Betrugsverdacht ist vom Tisch

Von Anfang an wies der frühere Chefarzt am Kreiskrankenhaus, Dr. Wolfgang Streifinger, die Vorwürfe gegen sich zurück. Jetzt wurde das Verfahren eingestellt.

Das Strafverfahren wegen Betrugsverdachts gegen den ehemaligen Chefarzt des Kreiskrankenhauses Wertingen, Dr. Wolfgang Streifinger, ist von der Staatsanwaltschaft Augsburg eingestellt worden.

Wie sein Anwalt Dr. Theo Körner auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte, habe sein Mandant eine "schrankenlose Entlastung" erhalten. Alle Vorwürfe seien vom Tisch.

Die Ermittlungen gegen den Mediziner wurden vor zwei Jahren eingeleitet. Damals erklärte der Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft, Matthias Nickolai, dass der Arzt im Verdacht stehe, der Klinik ärztliche Privatliquidationen verschwiegen zu haben, um damit der Abführungspflicht zu entgehen.

Auffallend an dem Fall ist die lange Ermittlungszeit der Strafverfolgungsbehörde. Doch schon am Beginn der Ermittlungen war für die Kripo klar, dass der Fall aufgrund der zahlreichen beschlagnahmten Unterlagen längere Zeit in Anspruch nehmen würde.

Streifingers Anwalt monierte allerdings nicht nur die lange Ermittlungszeit, sondern auch die damalige Vorgehensweise. Körner warf der Staatsanwaltschaft vor allem den "heftigen Zugriff" gegen seinen Klienten vor.

"Der große Umfang der Beschlagnahmung hat Dr. Streifinger seinerzeit die Arbeitsgrundlage beraubt", verdeutlichte er. Körner sprach von "Existenzgefährdung". "Von der enormen psychologischen Belastung ganz abgesehen", so der Anwalt weiter.

Während der langen Ermittlungszeit betonte Streifinger immer wieder, dass alle Anschuldigungen gegen ihn falsch seien.

"Mein Frau, die diese Vorwürfe auch sehr belastet haben, und die Leute im Krankenhaus standen immer hinter mir und haben mir den Rücken gestärkt - das hat mir sicher geholfen, diese Zeit zu überstehen", meinte er in einem Interview, das in unserer Zeitung erschien. Trotzdem habe ihn die ganze Sache krank gemacht, resümierte er. Der 66-jährige Mediziner arbeitete seit den 1990er-Jahren für die Kreiskliniken Dillingen-Wertingen gGmbH.

Ende Juni 2014 schied er altersbedingt aus dem Dienst aus. Sein dortiger Nachfolger als Chefarzt für Chirurgie und Unfallchirurgie wurde Thomas Moehrke.

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Dillingen gegen Streifinger hatten seinerzeit viel Aufsehen erregt. Damals wurden Wohnungen sowie die Geschäftsräume des Wertinger Kreiskrankenhauses durchsucht. Die Kripo beschlagnahmte umfangreiches Aktenmaterial und Computer.

Hinzu kam, dass im gleichen Zeitrahmen eine 49-jährige Arztsekretärin, die sich am Kreiskrankenhaus um verschiedene Abrechnungsbereiche gekümmert hatte, freiwillig aus dem Leben schied. Die Polizei untersuchte darauf hin, ob eventuelle Zusammenhänge mit dem Betrugsverdacht gegen den Mediziner bestanden. Mittlerweile steht fest, dass die Angestellte Rechnungen für ambulante Leistungen der Klinik auf ihr eigenes Konto gebucht hatte.

In diesem Zusammenhang stellte der Anwalt auch die Frage nach dem Kontrollsystem des Krankenhauses gegenüber der Angestellten. Die Überprüfung scheint Lücken gehabt zu haben", meinte Körner gegenüber der StadtZeitung. Denn sonst hätte man Unregelmäßigkeiten der Arbeitskraft feststellen müssen.

Landrat Leo Schrell, der auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Kreiskliniken Dillingen-Wertingen ist, teilte auf Anfrage mit, dass das Krankenhaus seiner Pflicht voll nachgekommen sei.
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