Ohne Sarg ins Grab

Zur Frage der Bestattungskultur nahmen im Festsaal des Wertinger Schlosses Stellung: (von links) Pfarrer Rupert Ostermayer, Margarete Kalchgruber, Stadtrat Ludwig Klingler, Michael Hahn, Bastian Beck, Maik König und Diakon Norbert Kugler. Foto: Anton Stegmair

DISKUSSION / Nichts bleibt, wie es immer schon war: Die Bestattungsformen werden immer vielfältiger. Ist damit ein Verlust an Erinnerungskultur verbunden?

Wertingen. „An welchem Baum möchte ich beerdigt werden?“, so lautete der etwas provokante Titel der Veranstaltung im Festsaal des Schlosses, in der es um die Frage der Bestattungskultur ging. Dazu hatte die Pfarrei St. Martin zusammen mit der ökumenischen Hospizgruppe Wertingen/Höchstädt und der Kontaktstelle Trauerbegleitung der Diözese Augsburg eingeladen.
Individualität und Mobilität, aber auch die demographische Entwicklung würden sich auf die Überlegungen der Menschen nach einer „letzten Ruhestätte“ auswirken, informierte Diakon Norbert Kugler von der Kontaktstelle Trauerbegleitung. So hätten sich neben der traditionellen Erdbestattung auf dem Friedhof zahlreiche neue Formen entwickelt.
Neben der Bestattung in einem Sarg komme in den letzten Jahren immer mehr die Urnenbestattung, so Kugler weiter. Diese könne dann laut bayerischem Recht im Erdreich, in einer Urnenwand oder als Seebestattung in Nord- oder Ostsee stattfinden. „Wer viel Geld hat, kann in Amerika sogar eine Weltraumbestattung für rund 11000 Euro buchen. Jedoch sind die Wartezeiten bis zum nächsten Raketenstart ziemlich lange“, so der Referent trotz des ernsten Themas mit einem kleinen Schmunzeln.
Den Vortragsabend hatte Stadtrat Ludwig Klingler initiiert. Er hatte im Stadtrat einen Antrag nach einer sogenannte „Baumbestattung“ eingebracht. Im anschließenden Podiumsgespräch erläuterte er, dass ihm die Naturverbundenheit auch im Tod wichtig sei. Diese Bestattungsform im Wurzelbereich eines Baumes sei aber auch für immer mehr Menschen attraktiv, wenn die Grabpflege durch Angehörige nicht mehr zufriedenstellend gewährleistet werden könne, meinte Klingler.
Immer ein Hoffnungszeichen
Stadtpfarrer Rupert Ostermayer betonte, dass es für Christen wichtig sei, einen festen Ort mit einer festen Namensnennung zu haben. Das Grab sei immer auch ein Hoffnungszeichen für die Auferstehung der Toten, ein Ort der Trauer und des Trostes. Dazu gehöre für ihn gleichzeitig die ansprechende Gestaltung und Pflege eines Friedhofes. Dabei mahnte er den schon lange Zeit desolaten Zustand der Wertinger Leichenhalle an, was die Anwesenden spontan mit Applaus unterstützten.
Margarete Kalchgruber und Maik König, Vertreter zweier Bestattungsunternehmen, befürworteten die Form der Baumbestattung als neues Angebot. Jedoch sei in den letzten zwei Jahren erst einmal eine Anfrage danach an ihn herangetragen worden, so König. Er sehe dies eher als eine Frage für die Jüngeren.
Margarete Kalchgruber berichtete von einem Waldbesitzer, der einen Fried- oder Ruhewald einrichten wollte, aber an den großen Auflagen gescheitert sei. Ihrer Meinung nach sollte eine Kommune die Möglichkeit zur Baumbestattung auf dem Friedhofgelände anbieten.
Informationspolitik verbessern
Diakon Kugler schloss mit dem Hinweis, dass viele Menschen über die verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten nach geltendem Recht nicht Bescheid wüssten. Die Informationspolitik seien in diesem Bereich zu verbessern, aber auch ein differenzierteres Angebot durch die Kommunen oder Kirchen nötig.
Den geänderten Ansprüchen und Traditionen sei nach Möglichkeit Rechenschaft zu tragen, betonte Kugler. Er appellierte zugleich daran, rechtzeitig die gewünschte Bestattungsform zu bestimmen, damit nach dem Tod diese Frage nicht auf die Angehörigen „abgewälzt“ werde. (steg)
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