Faszination Geschichte

Dr. Johannes Mordstein vor der Karte mit dem Titel „Mappa über die beide Churfürstliche Freye Reichs Herrschafften Wertingen und Hohenreichen“. Foto: Cornelius Brandelik

Seit dem Studium bereits fasziniert Dr. Johannes Mordstein – seit sechs Jahren Stadtarchivar in Wertingen – das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Vor allem begeistern ihn die kleinen Herrschaftsgebiete. Jedes Dorf gehört zu einer anderen Herrschaft. Somit hat jeder Ort seine spezifische Geschichte, im Gegensatz zu den großen Flächenstaaten wie Preußen.

So ist die Rechtssituation der Herrschaft Wertingen kompliziert: Eigentlich gehört Wertingen zum Herzogtum beziehungsweise Kurfürstentum Bayern. Doch wurde diese bayerische Herrschaft bis 1749 nie direkt selbst ausgeübt. Die bayerische Herrschaft übergab die Verwaltung einem Lehensträger, der somit faktisch die Herrschaft ausübte. Bekannte Lehensträger sind die Langenmantel und Pappenheim.

Wertingen war zwar bayerisch, wurde jedoch nicht als bayerische Stadt wahrgenommen. Dies ging so weit, dass 1462 bayerische Truppen die bayerische Stadt Wertingen belagerten. Man sah Wertingen als Eigentum der Augsburger Patrizier Langenmantel an.

Diese Vielgestaltigkeit der Verhältnisse ist für Mordstein besonders spannend. Die Karte mit dem Titel „Mappa über die beide Churfürstliche Freye Reichs Herrschafften Wertingen und Hohenreichen“ ist ein Ausdruck dieser komplexen Situation. Sie befindet sich im ersten Stock des Schlosses.
Sie entstand im Jahr 1768, als Bayern sich ein exaktes Bild der Herrschaft Wertingen machen wollte, die sich jahrhundertelang in anderen Händen befunden hatte. Vorher wurden oft Mätressen oder deren Ehemänner vom bayerischen Kurfürsten mit der Herrschaft Wertingen als Lehen betraut oder besser gesagt ruhig gestellt.

Tägliche Entdeckungen

Dr. Johannes Mordstein, am 12. Dezember 1967 in Wertingen geboren, wuchs in Unterthürheim auf. Er besuchte in Wertingen das Gymnasium. Dort machte er 1987 sein Abitur. Nach seinen Grundwehrdienst absolvierte er eine Ausbildung zum Diplom-Rechtspfleger (FH) in Starnberg und Augsburg. Danach war Mordstein ein Jahr in Vollzeit beim Bayerischen Obersten Landesgericht in München tätig.

992 arbeitete er als Teilzeitbeschäftigter bei der Justiz in Augsburg, um an der dortigen Universität bayerische und schwäbische Landesgeschichte bei Professor Dr. Rolf Kießling zu studieren. 1999 erfolgt der Abschluss mit dem Magister, 2003 die Promotion mit einer Dissertation zum Thema „Die Judenschutzbriefe in der Grafschaft Oettingen im 17. und 18. Jahrhundert“.
Von 2003 bis 2006 war Johannes Mordstein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Landesgeschichte und bei der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft. Hier arbeitete er über ländliche Zünfte in Schwaben und erforschte Reiseberichte vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert in Bayerisch-Schwaben. Seit 2006 ist er Archivar in der Gemeinde Buttenwiesen, seit 2009 parallel dazu in Wertingen Stadtarchivar auf Teilzeitbasis.
Am meisten Spaß bereiten ihm bei der Archivarbeit die täglichen Entdeckungen. Wertingen sei zwar nur eine kleine Stadt, dennoch werde fast täglich Neues zu Tage gefördert, meint Mordstein.

Weltkriegsheld aus Langenreichen

Aktuell beschäftigt sich Mordstein mit Josef von Steiner, einem Weltkriegshelden aus Langenreichen. Zuvor war Hermann Köhl Thema, der berühmte Atlantiküberflieger, der als erster Pilot mit einem Gefährten den Atlantik über Irland nach Amerika überquerte. Köhl hatte eine Tante in Wertingen. Auch Hans Klaiber war in der Zusamstadt verwurzelt. Er war Direktor der Bayerischen Bergwerke und als solcher eine wichtige Person des bayerischen Bergwerkwesens.

Von Cornelius Brandelik
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.