelt, als wäre es mit Gift belastet. Kommunalarbeiter werden beauftragt, Laub auf Geh- und Radwegen schnellstmöglich zu beseitigen, damit niemand hinfällt. Sonst will der Betroffene eine lebenslange Rente von der Kommune. Gleiches gilt auch für Bäume-darum müssen Bäume so geschnitten werden, damit keine Gefahr ausgeht für Mensch und Tier. Wie die Bäume geschnitten werden, interessiert niemanden. Jeder der eine Motorsäge bedienen kann, kann auch Bäume schneiden. Dem entsprechend sehen sie auch aus, man braucht nur aus dem Fenster zu sehen. Ohne jegliches Fachwissen und mit brachialer Gewalt werden gesunde Bäume zu Torsos kaputt geschnitten. Straßenbegleitgrün wird gefräst und gehäckselt – und das bei größter Hitze. Dies spielt heute keine Rolle mehr, weil neuerdings auch Hackschnitzel Geld bringt. Wie Bäume und Sträucher aussehen, interessiert niemanden. Ca.60 Jahre alte Bäume, welche man bei der letzten Flurbereinigung an Bäche und Wege begleitend gepflanzt hat, kann es passieren, das der Wind einen Ast abreißt und auf einen Acker fällt. Kommt der Industriebauer mit seinem Monsterfahrzeug, wird dieser nur einmal den Ast aufräumen. Kommt es nochmals vor, wird nicht nur ein Baum sondern die ganze Allee umgemacht. Sind alle gefällt und aufgeräumt, kommt der Bund Naturschutz und zeigt auf den Stumpf. Dann ist es aber schon zu spät. Wofür brauchen wir einen Bund Naturschutz, jeder kann machen, was er will. Ob Landkreis, Kommune oder Privatgarten. Jeder kann schneiden, wie er will und wann er will. Keiner wird sagen, so geht das nicht. Wer selbst nichts machen kann, holt sich eine Spezialfirma. Die macht genau, was der Auftraggeber möchte. Schnell herumgesprochen hat sich das Kappen. Wenn ich das höre, stehen mir die Haare zu Berge. Jenes Unwort besagt, dassman sämtliche Bäume und Sträucher egal auf welcher Höhe waagrecht abschneiden kann. Mit diesem Schnitt hat der Baumseine natürliche Wuchsform verloren und wird diese nie mehr bekommen. Dies interessiert niemanden. Geht er kaputt und es wird ein neuer gepflanzt. Geld spielt keine Rolle mehr. Deutschland könnte sich Millionen sparen, wenn vorhandene Bäume naturgemäß betreut würden. Bäume bekommen immer den geringsten Stellenwert. Auf Parkplätzen mit 3000 m2 und mehr bekommt der Baum einen halben m2. Das Pflanzloch ist kaum größer als der Wurzelballen. Wenn der Baum2 Jahre überlebt, ist die Pflanzgarantie abgelaufen. In den meisten Fällen bleibt er Jahrzehnte ohne Laubstehen. Niemand wird davon Notiz nehmen. Befindet sich der Baum auf kommunalem Grund, wird permanent nachgepflanzt, aber niemals der Platzvergrößert. Was haben die sog. Fachkräfte in ihrer Ausbildung gelernt? Streuobstwiesen kamen vor über 30 Jahren ins Rennen mit Zuschüssen von Landkreis und Landwirtschaftsamt. Nach der Pflanzung von bis zu 100 Bäumen kamen die Bilder der Streuobstwiesen in der Zeitung. Mehr nicht, Pflegemaßnahmen braucht es nicht. Das Gras war nach zwei Jahren höher als die Bäume. Hat sich doch mal jemand bemüht, die Bäume zu schneiden, ob privat oder Kommune, dann sahen sie aus - verstümmelt oder gestückelt oder den Kopf abrasiert. Sie sollten nämlich nicht in die Höhe wachsen, aber der Baum wusste das nicht. Nach dem Motto der selbsternannten Grünen und Naturschützer braucht der Baum keinen Schnitt. Den Urbaum hat auch niemand geschnitten. Den braucht auch niemand zu schneiden, weil er mehr Platz hatte. Zudem war er wurzelecht, das heißt keine Reduzierung im Wuchs. Durch diese unterlassene Pflegemaßnahme sind nach 30 Jahren noch 20%. Die geldgebenden Ämter müssten das Geld zurückfordern.
Alte Bäume werden von sog. Spezialfirmen mit Drahtseilen zusammengehängt, damit der Baum, wenn seine Kraft nachlässt, nicht auseinanderfällt. Diese Maßnahme hilft dem Baum jedoch nicht, länger zu leben und gesund zu bleiben. Besser wäre es, den Baum zu schneiden, dass ihm die Seitenlastigkeit genommen wird. Jeder Schnitt ist eine Anregung zum Neuaustrieb. Dies muss man jedoch frühzeitig erkennen. Ist der Baum bereits im Vergreisungsstadium ist es einfach zu spät. Die ersten Siedlungen Mitte der 1950er-Jahre gab es keinen Rasen. Da bestand der Garten aus Obstgarten, Beerengarten und Gemüsegarten. Die 1960er-Jahre brachten bereits die ersten Rasenflächen. In den 1970er-Jahren die ersten Blütensträucher mit ein paar Obstbäumen und dies war bis in die 80er so. In den 1990er-Jahren verschwanden Gemüsebeete, Beerensträucher und Obstbäume mehr und mehr. Der Garten heißt nun erweitertes Wohnzimmer ohne Bäume und Sträucher, denn es gab noch keine Laubsauger. Obstbäume schon überhaupt nicht, es gibt noch keinen Fallobstsammler. Einsammeln von Fallobst kommt nicht in Frage, weil Rückenprobleme drohen. Die erweiterten Wohnzimmer sehen so aus: entweder eine Mauer um das gesamte Grundstück. Wenn das zu teuer, besteht die Mauer aus Thuja. Die meisten Siedlungen ähneln einem Labyrinth aus grünen Mauern. Manchmal scheint es mir, als müssten Bewohner der Siedlungen zeitig an diese Giftpflanzen gewöhnen für den Fall des eigenen Weges auf den Friedhof. Bei diesen Menschen ist sicher, dass sie keinen Bezug zur Natur haben. Hier wäre es besser, sie würden sich eine Wohnung in oberen Etagen zu nehmen als sinnlos das Land zu verbauen. Die neuen erweiterten Wohnzimmergärten haben nicht einmal mehr Rasen. Wer soll diesen mähen, wenn beide Elternteile berufstätig sind. Dazu sind sie gezwungen, weil die große Immobilie abzuzahlen ist. So wird also der Garten pflegeleicht gemacht. Um das Haus werden verschiedenfarbige Kiessorten ausgebracht. Im Kies befinden sich Thuja, Zypressen, Köpfchenzypressen, welche mehrmals im Jahr mit der Nagelschere formier werden. Denn ein natürlicher Wuchs wird selbst ohne Laub nicht zugelassen. In heißen Sommertagen wird man in derartigen Siedlungen niemanden antreffen, sie befinden sich allein ihren klimatisierten Wohnungen. Somit bleibt der Garten nutzlos. Schatten unter Bäumen ist nicht zu erwarten. Dafür gibt es auch kein Laub, denn Faulheit in die neue Krankheit. Nicht anders läuft es bei Kommunen. Wären die Laubbläser nicht gekommen, wären die Arbeiter überfordert. Mit Besen und Schaufel kann und möchte auch keiner umgehen. Bei größeren Baumarbeiten werden von den Kommunen Spezialfirmen aus Sicherheitsgründen beauftragt. Wie die Bäume geschnitten werden, ist gleichgültig. Wichtig ist, ich brauche es nicht zu tun. Falls tatsächlich etwas passiert, ist die Kommune nicht haftbar.

