Stadtkapelle Wertingen: Chorgesang lässt Freunde und Völker zusammenfinden

Die jungen Sängerinnen und Sänger eroberten die Herzen der Zuhörer mit ihrem tollen Konzert.
 
Im vollbesetzten Forum des Wertinger Gymnasiums fand das mitreißende Konzert des "International Choir" des Blue Lake Fine Arts Camp/Michigan, unter der Leitung von Shirley Lemon, statt.
Von Christian Kaufmann

Chorgesang lässt Stimmen und Herzen zusammenklingen, Freunde und Völker zusammenfinden – so könnte man die Quintessenz des Konzertabends formulieren, zu dem die Kooperationspartner Musikschule und Gymnasium, sowie die Stadtkapelle Wertingen gemeinsam in das Forum des Gymnasiums eingeladen hatten.


Auf der Bühne standen 49 Sängerinnen und Sänger im Alter zwischen 12 und 18 Jahren aus den US-Bundesstaaten Michigan, Illinios, Indiana, Ohio sowie vereinzelt Tenessee und Arizona, die im Frühsommer die Chorakademie am „Blue Lake Fine Arts Camp“ besucht hatten und am 19. Juni zu einer Konzertreise durch Frankreich und Deutschland aufgebrochen waren. Das Gastspiel in Wertingen bildete den Abschluss der Reihe von Auftritten in verschiedensten sakralen und profanen Räumen, während der sich der Chor, wie Chorleiterin Shirley Lemon im Pausengespräch berichtete, stimmlich und künstlerisch stets weiterentwickelt hatte.
Chorgesang lässt Stimmen und Herzen zusammenklingen – das Programm des Abends ließ den Hörer immer wieder teilhaben an dem faszinierenden Geschehen, dass sich aus der Einstimmigkeit eines gregorianischen Chorals, eines afroamerikanischen Spirituals oder eines folkloristischen Ostinato durch Parallelführung und Gegenbewegung der Stimmen ein Klangraum entfaltet. Beim ersten Höreindruck „verzwickt“ wirkende Rhythmen finden sich dabei in ein spannungsreiches Geflecht ein. Bei einem Folkloresatz wurden durch Aufteilung des Chores in Gruppen auf und vor den Bühnenstufen die Dreidimensionalität des Klangs und zugleich der Textinhalt, der von Leben und Beheimatung handelt, visualisiert.

Klangliche Vielfalt

Beeindruckend war die klangliche Vielfalt von zarten Mädchenstimmen und in der Tiefe wie in der Höhe gleichermaßen kraftvollen Frauenstimmen, von klaren, gerade aus der Mutation hervorgegangenen jungen Tenorstimmen und für ihr Alter erstaunlich runden Bariton- und Bassstimmen. Shirley Lemons ganz große, auf jahrzehntelanger Erfahrung in Chorleitung sowie Chorleiter- und Musiklehrerausbildung beruhende Stärke besteht darin, jeden der jungen Menschen so sein zu lassen, wie er / sie ist, und gerade daraus einen weiten und vollen, dem gewählten Repertoire genau angemessenen Chorklang zu formen.
Chorgesang lässt Freunde und Völker zusammenfinden – das sehr stimmig zusammengestellte Programm vermittelte Einblicke in viele Facetten nordamerikanischer Musikkultur und erwies dabei immer wieder, wie die – in je charakteristischer Weise zum Ausdruck gebrachten – Erfahrungen in Natur und Heimat, Jahres- und Tageslauf, Leben und Glauben sich diesseits und jenseits des Atlantik ähneln und miterfahren werden können. In der Zugabe formulierte der Chor in beiden Muttersprachen die Überzeugung, dass gemeinsames Singen Feindschaft überwinden und Krieg verunmöglichen kann. Die Aufstellung in einer Reihe um das Publikum nicht erst bei diesem Chorsatz intensivierte das Erlebnis der Hörer, in eine Gemeinschaft einbezogen, durch die Künstler mit erinnernden, anregenden, segnenden Worten persönlich angesprochen zu werden. Nachdem die Hörer eingestimmt waren, forderte die Chorleiterin sie bei dem letzten Folklorearrangement vor der Pause zu einem antwortenden Freudenjuchzer und bei dem letzten besinnlichen Lied des zweiten Teils dazu, die sich Hände zu reichen, auf – willkommene Gesten, die gerne aufgenommen wurden.

Gastfreundschaft der Musikerfamilien

Beeindruckend war die Sicherheit, mit der die Sängerinnen und Sänger sich auf lateinische und deutsche Texte, auf klangliche Spezifika nicht zuletzt von geistlicher Musik und Oper einließen und stets klar und lebendig zum Publikum sprachen.
So war den ganzen Abend über zu spüren, dass nicht nur ein Ablauf abgespult, ein Plan verwirklicht wird, sondern dass Menschen in den Familien von Musikerinnen und Musikern der Wertinger Musikschule und Stadtkapelle, zum Teil zum wiederholten Mal, mit Gastfreundschaft beschenkt werden – vielen Dank allen, die sich dafür engagieren – und ihrerseits Menschen mit dem beschenken, was sie in zwei unvergesslichen Sommermonaten erfüllt hat.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.