Stadtkapelle Wertingen: Blue Lake Fine Arts Camp in Wertingen

Ein großartiges Musikerlebnis boten die 80 jungen Musikerinnen und Musiker des "International Youth Symphony Orchestra" aus dem Blue Lake Fine Arts Camp unter der Leitung von Michael Klaue dem Wertinger Publikum.
 
Der jugendliche, bereits vielseitig und hoch dekorierte Solist, Fengjin Cui, war dem anspruchsvollen Solopart in "Rhapsody in Blue" jederzeit und souverän gewachsen.
von Manfred-Andreas Lipp

Seit 50 Jahren gibt es das Blue Lake Fine Arts Camp in Michigan/USA. Mit Fritz und Gretchen Stansell hatte diese segensreiche Einrichtung Menschen an der Spitze, die es verstanden, junge Menschen für die „Schönen Künste“ zu begeistern, zu sensibilisieren und dabei den Geist der Völkerverständigung, für Freundschaft und Frieden in den Mittelpunkt zu rücken und weiterzugeben.


Arthur Richert hatte bereits vor mehr als 30 Jahren die ersten Kontakte aufgebaut und in der Folge auch den regelmäßigen Austausch mit dem Gymnasium gepflegt. Als im Jahre 1994 erstmals das Jugendorchester der Stadtkapelle Wertingen unter der Leitung von Musikdirektor Manfred-Andreas Lipp einen Gegenbesuch im Blue Lake Fine Arts Camp machte, dem inzwischen fünf weitere gefolgt waren, wurden die Bande enger geknüpft. Jährlich sind Orchester und Chöre aus den USA während ihrer Europatour auch in Wertingen und alle vier Jahre ist der Gegenbesuch, bei dem auch jeweils die Stipendiaten aus Wertingen ihren Aufenthalt in den USA absolvieren.

80 junge Musiker waren Gäste in Wertingen

Vom 9. bis 13. Juli war zuletzt das „2016 International Youth Symphony Orchestra“ im Rahmen des „Blue Lake International Exchange Program“ mit gut 80 Musikern unter der Leitung von Michael Klaue in Wertingen zu Gast. Zwei tolle Konzerte in der Stadthalle Wertingen hörten am 12. Juli ca. 1000 Schülerinnen und Schüler bereits am Vormittag und am Abend konnten die Gäste nochmals vor dem großem einheimischen Publikum begeistern. Michael Klaue, Dirigent des Jugendsinfonieorchesters Ahrensburg und Dozent für Dirigieren an der Hochschule für Musik in Hamburg, ist dem Blue Lake Fine Arts Camp seit 40 Jahren verbunden. Mit der „Overture to Russlan and Ludmilla“ von Mikhail Glinka (1804-1857) wurde das Konzert romantisch, temperamentvoll und virtuos eröffnet.

Gershwins Musik

Dem 16jährigen Pianisten Fengjin Cui war der Solopart in „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin (1898-1937) vorbehalten. Der jugendliche, bereits vielseitig und hoch dekorierte Solist, war dem anspruchsvollen Solopart jederzeit und souverän gewachsen und brachte authentisch, sowohl im Dialog mit dem Dirigenten und dem Orchester, als auch bei den solistischen Passagen Gershwins Musik zum Klingen und Swingen. Laura Diaz, an der Soloklarinette, hatte das Werk mit ihrem Solotriller und dem folgenden Glissando vom kleinen f bis zum zweigestrichenen b mit tollem Klang eröffnet und erinnerte damit an Ross Gorman, den Klarinettisten des Paul Whiteman Orchesters, das im Jahre 1924, mit Gershwin am Piano, die Uraufführung spielte. Michael Klaue setzte zusammen mit den Solisten des Orchesters und dem Pianisten um, was wohl das Anliegen amerikanischer Musik auch sein muß und so wurden die möglichen Elemente des Jazz mit Bluenotes, Slides, Vibrato und Growls nicht nur angedeutet sondern integriert, großartig ausgespielt und individuell musiziert. Das Publikum hat es verstanden und spendete lange Beifall mit „Standing Ovations“ so dass Fengjin Cui nicht um eine sensible, feine Zugabe am Steinway-Flügel herum kam.

Tolle Programmauswahl für Europatournee

Die vielfältigen Aufgaben von guten Dirigenten bestehen neben hoher musikalischer Kompetenz, Ausstrahlung, menschlicher Größe und Inspiration auch im Gestalten schlüssiger Konzertprogramme und da hatte Michael Klaue genau die richtige Mischung für ein jugendliches, amerikanisches Auswahlorchester auf Europatour aufgelegt. Der böhmische Dirigent und Komponist Antonin Dvorak (1841-1904) betrat 1892 erstmals amerikanischen Boden und war in der Folge in wichtigen Funktionen für die amerikanische Musik tätig, ohne je seine kulturelle Herkunft und Heimat zu verleugnen. Während seines 3jährigen Aufenthaltes wurde Dvorak immer wieder von der Muse geküsst und „Der neuen Welt“ inspiriert. So kam es zu seiner zunächst 5. Sinfonie, die später als 9. Sinfonie e-Moll op. 95 sein populärstes sinfonisches Werk wurde und bis heute blieb.

Dvoraks Symphonie Nr. 9 - e-Moll op. 95

Das „2016 International Youth Symphony Orchestra“ wurde durch die umsichtige und gestaltende Stabführung von Michael Klaue zum idealen Botschafter dieser Musik in romantischer Orchesterbesetzung und so fand gleich die wehmütige Einleitung ihr Ziel in der allmählichen Entwicklung und dem mitreißenden Schwung des folgenden Allegro im 1. Satz, der mit Urgewalt in donnerndem e-Moll endete. Der zweite Satz Largo, auch als „Legende“ bekannt, ist eine Totenklage nach dem Poem „Hiawatha“ und wurde vom Englischhorn in einem erhabenen Solovortrag, unterbrochen durch Naturlaute (Flöten) und Streichertremoli gestaltet. Der dritte Satz begann mit dem Hochzeitstanz Hiawathas und war von böhmischem Kolorit durchwoben. Pathetisch verkündeten die Musiker das Hauptthema der „Neuen Welt“, während in den Klarinetten Dvoraks Sehnsucht nach der Heimat zum Ausdruck kam. Im Trio erklangen schon die typisch tschechischen Walzerklänge, bevor der Satz mit aller Kraft im Hauptthema endete. Der vierte Satz war von einer großen Dynamik durchdrungen, die von Michael Klaue bewusst marschartig und energisch gefordert wurde. Heimat und „Neue Welt“ klangen durch und nach dem letzten Innehalten folgte die triumphale Coda mit dem bekannten Schlussakkord der Holzbläser.

Dank an die Gastfamilien

Das Publikum war begeistert, Zugaben folgten, Christian Hof und Michael Klaue tauschten Geschenke aus und vergaßen nicht, der Organisationsleiterin Karolina Wörle und den Wertinger Gastfamilien für ihr Engagement zu danken.
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