So war es früher

Die kleine Papierkrippe (Bild) erinnert Vize-Landrat Alfred Schneid an seine schöne Schulzeit in Wertingen. Foto: privat

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Früher war Weihnachten anders. Da waren Süßigkeiten oder üppige Geschenke keine Selbstverständlichkeit. Dafür gab es mehr Lametta. Doch auch damals lebte das Fest von seiner heimeligen und besinnlichen Atmosphäre. Wir haben drei Persönlichkeiten aus der Region nach ihren Kindheitserlebnissen rund um den Heiligen Abend gefragt.

Vize-Landrat Alfred Schneid aus Wertingen hat die Weihnachtsfeste in seiner Kindheit als feste Rituale in Erinnerung. „Wirklich Spektakuläres hat es in all den Jahren nicht gegeben“, betont er. Weder sei der Christbaum in Brand geraten, noch das Essen verbrannt. Jedes Mal habe er sich als Bub auf das „schönste Fest des Jahres“ gefreut.
Dennoch steuert Alfred Schneid eine nette Begebenheit bei. „Jedes Jahr stelle ich seit fast 60 Jahren eine ganz kleine Krippe aus Papier auf - Materialwert null, aber sie hat einen hohen Erinnerungswert“, erzählt er. Und: Sie ist ihm ans Herz gewachsen.
Die Geschichte dazu: In der ersten Klasse der Volksschule bastelte seine Lehrerin Klara Deller, die viele Wertinger Kinder unterrichtet hatte, mit ihren Schülern diese Papierkrippen. Die Pädagogin schnitt die Form aus Pappe aus. „Zuhause beklebte ich sie mit Hilfe meiner Mutter mit Goldpapier“, erinnert sich Schneid. „Das Besondere: Vorne waren zwei Türchen, die an Heiligabend geöffnet wurden und zugleich für einen festen Stand sorgten. Beim Öffnen fiel der Blick auf ein Bildchen mit einer Krippenszene, das die Lehrerin ihren Schülern als Überraschung hinter die Türchen geklebt hatte.“
Seitdem stellt Schneid die Miniaturkrippe jedes Jahr auf. „Sie erinnert an meine schöne Schulzeit in Wertingen und die von mir sehr geschätzte Lehrerin.“

Karg und Still

Doch nicht alle können auf ein glückliches Weihnachtsfest in ihrer Kindheit zurückblicken. „Es war für uns eine schwere Zeit“, verdeutlicht Johann Eppinger aus Frauenstetten. „Vater war zuerst an der Westfront in Frankreich. Später wurde er in den Osten geschickt, wo er 1942 bei Kiew fiel.“
Der Rest der Familie – die Mutter, die zwei Jahre jüngere Schwester Maria und er - war in den Kriegsjahren bis zum Schuleintritt Johann Eppingers bei den Großeltern auf einem kleinen Bauernhof in Christianberg im Kreis Krumau. Diese Zeit war von Not und Sparsamkeit geprägt. „Die Weihnachtsfeste waren stets sehr karg und durch den Kriegseinsatz meines Vaters auch still.“ Lange Zeit gab es mit Ausnahme von Kleidung keine Weihnachtsgeschenke.

„Es war immer wunderschön“

In Norbert Beutmüllers Kindheit und der seiner Brüder war das Warten aufs Christkind immer sehr spannend. „Für mich hat es auch heute noch Kultstatus“, gesteht der Buttenwiesener Bürgermeister.
An Heiligabend folgte die Familie stets einem festen Rhythmus. „Nach dem Mittagessen mussten wir alle drei zum Mittagsschlaf, danach mit dem Vater zum Waldspaziergang, während die Mutter den Weihnachtsbaum schmückte, die Geschenke unter dem Baum verteilte und das Wohnzimmer abschloss.“
Nach der Rückkehr gab es meist Bratwürste mit Sauerkraut. „Dann ging mein Vater ins Wohnzimmer, zündete die Wachskerzen an und läutete damit die Bescherung ein. Mit Flöte und Noten bewaffnet, mussten wir gefühlt unendlich lang vor dem leuchtenden Christbaum mit Blick auf die verpackten Geschenke Weihnachtslieder singen und flöten, bevor die Eltern die Geschenke zum Auspacken frei gaben. Es war immer wunderschön.“ Übrigens: Bis zum heutigen Tag hat Norbert Beutmüller noch nie einen Heiligen Abend ohne Wachskerzen auf dem Christbaum gefeiert.
Im Alter von zehn Jahren hatte e einen großen Wunsch: ein Cowboy-Fort aus Holz. „Als das Christkind meinen Wunsch erfüllt hatte, war die Freude riesengroß. Das damals wunderbare Geschenk bereichert bis heute meine weihnachtlichen Gedanken.“
Auch in der Gegenwart nimmt das Weihnachtsfest bei Beutmüllers einen breiten familiären Raum ein. „Heiligabend feiere ich bis heute immer mit meinen Eltern und seit ich eine eigene Familie habe, auch mit meinen Kindern, obwohl auch diese wiederum bereits eigene Familien mit Kindern aufweisen.“ Norbert Beutmüller befürchtet aber, dass sich diese ihm wichtige Tradition ändern werde und er als Opa mit Oma bald Heiligabend bei einem der Kinder zu feiern habe.

Von Siegfried P. Rupprecht
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