"Es geht auch anders"

Waren sich einig: Der Hochwasserschutz für die Donauanrainer muss woanders beginnen. Unser Bild zeigt (von links) Fabian Mehring, Bürgermeister Reinhold Schilling (Schwenningen), Johann Häusler, Holger Mainardy, Sarah Schuhmann und Tapfheims Bürgermeister Karl Malz. Foto: Heidi Altstetter

Auch die Freien Wähler (FW) sträuben sich vehement gegen die Pläne der Bayerischen Staatsregierung, die in der Region gigantische Flutpolder zum Hochwasserschutz errichten möchte (wir berichteten). Niemand dürfe den Bürgern und Kommunen ihre Grundstücke wegnehmen, solange nicht alle denkbaren Alternativen geprüft worden sind“, so FW-Landtagsabgeordneter Johann Häusler und der schwäbische FW-Vize Fabian Mehring bei einer Podiumsdiskussion in Schwenningen.

Beide kritisierten heftig ein Gutachten der TU München, das vier von zwölf Polderstandorten in der Region vorsieht. Laut Häusler wurden dabei keinerlei konkreten Untersuchungen vor Ort unternommen. Die Zuflüsse der Donau aus dem Alpenraum seien nicht einmal berücksichtigt worden, übte er heftig Kritik.
Breiten Raum widmete Häusler ein von ihm und zwei Parteifreunden in Auftrag gegebenes Gutachten. Es hatte Alternativen zum Polderbau aus fachwissenschaftlicher Sicht untersucht. „Im Gegensatz zur bisherigen Praxis der Staatsregierung, die sich erst die Grundstücke gesichert und dann zu einem Dialog geladen hat, wollen wir auf diese Weise ein deutliches Signal der Transparenz und des regionalen Zusammenhalts setzen“, so Häusler. Es gehe auch anders, betonte er kämpferisch.
Dr. Holger Mainardy zeigte anschließend in seinem gemeinsam mit Professor Dr. Peter Udluft durchgeführten Gutachten auf: „Wenn man alle Register eines intelligenten Staustufenmanagements ziehen würde, könnte man sich mindestens Teile der Polder ersparen.“ So würden etwa ein gezielter Ausbau der Rückhaltebecken an den Donauzuflüssen und das Absenken der Wasserstände in den Stauseen der Donauzuflüsse, wie etwa dem Forggensee, die Lage auch ohne Polder deutlich entschärfen.

Ursachen liegen woanders

In dieselbe Kerbe schlug auch Sarah Schuhmann von der Hochschule in Biberbach. „Der Hochwasserschutz für die Donauanrainer muss an den Zuflüssen aus den Alpen beginnen. Dort liegen die Ursachen. An der Donau zeigen sich nur die Symptome“, meinte sie. „Alternativen zum Polderbau könnten auch in einer Rückverlegung und Erhöhung bestehender Deiche, einer geschickteren Staustufenregelung und der fortlaufenden Befreiung des Flusslaufs von Sedimenten bestehen.“
Auf Fabian Mehrings Rückfrage in der anschließenden Diskussion betonten beide Wissenschaftler, dass die Prüfung der Standorte in der Region in ihren Augen völlig unzureichend ausgefallen sei. „Aus fachwissenschaftlicher Sicht müssten die aktuellen Planungen gestoppt werden“, ergänzte Sarah Schuhmann. „Wer die Region neuerlich für den Hochwasserschutz in die Pflicht nehmen will, muss zuerst einmal den Riedstrom entschädigen“, forderte sowohl BBV-Kreisobmann Klaus Beyrer als auch Landtagsabgeordneter Johann Häusler.

Alle Politikebenen gefragt

Hart ins Gericht ging Häusler auch mit den Überlegungen zu einer Verlagerung der Polder in Richtung Süden: „Eine unsinnige Maßnahme wird nicht dadurch sinnvoller, dass man sie nach dem St.-Florians-Prinzip verlagert.
Häusler forderte vielmehr alle politischen Ebenen auf, über Parteigrenzen hinweg eine Prüfung sämtlicher Alternativen zum Polderbau durchzuführen, um die aktuellen Pläne damit überflüssig zu machen. (spr/pm)
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