Internet-Radio! Wie bitte?

Heinz Maxzin mit Kopfhörern: In der linken Hand das Röhrenradio aus dem Jahr 1927, Typ S. O. B. Foto: Cornelius Brandelik

Das von Heinz Maxzin ausgewählte Objekt stammt aus einer Epoche, in der es noch kein Internet-Radio gab. Es stellt eines der ersten Röhrengeräte dar. Es befindet sich im Radio- und Telefonmuseum der Stadt Wertingen. Dies ist in der alten Berufsschule in der Fèrestraße 1 im ersten Stock untergebracht. Die Einrichtung ist jeden dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Ausstellung umfasst rund 600 Objekte, unter anderem Radiodetektoren, Röhrenradios, Grammophone, Gramolas, Musikboxen und Plattenspieler. Die Geräte sind größtenteils funktionstüchtig.

Die ersten Rundfunkempfangsgeräte sind so genannte Detektorenempfänger. Sie funktionieren ohne Strom. Lediglich zwei Drähte sind nötig: Ein Antennenkabel in Form eines Drahts, der aus dem Fenster gehängt wird, und ein Erdungskabel in Form eines Drahts, der mit einem Rohr in die Erde geleitet wird. Detektorengeräte funktionieren nur über Kopfhörer.
In den 1920er-Jahren kommen die ersten Röhrenempfänger in den Handel. Für die eingebaute Röhre wird Strom benötigt. Komfortabel funktionieren diese Geräte mit Lautsprecher. Das lästige Frisurenproblem mit den schweren Kopfhörern erledigt sich somit.
Heinz Maxzin präsentiert ein Röhrenradio aus dem Jahr 1927, Typ S. O. B. (Schneider-Opel AG, Radiowerke; Frankfurt am Main, später Berlin). Es zeigt gut den Übergang vom Detektor- zum Röhrenempfänger. Hier lassen sich sowohl Kopfhörer als auch Lautsprecher anstecken. Allerdings benötigt man bei diesem Gerät für die Lautsprecher zusätzlich einen Verstärker.

Ein Geschenk ohne Röhre

Außerdem wertschätzt Maxzin dieses Objekt besonders, da es ein Geschenk von seinem verstorbenen Freund Hans Wald ist. Maxzin bekam es ohne Röhre geschenkt. Die passende Röhre erwarb er während eines Flohmarktbesuchs in Ehekirchen bei Pöttmes. Hans Wald war ein leidenschaftlicher Radiosammler. Er hatte im Lauf von Jahrzehnten circa 200 Radiogeräte gesammelt. 2003 verstarb Wald, kurz darauf kam seine Sammlung nach Wertingen ins Radio- und Telefonmuseum.
Das ausgewählte Radio besitzt zwei feste Schwingkreisspulen sowie eine veränderbar angebrachte Schwingkreisspule. Röhre und Spulen sind offen auf einer mit Perlmuttmuster versehenen Deckplatte angebracht. Diese birgt in ihrem Kästchen ein originalgetreues, in bestem Zustand erhaltenes Innenleben. Zwei seitlich angebrachte Buchsen erlauben den Anschluss eines Kopfhörers. Die erhaltene Anschlussschnur enthält sechs Anschlussstecker, wobei zwei davon der Heizbatterie dienen.
Heinz Maxzin, Jahrgang 1939, stammt aus Swinemünde, dem heute in Polen gelegenen Świnoujście. Nach dem Pädagogikstudium mit den Schwerpunktfächern Mathematik und Physik in München unterrichtete er 38 Jahre lang im Augsburger Stadtteil Lechhausen. Seit 2002 ist er in Ruhestand. 2015 vermachte er seine Radiosammlung vorwiegend aus den 1920er- und 1930er-Jahren dem Radiomuseum Wertingen.

Von Cornelius Brandelik
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