Jüdischer Friedhof Wertingen - ein geschändetes Mahnmal

Walli und Ferdinand Brenner besuchten den jüdischen Friedhof in Wertingen. Foto: Marion Buk-Kluger.


Seit dem Jahr 1999 gibt es in Deutschland den "Tag der jüdischen Kultur", der mittlerweile in 30 europäischen Ländern begangen wird. Kürzlich stand dieser wieder auf dem Kalender und auch in Wertingen, Binswangen und Buttenwiesen gab es die Möglichkeit, die Erinnerung an die Geschichte und die Spuren jüdischen Lebens in der Region zu erfahren.

Auch Walli und Ferdinand Brenner aus Dillingen nutzten die Gelegenheit, um den Jüdischen Friedhof auf dem Judenberg in Wertingen zu besuchen. "Wir wollten ihn schon längst ansehen, er ist ja ansonsten geschlossen, auch wenn wir verreisen, sind Friedhöfe stets ein Anlaufziel für uns", so Ferdinand Brenner, der früher in Wertingen auch beruflich aktiv war. Und so konnte das Ehepaar die Zeugen jüdischen Lebens besuchen. Der Friedhof, der eine lange Tradition hat, aber auch Schändungen ertragen musste, zeigt sich dem Besucher heute zwar in der Anzahl der Grabsteine reduziert (siehe auch Geschichte des Friedhofes), aber dennoch ist er zudem Mahnmal. Die jüdische Gemeinde gehörte viele Jahrhunderte zum festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der Region.

1663 errichtete die jüdische Gemeinde Binswangen ihren eigenen Friedhof, da im Vorfeld die Toten auf dem heute nicht mehr bestehenden jüdischen Friedhof in Burgau bestattet wurden. Für jede Beisetzung musste ein Todfallgeld an die Herren von Pappenheim gezahlt werden, auf deren Grund der Friedhof lag. Alljährlich hatten die Juden für die Nutzung des Friedhofs einen weiteren Gulden zu entrichten. Der Friedhof wurde 1694, 1730 und 1761 erweitert. 1761 wurde eine Einfassungsmauer gebaut, da Zerstörungen von Gräbern vorgekommen waren. Das sollten leider nicht die letzten gewesen sein:

1924 warfen Mitglieder einer NSDAP-Jugendgruppe 30 Grabsteine um oder zerschlugen sie, 1938 stürzten Unbekannte 25 Grabsteine um und zerschlugen die meisten anderen.

1940 verwüsteten Angehörige der Hitlerjugend den Rest der Grabsteine und gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Friedhofsmauer abgetragen und als Baumaterial verwendet.

Nach 1945 wurde ein kleiner Teil der Grabsteine wieder aufgestellt und 1963 die Friedhofsmauer wieder aufgebaut. 1975 warfen Unbekannte fünfzehn der wenigen noch verbliebenen Grabsteine um.

Die heutige runde Anordnung ist auf die Neuaufstellung nach Schändungen des Friedhofs zurückzuführen. Nur wenige Grabsteine sind noch erhalten. (Quelle: u.a. Wikipedia) (Marion Buk-Kluger )
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