Musikalische Gäste aus Übersee

Der 16-jährige Fengjin Cui war dem anspruchsvollen Solopart in „Rhapsody in Blue" jederzeit und souverän gewachsen. Foto: Karolina Wörle

Seit 50 Jahren gibt es das Blue Lake Fine Arts Camp im amerikanischen Michigan. Mit Fritz und Gretchen Stansell hatte diese Einrichtung ein Duo an der Spitze, das es verstand, junge Menschen für die „Schönen Künste“ zu begeistern, zu sensibilisieren und dabei den Geist der Völkerverständigung, für Freundschaft und Frieden in den Mittelpunkt zu rücken und weiterzugeben.

Arthur Richert hatte zu diesem Camp bereits vor mehr als 30 Jahren die ersten Kontakte aufgebaut und in der Folge auch den regelmäßigen Austausch mit dem Gymnasium in Wertingen gepflegt. Als im Jahre 1994 erstmals das Jugendorchester der Stadtkapelle Wertingen unter der Leitung von Musikdirektor Manfred-Andreas Lipp einen Gegenbesuch im Blue Lake Fine Arts Camp machte - dem inzwischen fünf weitere gefolgt waren - wurden die Bande enger geknüpft.
Jährlich sind Orchester und Chöre aus den USA während ihrer Europatour in Wertingen und alle vier Jahre ist der Gegenbesuch, bei dem auch jeweils die Stipendiaten aus Wertingen ihren Aufenthalt in den USA absolvieren. Kürzlich besuchte das „2016 International Youth Symphony Orchestra“ im Rahmen des „Blue Lake International Exchange Program“ mit rund 80 Musikern unter der Leitung von Michael Klaue die Zusamstadt.

Temperamentvoll und virtuos

Dabei hörten rund 1.000 Schüler bereits am Vormittag zwei tolle Konzerte in der Stadthalle. Am Abend konnten die Gäste nochmals vor einem großen einheimischen Publikum begeistern.
Mit der „Overture to Russlan and Ludmilla“ von Mikhail Glinka wurde das Konzert romantisch, temperamentvoll und virtuos eröffnet. Dem 16-jährigen Pianisten Fengjin Cui war der Solopart in „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin vorbehalten. Der Jugendliche, ein bereits vielseitig und hoch dekorierter Solist, war dem anspruchsvollen Solopart jederzeit und souverän gewachsen und brachte Gershwins Musik authentisch zum Klingen und Swingen. Laura Diaz, an der Soloklarinette, hatte das Werk mit ihrem Solotriller und dem folgenden Glissando vom kleinen f bis zum zweigestrichenen b mit tollem Klang eröffnet. Das Publikum spendete für diese Darbietung langen Beifall mit „Standing Ovations“, so dass Fengjin Cui nicht um eine sensible, feine Zugabe am Steinway-Flügel herum kam.

Ideale Botschafter Dvoraks

Das „2016 International Youth Symphony Orchestra“ wurde durch die umsichtige und gestaltende Stabführung von Michael Klaue auch zum idealen Botschafter der Musik von Antonin Dvorak. Gleich die wehmütige Einleitung fand ihr Ziel in der allmählichen Entwicklung und dem mitreißenden Schwung des folgenden Allegro im ersten Satz, der mit Urgewalt in donnerndem e-Moll endete.
Der zweite Satz Largo ist eine Totenklage nach dem Poem „Hiawatha“ und wurde vom Englischhorn in einem erhabenen Solovortrag, unterbrochen durch Naturlaute (Flöten) und Streichertremoli, gestaltet. Der dritte Satz begann mit dem Hochzeitstanz Hiawathas und war von böhmischem Kolorit durchwoben.
Pathetisch verkündeten die Musiker das Hauptthema der „Neuen Welt“, während in den Klarinetten Dvoraks Sehnsucht nach der Heimat zum Ausdruck kam. Im Trio erklangen schon die typisch tschechischen Walzerklänge, bevor der Satz mit aller Kraft im Hauptthema endete. Der vierte Satz war von einer großen Dynamik durchdrungen, die von Michael Klaue bewusst marschartig und energisch gefordert wurde.
Das Publikum war begeistert, Zugaben folgten.

Von Manfred-Andreas Lipp
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