Gitarrenfestival in Wertingen

Die Gitarrenlegende Carlos Barbosa-Lima avancierte beim Gitarrenfestival in Wertingen einmal mehr zum Publikumsliebling. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Das Internationale Gitarrenfestival zeigte sich als Veranstaltung der Superlative. Die Musiker glänzten mit großer Spielkunst. Dabei servierten sie auch unkonventionelle Musik, die begeisterte.

Das Internationale Gitarrenfestival ist in Wertingen soeben zu Ende gegangen. Vier Mal präsentierte es bislang Musiklegenden und die Vielfalt eines einzigartigen Instruments. Doch heuer erlebten die Besucher ein musikalisches Glanzfeuerwerk, wie es das Festival bislang noch nicht gesehen hatte. Gitarrenkunst wurde ganz groß geschrieben. Hinzu kam, dass jedes - und zwar wirklich jedes - Konzert zum großen Erlebnis wurde. Die Besucher sahen und hörten hochmotivierte Musiker, die nicht nur Qualität, sondern mit ihrem Spiel rhythmische Gemälde, furiose Klangkaskaden und unwiederbringliche Stimmungen servierten.

Entscheidend zu diesem großen Erfolg trug der künstlerische Leiter des Festivals, Johannes Tonio Kreusch, bei. Seine Idee war diesmal, die Gitarre in ihrer ganzen stilistischen Vielseitigkeit zu präsentieren und dabei unkonventionell anderen Instrumenten gegenüberzustellen.

Und genau dieser Kunstgriff machte die heurige Festivalausgabe so einzigartig. Die teilnehmenden Künstler kredenzten große Gitarrenkunst und boten den insgesamt rund 2000 Besuchern einen konzertanten Höhepunkt nach dem anderen. Vor allem beim gemeinsamen, grenzüberschreitenden Musizieren setzten sie spannende Impulse und Akzente. Dass damit noch eine spezielle Atmosphäre, gepaart mit Emotionen, Gefühle und orchestralen Klangfarben entstand, kam - sehr zur Freude des Publikums - zu den Superlativen noch hinzu.

Zur Entdeckung der Gitarre in ihrer ganzen Bandbreite trug bereits zum Auftakt entscheidend das Duo "Friend'n Fellow" bei, das die Zuhörer mit einer gelebten Mixtur aus Jazz, Blues und Soul und einer groovenden Virtuosität in eine berauschende Klangwelt entführte. Tags darauf erneut Musiker mit beeindruckender Frische und technischem Können: der Italiener Fabio Montomoli begeisterte mit transparentem Spiel seiner klassischen Stücke, das Duo "Katona Twins" aus Ungarn mit seinem Crossover zu populären Stilrichtungen.

Einen besonderen Höhepunkt erlebten die Zuhörer am dritten Festivaltag. Publikumsliebling Carlos Barbosa-Lima nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch die südamerikanische Musik bis hin zum amerikanischen Jazz. Das kam so leichtfüßig und charmant von der Bühne, wie es nur einem Großmeister der Gitarrenkunst gelingt. Auch mit seinen "Surprises" traf er ins Volle. Sowohl mit Johannes Tonio Kreusch als auch mit dem Percussion-Profi Gilson de Assis verband ihn ein traumwandlerisches Zusammenspiel.

Im zweiten Teil des Konzerts trumpfte im wahrsten Sinn des Wortes der Jazzpianist Cornelius Claudio Kreusch - Bruder des Festivalleiters - auf. Mit seiner rhythmischen und melodiösen Komplexität, mit Trance und Groove erreichte er in kürzester Zeit die Herzen der Menschen. Punktgenau drückte der charismatische Künstler Gefühle und spirituelle Energie aus, um sie im nächsten Augenblick zu kanalisieren. Beim Duett mit seinem Bruder kam aber auch das Leise und Filigrane eindrucksvoll zur Geltung.

Am letzten Festivaltag teilte sich die Jazz-Gitarristin Susan Weinert die Bühne mit der Fingerstyle-Ikone Alex de Grassi. Beide entfachten einen sinnlichen Klangzauber. Dabei präsentierten sie kraftvolle, innovative und gefühlvolle Stücke mit ganz eigenen Rhythmen und Klangpassagen.

Und so ging ein Gitarrenfestival mit viel Potenzial, Vitalität und Klasse zu Ende. Mit Johannes Tonio Kreusch wurde bereits einer der "Väter" des Erfolgs genannt. Dazu gesellten sich natürlich auch das rührige Organisationsteam und die gute Entscheidung, die Konzerte diesmal mit der Stadthalle an einem einzigen Auftrittsort durchzuführen.
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