Historische Landtechnik

Der Automobilbauer Porsche fertigte während der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre Traktoren mit Dieselmotoren. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Dank der "Freunde alter Landmaschinen Gottmannshofen" tun viele Lanz, Deutz und Allgaier, trotz ihres beachtlichen Alters, noch heute ihren Dienst.

Die "Freunde alter Landmaschinen Gottmannshofen" haben eines gemeinsam. Alle verbindet die Begeisterung für historische Landtechnik und deren Erhaltung. Sie nennen mit viel Engagement und Liebe restaurierte Oldtimer-Traktoren verschiedenster Marken und Typen aus den 1940er-, 1950er- und 1960-er-Jahren, aber auch diverse landwirtschaftliche Geräte von anno dazumal, ihr Eigen.

Wenn man die Fahrzeuge des Vereins bei Ausstellungen oder Ausfahrten sieht, dann begegnet man traditionelle Marken wie Lanz, Eicher, Deutz, Allgaier, Hanomag, Porsche, Schlüter, MAN, Zettelmeyer und Fendt. Sie geben Einblick in das Leben unserer Vorfahren und zeigen eindrucksvoll, wie einst die Felder bestellt wurden.

Bereits damals bezeichnete man die Bulldogs als verlässliche Hünen, auch wenn sie gemächlich übers Feld tuckerten. Doch die Romantik täuschte. Beim Umstieg vom Pferde- oder Ochsengespann für die Feldbewirtschaftung auf den Traktor war ein 20 PS leistender Ein- oder Zwei-Zylinder-Schlepper eine Art Revolution. Er war einfach zu bedienen und vor allem zuverlässig.

Die 1920er-Jahre galten als Durchbruch zur Motorisierung der deutschen Landwirtschaft. Ein großer Aufschwung erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Währungsreform und dem Marshallplan. Nun erhielten die Landwirte verbilligten Treibstoff und günstige Kredite. 1960 gab es in der westdeutschen Landwirtschaft über 900000 Schlepper. Bereits damals festigte sich der Slogan: "Ein Held fährt aufs Feld." Heute sind Traktoren aus der Landwirtschaft nicht wegzudenken.

Nicht zum Alteisen

Die "Freunde alter Landmaschinen Gottmannshofen" kamen 1997 zusammen. Um die Pflege des ländlichen Kulturguts im Bereich der landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte auf eine solide Basis zu stellen, wurde ein Verein aus der Taufe gehoben. Er trat dafür ein, dass alte, kaputte oder ausgediente Traktoren und Gerätschaften wie Erntewagen, Dreschmaschine und Kreiselheuer nicht als Alteisen endeten. Einher ging auch der Gedanke, ein ausgefallenes Hobby - nämlich Erhalt, Bewahrung und Pflege dieser Fahrzeuge und Gegenstände - gemeinsam mit gleichgesinnten Idealisten zu betreiben. Heute zählen die "Freunde" 43 Mitglieder.

So entstand im Laufe der Jahre eine stattliche Anzahl an Sammlerstücken.

Aus verrosteten und maroden Fahrzeugen bastelten und reparierten die Vereinsmitglieder in Scheunen und Garagen wahre Schätze. Da die alten Motoren verhältnismäßig einfach gestaltet waren, gibt es kaum etwas, das sich mit Talent, Freunden und Bekannten sowie der nötigen Geduld nicht in Stand setzen und restaurieren lässt.

Handfeste Faszination

Für die meisten sei es eine ganz handfeste Faszination, stellt Vereinsvorsitzender Andreas Huber fest. Er steht der Interessengemeinschaft seit 2011 vor.

Hier die Hobbymechaniker mit ihren hochgekrempelten Hemden und öl- und fettverschmierten Händen, dort die herausgeputzten, glänzenden und funktionstüchtigen Traktoren. Schwierig sei meist einzig die Beschaffung von Original-Ersatzteilen, so Huber.

Dornröschen musste einst 100 Jahre warten, ehe sie von einem Prinzen erweckt und erlöst wurde. Bei den Oldtimern des Vereins geht es wesentlich schneller bis sie wieder rüstig auf den Reifen sind. "In jedem der alten Fahrzeuge steckt im Durchschnitt mehrere Monate liebevolle Handarbeit", erzählt Andreas Huber.

Wenn die Oldtimer dann bei Ausstellungen oder Ausfahrten leuchtende Augen bei großen und kleinen Betrachtern hervorrufen, dann ist meist auch das lange Suchen nach Ersatzteilen oder der eine oder andere Ärger bei der Restaurierung verflogen. Dann schnauft, tuckert und rattert es genussvoll in den Ohren.
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