Städtepartnerschaft: Mehr als nur ein Miteinander

Seit 26 Jahren besteht ein lebendiges Miteinander zwischen Wertingen und Fère-en-Tardenois. Schilder wie hier in der Badgasse sind ein sichtbares Zeichen der Städtepartnerschaft. Foto: Siegfried P. Rupprecht
 

Der Verein Städtepartnerschaft Fère-en-Tardenois/Wertingen leistet einen wichtigen Beitrag zur Freundschaft zwischen den beiden Kommunen.

"So heimatliebend die Wertinger sind, so weltoffen und europäisch denken sie". Diesen Satz prägte der frühere Bürgermeister Dietrich Riesebeck. Dass dahinter keine leeren Worte stehen, beweist auch heute noch die Partnerschaft Wertingens mit der französischen Stadt Fère-en-Tardenois.

Die Besiegelung der Partnerschaft sollte einst ein kleiner Beitrag darstellen, um das "Haus Europa" auf die Beine zu stellen. Zwischenzeitlich ist daraus weit mehr geworden. Es findet ein regelmäßiger Austausch auf musikalischem, sportlichem und kulturellem Bereich statt. Darüber hinaus sind viele private Kontakte entstanden und Freundschaften geknüpft worden.

Beziehungen nach Fère-en-Tardenois gibt es bereits seit über drei Jahrzehnten. Das Wertinger Gymnasium war Vorreiter der Völkerverständigung vor Ort. Seit 1980 besteht zwischen der örtlichen Bildungsstätte und dem dortigen Collège ein reger Schüleraustausch.

Die ersten Gespräche über eine offizielle Partnerschaft zu einer französischen Stadt gab es 1983. Einen endgültigen Beschluss fällte der Stadtrat jedoch nicht. Das Thema kam zwar immer wieder sporadisch in den Sitzungen zur Sprache, jedoch ohne endgültigem Resultat.

Im Juni 1989 gründete sich schließlich ein sogenanntes "Partnerschaftskomitee". Jetzt war das Zueinanderfinden nur noch Formsache. Bereits einen Monat später signalisierten die Stadträte endgültig grünes Licht zur Besiegelung der Städtepartnerschaft mit Fère-en-Tardenois.

Die französische Stadt liegt am Rande der Champagne im Departement Aisne und rund 40 Kilometer entfernt von Reims. Zu den Sehenswürdigkeiten des circa 3100 Einwohner zählenden Orts gehören unter anderem die Kirche Sainte-Macre, das Rathaus, die 1540 erbaute Markthalle und eine Burgruine. Über deren Wassergraben spannt sich ein architektonisches Prunkstück: eine Galeriebrücke im Renaissancestil.

"Baustein für Europa"

Der offizielle Festakt wurde Ende Oktober 1989 gefeiert. Der damalige Bürgermeister Dietrich Riesebeck sprach von "einem Baustein für Europa". Hatte sich Wertingen bereits kurz vor den Feierlichkeiten in der französischen Stadt vorgestellt, präsentierte sich Fère-en-Tardenois im April 1990 mit einer Ausstellung für zwei Wochen im Schloss. Auch die Jugend wollte nicht zurückstehen. Im Mai 1991 wurde ein Jugendkomitee aus der Taufe gehoben. Im gleichen Jahr gab Barbara Hopp ihr Amt als Vorsitzende des Partnerschaftskomitees ab. Ihre Nachfolgerin wurde Christiane Glungler.

Seither sind für die Partner die Staatsgrenzen fließend geworden. Beide Seiten leisten wichtige Beiträge zur Völkerverständigung und zur Freundschaft zwischen den Städten. Gegenseitige Besucher rücken das jeweilige Bild vom anderen ins rechte Licht. Gastfamilien tragen entscheidend diesem fortwährenden Findungsprozess bei.

Die Verbundenheit ist auch im öffentlichen Raum dokumentiert. So benannten die Franzosen im Rahmen der zehnjährigen Partnerschaftsfeier ihren Platz vor der Gesamtschule um in "Place de Wertingen". Da wollten die Zusamtaler nicht nachstehen: Die Straßenbezeichnung "Am Sportplatz" wich der neuen Firmierung "Fère-Straße".

Der Zufall hat beim gegenseitigen Austausch allerding kaum eine Chance. Seit 1992 treffen sich die Partnerschaftskomitees der beiden Städte jährlich in einer grenznahen Stadt, um über die vergangenen Aktivitäten Bilanz zu ziehen und künftige Projekte zu besprechen und zu koordinieren. Einmal auf französischer Seite, im nächsten Jahr auf deutschem Gebiet.

1997 ging das Partnerschaftskomitee in den Verein "Städtepartnerschaft Fère-en-Tardenois/Wertingen auf. 2004 wurde der Verein von der Robert-Bosch- Stiftung für bürgerschaftliches Engagement in deutsch-französische Städte- und Gemeindepartnerschaften mit einer Ehrenurkunde "belohnt".

Über zwei Jahrzehnte lang führte Christiane Glungler den örtlichen Verein. Glungler und ihre Stellvertreterin Christa Böschl gelang es, das aufgebaute Netzwerk zu bewahren und auszubauen. Mit viel Herzblut trugen sie dazu bei, die "Idee Europa" zu festigen und zu stärken. 2014 wurden sie in der Vereinsführung von Hannelore Sutter und Antonio Alvarez abgelöst.

Sprachbarriere kein Hindernis

Der Verein hat rund 100 Mitglieder. Er unterstützt die Partnerschaft, indem sich die Mitglieder bereit erklären, französische Gäste aufzunehmen und bei der Organisation von Veranstaltungen mitzuwirken. Erfreulich ist dabei zu beobachten, wie man auch mit wenigen Kenntnissen der Fremdsprache freundschaftliche Beziehungen knüpfen und auch ausbauen kann.
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