Kunstsinnige Abenteuerreise

Hans Malzers „Bildstock“ ist eine eindrucksvoll konzipierte Holz-Figurengruppe. Foto: Donautal-aktiv
 
Die aus Eisenteilen zusammengesetzte Kugelskulptur von Peter Schwenk gibt Freiraum für Assoziationen. Foto: Donautal-aktiv

Nicht die große Kunstschau stand bei der Errichtung des Skulpturenwegs Donauried im Mittelpunkt. Es ging vielmehr darum, Objekte in die Natur so miteinander zu vernetzen, dass Ansätze für ein Gesamtkunstwerk spürbar werden. Und so präsentiert sich dieses Projekt auch heute noch: Die Skulpturen entwickeln sich zu einem Abenteuer des Geistes und des Herzens. Die vielseitige Landschaft befreit die Objekte dabei aus der Erstarrung.

Die Unikate assoziieren beim Betrachter eigene Gedanken über das Gesehene und Gefühlte. Zudem verdeutlichen sie auf eindrucksvolle Weise die verschiedensten Materialien, mit denen Künstler arbeiten, formen und gestalten. Sie laden ein, Neues zu entdecken und Dimensionen zu begreifen.
Ins Leben gerufen wurde der Skulpturenweg im Herbst 2005 von der Stadt Wertingen und dem Verein Donautal-aktiv. Es entstanden fünf Kunstwerke von Joachim Kraus, Bert Meinen, Hans Malzer, Peter Schwenk und Herbert Dlouhy.
Bei der Eröffnung im Mai 2006 überzeugte die „Kunstmeile“ auch Buttenwiesens damaligen Bürgermeister Norbert Beutmüller. Die Folge war ein Bildhauersymposium in der Gemeinde. Dort lernten sich die Künstler Peter Buchholz, Katja von Lübtow, Gabriele Berger, Norbert G. Zagel und Ognyan Chitakov kennen. Sie setzten ihre Ideen und Pläne in fünf Objekte um, die schließlich auf der Gemeindeflur zur Installation kamen. Das Besondere: Alle Künstler stellten in ihren Werken den Friedensgedanken in den Vordergrund.

Fantasie anregend

Der Künstler Joachim Kraus zeigt die Naturverbundenheit mit seinem „Platzhirsch“. Das Objekt besteht aus einem faustdicken Stahlstab, der ein monumentales Geweih aus Eiche trägt. Das Werk des Holländers Bert Meinen trägt den Titel „Donau-Blau“. Dahinter versteckt sich eine Reihe von meterhohen Holzstelen mit roter und überwiegend tiefblauer Farbe. Sie kontrastieren eindrucksvoll mit den dahinter stehenden dunklen Nadelbäumen. Das Objekt erinnert an Ruder, aber auch an Stelzen oder an eine optische Grenze.
Mit Hans Malzer hat sich einer der renommiertesten Künstler der Region am Skulpturenweg beteiligt. Der Bildhauer schuf einen über drei Meter hohen Bildstock aus Robinie unter Einbeziehung der dicken Astansätze. Den Betrachtern gibt er den Hinweis „Gott segne unser Land“ mit auf den Weg. Umwandert man das Werk, entdeckt man beispielsweise die beiden Türme der Wertinger Pfarrkirche St. Martin.

„Netzwerk Kugel“

Voller Energie strotzt Peter Schwenks Stahl geschweißte „Netzwerk Kugel“. Die spannungsvoll zusammengefügten Eisenteile machen nicht nur auf intakte Homogenität aufmerksam, sondern auch auf eine globale Einheit von Volumen und Raum. Abrundung findet der erste Teil des Skulpturenwegs mit Herbert Dlouhys Werk „Zeichen“. Das rund vier Meter hohe grafisch gestaltete Objekt aus Stahl und Eiche erinnert an ein modernes Wegkreuz. Die Fantasie lässt aber auch ein Flügel schwingendes Wesen zu.

Archaisches Zeichen

Die beim Buttenwiesener Künstlersymposium entstandenen Werke starten mit Peter Buchholz. Der Belgier hat ein eiförmiges „Vogelhäuschen“ mit zwei Löchern realisiert. Das hoch am Stamm eines Alleebaumes platzierte Werk zeichnet sich durch Ironie und Witz aus. Katja von Lübtow ahmt mit ihrer aufeinander getürmten Holzskulptur „Erdverbunden“ die Weite und Bewegung der Region nach.
Die Österreicherin Gabriele Berger symbolisiert mit im rechten Winkel zusammengefügten Granitplatten den menschlichen Eingriff in die Natur. „Furche“ ist ein archaisches Zeichen, als wäre es hier schon immer da gewesen. Norbert Zagels mit der Kettensäge modelliertes Werk zeigt detailreich gestaltete und in Gegenrichtungen aufgestellte „Kopfstelen“, die mit einer Wegkreuzung korrespondieren. Vom Standort inspirieren lassen hat sich auch der bulgarische Bildhauer Ognyan Chitakov. Sein aus ein Kalksteinblock überdimensionaler, aber fein strukturierter und meditativer Männerkopf hält scheinbar Rücksprache mit der Pfaffenhofener Kirche.
Eingebunden in den Skulpturenweg ist ein bereits länger bestehendes Werk. Das 1976 von Leo Schmitt geschaffene „Magnetschwebebahnkreuz“ aus Beton und Glas hat wegen seiner künstlerischen Qualität Integrierung in den Kunstweg gefunden. Es symbolisiert den Widerstand der dortigen Bürger gegen die einst geplante Versuchsstrecke der Magnetschwebebahn im Donauried.

Blickfänge fern des Alltags

Die insgesamt elf Unikate, die auf einer Strecke von rund sieben Kilometern vom Reutenhof bei Wertingen vorbei an der Keltenschanze bis Pfaffenhofen führen, versuchen Begebenheiten aufzuzeigen und wieder bewusst zu machen. Sie geben Anregungen, die weit über den Alltag hinausreichen.

Von Siegfried P. Rupprecht
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