Einen sog. Kreisfachberater hat jeder Landkreis. Beraten können die meisten nicht, weil sie es selbst nicht können. Dieser Posten ist belegt, weil man diesen bis in die 1970er-Jahre gebraucht wird. Sonst wäre das Büro umsonst beheizt. Ich habe die Entwicklung der Natur in den vergangenen 40 Jahren genau beobachtet. Vom sinnlosen Landverbrauch, Landverbau und über Bodenversiegelung, von Umweltfrevel bis Verschandelung. Puten- und Schweineställe werden inmitten der Felder gebaut. Genau wie die Riesenkuppeln von Lebensmittelvergärungsanlagen. Bis Mitte der 1960er-Jahre war es Pflicht, Aussiedlerhöfe mit bis zu einem 6 m breiten Bepflanzungsstreifen einzufrieden. Dies ist heute nicht mehr so. Nicht mal ein Holunderbusch lehnt sich an eine Stallmauer. Wo bleibt die untere Naturschutzbehörde? Der Bund Naturschutz und die selbst ernannten Experten der Grünen, der Landes- und Kreisverband mit seinen Fachberatern bis zu den örtlichen Gartenbauvereinen. Diese könnte man auch umbenennen in Kranzbindevereine. Denn auf blauem Kies wächst keine Tomate. Um Geld zu sparen und dass ich mich nicht mehr ärgern muss, kann man diese Vereine auflösen. Sarrazin hatte Recht: Deutschland schafft sich ab, nicht nur politisch und finanziell, sondern auch hinsichtlich der Natur. Jeder Käufer eines Baugrundstücks sollte einen Lehrgang zum, Thema Garten machen müssen. 90 % aller Gartenbesitzer wissen nichts mit ihrem Garten anzufangen. Dem einen wird Angst, wenn der Rasen bereits wieder zu mähen ist. Die Andern schneiden irgendwie an Bäumen und Sträuchern ohne erkennbaren Sinn herum. Kommt einer auf den Gedanken, einen sog. Schnittkurs zu besuchen, ist er nach dem ersten Lehrgang derart fehlgeleitet, dass er völlig hilflos scheint. Jemand, der noch nie einen Baum geschnitten hat, kann einen Baum nicht derart verschneiden wie die selbsternannten Schnittkursleiter.

Ich könnte mich noch auf 100 Seiten darüber auslassen, aber wen interessiert das schon! „So lange ich gesund bin, jeden ersten im Monat mein Geld auf dem Konto habe, die Hälfte meines Essens wegwerfen kann, die Schränke überquellen von Nutzlosem und Unbrauchbarem; was interessiert mich da noch das bisschen Natur!

Gerhard Miesel, Hinter den Gärten 1a, 86637 Wertingen-Reatshofen, Telefon 08272-1321
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