Der Herr der Öfen

Josef Lutz starb im Alter von 75 Jahren. Der "Herr der Öfen" trug nachhaltig mit zur Erforschung der Entwicklungsgeschichte der Wärme- und Wohnkultur von drei Jahrhunderten bei.

Das Sammeln von alten gusseisernen Öfen war seine große Leidenschaft. 154 seiner Exemplare stehen heute im "Schwäbischen Ofenmuseum" der Holzgroßhandlung Denzel im Wertinger Mühlwinkel. Doch der "Ofenpapst", wie er in Fachkreisen genannt wurde, lebt nicht mehr. Josef Lutz, ein gebürtiger Wertinger, starb im Alter von 75 Jahren.

Zuerst hatten es ihm deutsche Münzen angetan. Über dieses Sammelgebiet kam er 1969 auf einer Tauschbörse zu seiner ersten Ofenplatte mit bayerischem Wappen. Das Objekt faszinierte ihn. Als er dann den passenden Ofen zur Platte fand, wechselte seine Leidenschaft schnell vom Silber zum Eisen. Von den Ofenplatten zu kompletten Öfen war es nur noch ein kurzer Weg.

Diese "Ungetüme" - manche waren mehr als zwei Meter groß - stellte Josef Lutz ab 1995 im Dachgeschoss der früheren elterlichen Metzgerei an der Hauptstraße - gegenüber dem Gänselieselbrunnen - aus. Dort richtete er ein kleines Privatmuseum ein.

Wie bei den Münzen spezialisierte sich Lutz auf Heizgeräte deutscher Hersteller. Die Öfen fand er oft über Inserate. Und so hielten nicht selten Landfahrer bei ihm Zuhause und luden schwere Öfen ab. Lutz hatte damals mehr bezahlt als der Schrotthändler - dies sprach sich in Insiderkreisen herum. So bewahrte Lutz so manches wertvolles Stück vor dem Einschmelzen.

Der Metzgermeister, der ein Ladengeschäft in Wertingen und Kissing betrieb, sah sich als "Entdecker". Die alten Gusseisenöfen erzählten eine eigene Geschichte, die es galt, zu hinterfragen.

Der Sammler kaufte aber nicht nur, er restaurierte die Öfen auch. Sorgsam, mit viel Liebe zum Detail. Bis 1980 hatte er rund 110 Exemplare zusammengetragen. Gegossen wurden diese Objekte vorwiegend in den Eisenhütten von Wasseralfingen und im Lahngebiet. Der Großteil dieser Sammelstücke stammte aus der Zeit von 1850 bis 1910.

"Schwäbischer Ofenpapst"

1990 musste Josef Lutz aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf aufgeben. Von da an erweiterte er seine Sammlung um weitere 70 international begehrte Objekte.

Viele schöne Öfen mit dekorativen Elementen, kannelierten Säulen, mythologischen Darstellungen und floralem Dekor entdeckte er dabei in Tschechien und der ehemaligen DDR.

Als der Handel mit alten Öfen immer kommerzieller wurde, klinkte sich Lutz aus. Von den Öfen wollte er dennoch nicht lassen.

Er widmete sich nun verstärkt der Geschichte dieses Industriezweiges. Er sammelte Musterbücher für den Vertrieb, Firmenchroniken über die Eisenhütten, Dokumente über die Herstellungstechniken und erfasste archivarisch mehr als 20 000 Öfen mit Abbildungen. So kam er zu seinem geachteten Beinamen "Schwäbischer Ofenpapst". Die sehr intensive Auseinandersetzung mit diesem Fachthema machte ihn zu einem der führenden Sachverständigen in Deutschland.

2006 erwarb die Holzgroßhandlung Denzel die Bestände von Josef Lutz und übernahm die Gesamtverantwortung für die umfangreiche Sammlung. Bereits ein Jahr später erfolgte durch den Verkäufer sowie durch die Familie Denzel und unter Mithilfe der Stadt Wertingen die museumsgerechte Präsentation.

Heute gibt das "Schwäbische Ofenmuseum" mit seinen 154 Exponaten Zeugnis über die Entwicklungsgeschichte der Wärme- und Wohnkultur von drei Jahrhunderten. Josef Lutz hat dies mit seiner Sammelleidenschaft ermöglicht - über seinen Tod hinaus Das älteste Exponat dort ist ein Rokoko-Ofen aus dem Jahr 1707.
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