Pokémons erobern Wertingen

Der 14-jährige Pokémon-Spieler "Lukas210901" am Kriegerdenkmal, denn es dient auch als Pokéstop. Foto: Marion Buk-Kluger


"Zenzi111" ist begeistert. Die 40-jährige Wertingerin macht das, was zahlreiche Kinder und Jugendliche, aber auch nicht wenige Ü30-Jährige, derzeit am liebsten machen: Sie geht auf Pokémon-Jagd. Seit einigen Wochen ist nämlich das Fieber nach dem Spiel, das über die App "Pokémon Go" heutzutage auf dem Smartphone gespielt werden kann, ausgebrochen.

Was 1996 als erfolgreiches Videospiel samt darauf folgendem Kinofilm, Sammelkarten und Merchandising-Artikeln begann, ist jetzt 20 Jahre später, genauer seit Anfang Juli, ein Hype, der alte und neue Pokémon-Fans zusammenbringt. Und auch in Wertingen sind sie unterwegs, die Jäger der kleinen Monster, die einst der Japaner Satoshi Tajiri erfand.

Doch obwohl es einige gibt, die das Spiel und seinen Ablauf - "die Spieler würden nur auf ihr Handy starren und sich und andere in Gefahr begeben" - kritisieren, gibt es auch positive Aspekte. "Ich habe doch tatsächlich einiges in Wertingen entdeckt, das ich so gar nicht wahrgenommen habe", so Zenzi111. Konkret: An kulturellen oder markanten architektonischen Stellen wie Brunnen und Denkmäler sind so genannte Pokéstops verortet, an denen man die notwendigen Items wie Pokébälle, Tränke und Himmihbeeren, alles aber rein digital versteht sich, erlangen kann. In Wertingen sind das zum Beispiel der Mosaikritter und das Kriegerdenkmal. "Ich hatte bis dato zum Beispiel den Mosaikritter an der Mauer neben dem Amtsgerichtsgebäude nicht wahrgenommen", freut sich die Spielerin.

Dass sie sich übrigens nicht mit ihrem Namen outet, gehört ebenso zum Spiel. "Man gibt sich einen Spielernamen und keineswegs den echten Namen samt Wohnort preis", so Zenzi111. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sei das von Vorteil. Dennoch kommt man ins Gespräch, dann, wenn sich die Spieler an den Pokéstops treffen, denn dort tauchen auch immer wieder Pokémons auf, die dann digital mit den Items gefangen werden können. Oder wenn man sich mit seinem Handy bewaffnet zu den Arenen begibt. Dort spielt man in der virtuellen Welt gegen andere Spieler mit seinen bereits gefangenen und trainierten Pokémons, "aber trifft das eine oder andere mal dann eben schon auf andere Spieler und kommt ins Gespräch." Arenen sind in Wertingen etwa in der Industriestraße bei der Schüco-Säule, vor dem Altersheim St. Klara, beim Marienbrunnen und bei der Kirche in Gottmannshofen. Wer nun künftig an diesen Orten Menschen unterschiedlichen Alters sieht, die abrupt stehen bleiben und mit markanten Fingerbewegungen auf ihrem Handy aktiv sind, dann befinden diese sich gerade auf Pokémon-Safari.

"Das Spiel regt aber auch dazu an, sich zu bewegen", erläutert Zenzi 111. Im Spiel erlangt man nämlich zudem Eier, die ausgebrütet werden und aus denen seltene Pokémons entstehen können, die schwer zu fangen sind. Doch dazu muss man sich zwischen zwei, fünf und zehn Kilometern bewegen, damit das Ei ausgebrütet wird. "Beim Autofahren klappt es nicht, das wäre zu schnell, also muss man sich bewegen!" So manche Mutter freut es, wenn ihre Sprösslinge statt im Zimmer zu sitzen, sich aufs Rad schwingen, um mit Freunden auf Pokémon-Jagd zu gehen. So ist auch der 14-jährige Spieler "Lukas 210901" jetzt öfters draußen aktiv. "Früher hieß es, spiel nicht immer Pokémon, geh lieber raus. Heute dagegen hört man stattdessen: spiel nicht zu viel Pokémon, komm rein", so Zenzi111 schmunzelnd.
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