Von Goagl und Sämmler - Mitarbeiter der Wertinger Museen stellen ihre Lieblingsobjekte vor

Josef Mareiser zeigt Goagl und Sämmler, also Getreidesense und den sichelförmig gebogenen Eisenstab. Foto: Cornelius Brandelik
Die „Goagl“ – schwäbisch für Getreidesense – findet sich im ersten Kellergeschoss des Schlosses. Diese Art Sense (schwäbisch „Seages“, abgeleitet vom Lateinischen „secare“: schneiden) besitzt einen Ableger. Dieser dient dazu, dass das Getreide in der „Schlaue“ (Reihe) liegen bleibt. Die abgemähten Halme bilden die Schlaue und werden mit dem „Sämmler“ (sichelförmig gebogener Eisenstab) aufgenommen und anschließend zur Garbe gebunden. Dabei kommen Strohbänder (gedrehtes Stroh) oder Garbenstricke zum Einsatz. Fünf bis sechs Garben ergeben ein „Strohmandele“.

Diese Strohmandela existieren auch noch, als nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach Bindemäher zum Einsatz kommen. Die Bindemäher produzieren die Garben, aus denen per Hand die Mandela aufgestellt werden. Die Mandela beziehungsweise die Garben werden im Sommer, wenn sie trocken sind, in die Scheune eingefahren und dort gelagert. Im Herbst bearbeitet man sie mit der Dreschmaschine: Das leere Stroh wird gebündelt und als Streu im Stall verwendet. Die Getreidekörner selbst werden in Säcke abgefüllt. Ein Teil davon wird in der Brechmühle gemahlen und als Futter für Kälber und Schweine verwendet. Der andere Teil wird in der Mühle zu Mehl verarbeitet.

Mähdrescher läutet neue Ära ein

Mit dem Aufkommen der modernen Mähdrescher – erste Exemplare gibt es bereits in den 1950er-Jahren, verstärkt kommen sie ab den 1970er-Jahren zum Einsatz – dafür verschwinden Garben und Strohmandela. Der moderne Mähdrescher erledigt gleich mehrere Arbeitsvorgänge: Er mäht das Getreide, drischt es, die Körner kommen in einen Tank, während das leere Stroh das hintere Teil des Fahrzeuges als Pressballen oder gepresste Rolle verlässt. Per Rohr wird das Getreide vom Tank in den Wagen befördert. Bereits mit der Benutzung des Bindemähers hatte die Goagl ausgedient.

Ans Herz gewachsen

Der Wertinger Josef Mareiser, der heute mit seiner Familie in Rieblingen wohnt, half als Kind und Jugendlicher oft in der Landwirtschaft der Großeltern und des Onkels mit, unter anderem beim Mandelaaufstellen. So ist ihm die landwirtschaftliche Abteilung des Heimatmuseums besonders ans Herz gewachsen.

Mareiser, am 30. November 1946 in Wertingen geboren, machte von 1963 bis 1965 die Ausbildung zum Finanzbeamten im Mittleren Dienst beim Finanzamt Dillingen. Von 1965 bis 1970 arbeitete er beim Finanzamt in Illertissen, von 1970 bis 1978 beim Finanzamt Augsburg-Land. 1978 kam er zur Verwaltungsgemeinschaft Wertingen, bei der er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2007 tätig war.

Mareiser ist seit vielen Jahren beim TSV Wertingen aktiv. Für das Heimatmuseum ist er seit 2008 tätig.

Von Cornelius Brandelik
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.