Kunstausstellung Wertingen: Neue Wege gehen

Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier (links) und Buttenwiesens Kulturreferent Manfred Hartl (rechts) und die Gewinner (von lonks): Sibylle Tiedemann, Oh Seok Kwon und Otto Scherer. Fotos: Marion Buk-Kluger
 
Das Siegerwerk von Oh Seok Kwon "Als die Sonne durch die Wolken brach".


Wege gehen - was für ein passendes Motto für die 19. Ausstellung "Kunst im Schloss" in Wertingen.

Und die Zusamstadt geht seit drei Jahrzehnten diesen eigenen besonderen Weg, Kunst zu fördern. Neben Einzel- und Gruppenausstellungen, der Vergabe von Stipendien und der Artothek gibt es eben alle zwei Jahre die große Kunstausstellung.

Kulturelles Engagement abseits der großen Kunstzentren, das sei nicht hoch genug anzurechnen, wie es Dr. Sabine Heilig vom Kunstverein Nördlingen in ihren einführenden Worten betonte.

156 Künstler aus Bayern und Baden-Württemberg hatten sich beworben, 44 schafften schließlich den Weg in die circa 800 Quadratmeter große Ausstellung.

Jeder der Künstler fand seinen eigenen Weg, das Wettbewerbsmotto umzusetzen. Und drei von ihnen begeisterten die Jury so sehr, dass sie bei der Vernissage sogar den Weg zur Preisverleihung gehen konnten. Bestandteil von Kunst im Schloss ist nämlich auch die Vergabe der beiden Kunstpreise.

Kunstpreis-Gewinner

Der Preis der Stadt Wertingen wurde in diesem Jahr geteilt:

Sibylle Tiedemann aus Neu-Ulm, die eigentlich in Berlin lebt, deren Wege aber derzeit aus familiären Gründen wieder öfter in den Süden Deutschlands führen, gewann mit einer Fotosequenz, in der sie eine Geschichte erzählt, "die ich entdeckt habe, als ich in Los Angeles war." Dort beschritt sie auch wieder die Richtung zurück zur klassischen, analogen Fotografie mit

Rollfilm und eigenständiger Entwicklung im Labor. Wichtig dabei, so wie sie das Motiv sieht, so kommt es auch zum Vorschein, ganz ohne Bildbearbeitung.

Und dies führte sie nun erstmals nach Wertingen - "Ich habe die Anreise sehr genossen. Landschaftlich ist es traumhaft hier." - und eben zum Erhalt des Kunstpreises für "Der mexikanische Parkphotograph" (Handabzug auf Fotopapier).

Diesen erhielt auch der aus Südkorea stammende Oh Seok Kwon. Auch er ging den Weg "back to the roots". Seine Ausbildung zum Bildhauer in der Heimat kommt im Siegerwerk "Als die Sonne durch die Wolken brach" zum Tragen. Seine Kühe aus Art Stone und Blattgold sind das Ergebnis eines Erlebnisses während eines Stipendiums vor einigen Jahren. "Es regnete viel und ich sah beim Spazieren immer Kühe. Da dachte ich, wenn es so weiter regnet, dann verlieren diese ihre Flecken."

Und so skizzierte er die Kühe und zufällig wurden die Zeichnungen mit Kaffee übergossen und die Kuhflecken flossen am Blatt hinab. Jahre später nun setzte er die Kühe, die ihre Flecken verlieren, dreidimensional um: "Ich habe früher viel moderne Kunst, Fotografie, Video, Installationen gemacht. Jetzt habe ich wieder die Arbeit mit der Hand entdeckt, die mich beruhigt."

Kunstpreis Buttenwiesen

"Neue Wege entstehen, indem wir sie gehen", zitierte Dr. Sabine Heilig in ihrer Rede Nietzsche. Und neue Wege der Sichtweise auf zwei Weltreligionen könnte man mit dem Werk von Otto Scherer "Von der Kaaba zum Kreuz und umgekehrt" gehen. Der Gewinner des Kunstpreises der Gemeinde Buttenwiesen zeigt, wie aus einem Kreuz - allerdings "als geometrischer Grundform" - eine Kaaba, oder eben ein Quader entstehen kann, und umgekehrt. Das Heiligtum des Islams und das Symbol des christlichen Glaubens, die beide aus sechs Edelstahl-Quadraten, geschweißt und lackiert, gebildet werden: sie sehen unterschiedlich aus, sind jedoch aus dem selben Grundmaterial. Der Weg für Gedanken hierzu ist geschaffen.

Der Besucher, der den Weg ins Schloss und in die Städtische Galerie im ehemaligen Amtsgericht geht, den erwarten neben den drei Sieger-Kunstwerken bis 6. November weitere 132 Werke der Malerei, Zeichnung, Fotografie sowie Objekte, Installationen und Skulpturen.
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