Gedanken auch in Paris: Der Volkstrauertag sei ein Tag des Nachdenkens und Mitgefühl

Am Wertinger Kriegerdenkmal – oder besser: Denkmal gegen den Krieg – wurden Kränze im Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt niedergelegt. Foto: privat
Der Terroranschlag in Paris hat auch in Wertingen Schrecken ausgelöst. Bei den Feierlichkeiten zum Volkstrauertag verband Stadtrat und Vize-Landrat Alfred Schneid in der Pfarrkirche St. Martin die in den Medien verbreiteten Bildern mit „Trauer, Entsetzen und Schock“. Vieles sei heute wie in den Jahren davor, doch manches anders, resümierte er in seiner Ansprache.

Auch heuer gedenke man der Gefallenen der beiden Weltkriege, an die Toten der Bundeswehr in Auslandseinsätzen, an die Leiden der Vertriebenen und die Opfer der Gewaltherrschaft, meinte Schneid. Jedes Jahr werde versucht, die Schrecklichkeit der Kriege in monströsen Zahlen zu erfassen: elf Millionen Tote im Ersten Weltkrieg, 55 Millionen im Zweiten Weltkrieg, 14 Millionen Vertriebene. „Wie jedes Jahr wird die Erinnerung mit dem Appell zum Frieden verbunden, werden auch Hoffnungen genannt wie das Ende der Militärblöcke und aller Feindseligkeiten.“

„Doch diesmal ist manches anders“, urteilte Schneid. „Kriege sind uns näher. Niemand soll sich, so das perfide Ziel der Terroristen, mehr sicher fühlen können.“ Auch der Ost-West-Gegensatz sei wieder aktuell. Zudem erinnere die Welle der Flüchtlinge an die Not und Armut in den Herkunftsländern.

„Jeder einzelne ist ein Opfer“

Gleichgeblieben seien jedoch die einzelnen Schicksale, hinter denen Tod, Verstümmelung, Vertreibung, Verlust von Heimat, Hunger, Zerstörung und Gewalt stehen. „Jeder einzelne ist ein Opfer“, wertete Schneid. Mehr noch, insistierte er: „Es leiden auch Angehörige, Frau, Mann, Freund, Freundin, Mutter, Vater, Schwester, Bruder.“ Die Empfindungen der deutschen Mütter und Ehefrauen seien auch die der englischen, französischen, italienischen und russischen Frauen, zitierte der Redner den ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss. „Heute kann man noch hinzusetzen: auch der syrischen, irakischen, kurdischen, jemenitischen, jesidischen und eritreischen Menschen“.

Alfred Schneid nannte den Volkstrauertag deshalb „einen wichtigen Tag, der zum Frieden mahnt“. „Dies müssen wir alle tun, weil es die Toten selbst nicht mehr können.“
„Ich bin ratlos“
Der Redner fragte auch, was am Krieg, Terror und Vertreibung entgegen setzen könne. „Ich bin ratlos“, gestand Schneid. Mit ihm seien das sicher auch viele andere Menschen. Sogar Friedenspreisträger Navid Kermani habe eine militärische Antwort als letztes Mittel nicht ausgeschlossen. Wie seinerzeit der deutsch-iranische Schriftsteller bei seiner Dankesrede im Rahmen der Preisübergabe rief auch Schneid zum Gebet auf. Darin hieß es unter anderem: „Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebt einer dem anderen.“

Mit Kranzniederlegungen am Kriegerdenkmal in unmittelbarer Nähe der Josef-Frank-Straße wurden den Opfern von Krieg und Gewalt auch optisch gedacht. Unter den Kränzen waren neben den offiziellen der Stadt und der Bundeswehr auch welche vom Sozialverband VdK, der Sudetendeutschen Landsmannschaft und des Türkisch-Islamischen Kulturvereins. (spr)
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