Mehr Mut zum offenen Dialog

Zwei, die sich im Wertinger ASB-Begegnungscafé kennengelernt haben und sich mögen: Joachim Keil (links) und Mohamad Aamer Ramdoun. Er floh mit seiner Frau aus Syrien wegen seiner fünf Kinder. Er will ihnen eine bessere Zukunft bieten, als in der zerstörten Heimat. Foto: Ulrike Hauke

Über die Schwierigkeiten, aber auch über die Fortschritte in Sachen Integration syrischer Asylbewerber vor Ort überzeugte sich Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier während eines Besuchs im Begegnungscafé des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB).

Die neu gestaltete und atmosphärische Einrichtung befindet sich an der Fritz-Sauter-Straße 10 und öffnet seine Türen immer an den Donnerstagnachmittagen ab 17 Uhr. Jeder Bürger kann dort Kaffee trinken. Seit Wochen wird das Café auch von Männer und Frauen vom „Helferkreis Asyl Wertingen“ und die derzeit in der Zusamstadt lebenden Asylbewerber aus Syrien und Afghanistan genutzt. Doch nur wenige Wertinger nützen die Chance, die ausländischen Mitbürger dort kennenzulernen.
Lehmeiers Fazit nach dem Treffen: „Integration ist nur über einen längeren Zeitraum möglich, am schnellsten geht das über die Kinder, die Schulen und über den Sport.“ Seiner Meinung nach sollten alle Vereine das Angebot des ASB wahrnehmen. „Das sind gute Gelegenheiten, mit den Menschen aus Syrien oder Afghanistan ins Gespräch zu kommen.“ Einige Vereine seien bereits positiv auf die Asylbewerber zugegangen.
Joachim Keil, Geschäftsführer des ASB-Regionalverbands Dillingen-Donau-Ries, gab Lehmeier recht: „Ich wünschte, die Wertinger hätten mehr Mut in einen Dialog mit den Leuten zu treten, insbesondere um auch ihre Ängste anzusprechen.“ Denn nur so könne jeder für sich selbst feststellen, „dass die sogenannten ,Flüchtlinge‘ auch nur Menschen sind, die teilweise dieselben Probleme haben wie die Wertinger“.

Sprachkurs: ein guter Anfang

Zwei von rund sechzig freiwilligen Unterstützern des Wertinger Helferkreises, Eva-Maria Janta und Silvia Fischer, nahmen ebenso Stellungen zu der Frage, wie eine erfolgreiche Integration gelingen könne: „Das größte Handicap ist immer die Sprache, daher sind Sprachkurse ein guter Anfang.“
Gemeinsame Aktionen für heimische und ausländische Mitbürger könnten ebenfalls Möglichkeiten eröffnen, sich kennenzulernen und zu treffen, meinten die Helferinnen weiter. Man denke hierzu im Helferkreis über verschiedene Möglichkeiten nach. Fischer schlug weiter vor: „Wenn speziell die jungen Männer beispielsweise in Firmen Praktikumsplätze bekämen – und sei es auch nur für ein paar Tage – wäre schon viel gewonnen.“ So würden Asylbewerber die Gepflogenheiten in Deutschland kennenlernen, die deutsche Sprache lernen und könnten im Austausch mit der deutschen Bevölkerung ihre Interessen oder Sorgen äußern.

„Würde gerne arbeiten“

Wie zum Beispiel beim Besuch Lehmeiers im ASB-Begegnungscafé ein fünffacher, aus Syrien stammender Vater. Er würde gerne er in Wertingen arbeiten. „Ich bin ausgebildeter Anästhesist und habe in einem Krankenhaus in Homs gearbeitet“, erzählte Mohamad Aamer Ramdoun. Doch sein bisheriger Status spiele für ihn keine Rolle mehr. „Ich würde jede Arbeit annehmen, egal was es ist“, ergänzte er.
Übrigens: Der „Helferkreis Asyl Wertingen“ sucht noch Unterstützer. Interessierte können sich bei Wolfgang Plarre melden: Telefonnummer 08272/ 98974, Fax 08272/98975, E-Mail: wplarre@bndlg.de, Internet: www.bndlg.de/~wplarre. (ulha/spr)
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