Wenig Geld sehr hart verdient

Der rund 350 Jahre alte Webstuhl im Wertinger Heimatmuseum, den Helmar Haupt (Bild) präsentiert, zeugt eindrucksvoll von der Textilherstellung in Schwaben. Foto: Cornelius Brandelik

In den 1950er-Jahren erhielt der Kreisheimatpfleger Otto Lederer einen Anruf, dass in Illemad - einem Weiler in der Gemeinde Buttenwiesen - in einer Scheune ein Webstuhl auf dem blanken Boden im Weg stehe. Sofort griff Lederer zu. Helmar Haupt - er dürfte heute zu den längsten Unterstützern des Wertinger Heimatmuseums gehören - unterstützte ihn dabei.

Mit einem Fuhrwerk, das von einem Schimmel gezogen wurde, holten die beiden den Webstuhl aus der Scheune. Für den Transport wurde er von Helmar Haupt zerlegt und am ersten Aufstellungsort im alten Rathaus in Wertingen am Marktplatz wieder zusammengebaut.
Später musste Haupt den Webstuhl ein zweites und ein drittes Mal zerlegen: Als das alte Rathaus abgerissen wurde, kamen die Museumsobjekte ins alte Schulhaus. In den 1970er-Jahren erfolgte dann der Umzug des Museums ins Schloss, wo der Webstuhl heute noch im zweiten Untergeschoss aufgestellt ist.
Bei diesem letzten Umzug half der damals bei der Stadt beschäftigte Südtiroler Bildhauer Gottfried Stampfer tatkräftig mit. Er ergänzte auch die Fehlstellen des Webstuhles wie beispielsweise den Fußsockel. Ansonsten zeigt sich der Webstuhl komplett.
Ein Webstuhl ist eine technische Vorrichtung zur Herstellung von Geweben. Lang ist es her, dass mit dem Webstuhl des Wertinger Heimatmuseums Leinenstoffe gewebt wurden. Dem Webstuhl gegenüber ist eine kleine Abteilung eingerichtet, die der Flachsherstellung und Leinengewinnung gewidmet ist: Hier finden sich Werkzeuge wie Flachsbrecher, Hechel, Kamm, Haspel und diverse Spinnräder.

Einst prägendes Handwerk

Der Webstuhl im Heimatmuseum zeugt von einem Handwerk, das einst auch unsere Gegend prägte. Das Weben war allerdings ein Knochenjob. Das wenige Geld musste hart verdient werden. Der Ebersberg in Wertingen hieß ursprünglich Weberberg. Hier wohnten die Weber. Als dies in Vergessenheit geriet, kam es durch die Volksetymologie zu einer Umdeutung in Ebersberg.
Hölzerne Webrahmen und einfache Webstühle sind bereits aus der Jungsteinzeit bekannt. Der Webstuhl im Heimatmuseum dürfte dem 17. Jahrhundert entstammen. Diese Art Webstuhl war bis ins 18./19. Jahrhundert gebräuchlich, bis er vom mechanischen Webstuhl abgelöst wurde. Im 19. Jahrhundert kündigt sich der Niedergang des Familienhandwerks an. Bekannt ist der schlesische Weberaufstand von 1844, bei dem die Weber gegen die Arbeitsbedingungen in den aufkommenden Fabriken, die mechanische Webstühle nutzten und damit billiger fertigen konnten, protestierten.

Eifriger Museumsunterstützer

Helmar Haupt, im April 1934 in München geboren, kam in den 1950er-Jahren nach Wertingen, wo er seitdem lebt. Sogleich war er zusammen mit Otto Lederer in Sachen Museum aktiv. Zudem stammen einige Objekte des Heimatmuseums aus seinem Fundus, so Bronzewerkzeuge wie Beil und Meißel (Fundort: Kiesgrube) und zwei Marienskulpturen, eine Pieta sowie eine Maria mit Kind aus Holz, farbig gefasst.

Von Cornelius Brandelik
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