Spiel mit dem Feuer

Wenn ein Gymnasium in Meitingen entstehen würde, dann hätte das auch gravierende Auswirkungen auf das bereits bestehende Gymnasium in Wertingen (Bild). Foto: Siegfried P. Rupprecht

Der Kreisverband der Freien Wähler (FW) im Landkreis Augsburg hat ein neues Gymnasium in Meitingen ins Gespräch gebracht. Dies würde allerdings auf Kosten des bereits bestehenden Staatlichen Gymnasiums in Wertingen gehen, alarmiert der der CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Dr. Johann Popp. Sein Credo: „Hände weg vom Wertinger Gymnasium!“

Was hat zu diesem Aufschrei geführt? Im Rahmen der Debatte, ob und wann das dringend sanierungsbedürftige Gersthofer Paul-Klee-Gymnasium generalsaniert oder neu gebaut werden soll, werfen die Freien Wähler im Landkreis Augsburg eine neue Idee in den Ring.
So fordern die Parteifreien im Kontext der Schulneubau- oder Sanierungsfrage die Prüfung, ob der Raumnot am Gersthofer Gymnasium durch eine Außenstelle des Gymnasiums in Meitingen abgeholfen werden könne. Zur Verdeutlichung: Am Paul-Klee-Gymnasium werden bereits seit vielen Jahren zahlreiche Klassen wegen Raumnot in Containern unterrichtet. Nun sollen fünf weitere Containerklassen entstehen.
Die Freien Wähler gehen in diesem Zusammenhang noch einen Schritt weiter. Mittelfristig könnte im Gegenzug auch der lang gehegte Wunsch der Stadt Gersthofen nach einer Realschule in Erfüllung gehen, indem die stark steigende Nachfrage nach dieser Schulart im Gegenzug über eine vollwertige Außenstelle der Meitinger Schuleinrichtung am Standort Gersthofen abgefangen wird, so die FW-Politiker Fabian Mehring und Johann Häusler. „Damit könnte eine Win-Win-Situation entstehen, indem in Gersthofen mit einer Nutzung von Klassenzimmern am Schulstandort Meitingen schnell eine zielgerichtete und kostengünstige Sanierung auf dem bestehenden Areal durchgeführt werden könnte“, verdeutlichen die Parteifreien in einer Pressemitteilung. „Dabei würde die kostengünstigere Sanierung noch interessanter werden und vor allem schnell umsetzbar sein.“
FW-Kreischef Dr. Markus Brem setzt noch eins drauf: „Die Neubauvariante, die erst im Jahr 2023 fertig wäre, könnte damit ad acta gelegt werden. Sowohl in Meitingen als auch in Gersthofen wären auf diese Weise mittelfristig dann alle wesentlichen Schularten vor Ort.“ Dies wäre ein Gewinn für das Lechtal.

Existenzielle Frage

Der Vorsitzende der Wertinger CSU-Stadtratsfraktion, Dr. Johann Popp, sieht die Forderung der Freien Wähler allerdings differenzierter. Er betrachtet die Idee nach eigenen Worten „als Angriff“ auf das bestehende Gymnasium vor Ort. „Wenn die Freien Wähler gleichzeitig betonen, dass sich dadurch die Situation für das Wertinger Gymnasium ,kaum verändere‘, dann ist das eine Irreführung der Bevölkerung.“ Und weiter: „Aktuell kommen weit über 50 Prozent der Wertinger Gymnasiasten aus dem Landkreis Augsburg.“ Dies bedeutet für Popp: „Es geht hier für diese Schule nicht um eine belanglose, sondern um eine existenzielle Frage.“
Der Fraktionschef verweist darauf, dass der Landkreis Dillingen gerade erst mit großem finanziellem Aufwand das Gymnasium Wertingen grundlegend saniert und für die Zukunft bestens aufgestellt habe. „Wie soll denn das Gymnasium Wertingen mit weniger als der Hälfte seiner Schüler betrieben werden?“, fragt Popp. Sein Appel ist eindeutig: „Hände weg vom Gymnasium Wertingen!“

„Völlig daneben“

Selbst von ihren Kollegen vor Ort erhalten die Parteifreien aus dem Landkreis Augsburg schweren Gegenwind. Sowohl der FW-Fraktionsvorsitzende Dr. Herbert Nuber mit seinen Stadträten als auch der Ortsverein und Bürgermeister Willy Lehmeier sprechen sich unisono entschieden gegen den Vorstoß aus. Die Schule in Wertingen habe sogar noch freie Kapazitäten frei, heißt es in einer Pressemitteilung.
Sie verweisen darauf, dass das Gymnasium in Bezug auf sein hervorragendes pädagogisches Angebot, die zeitgemäße Infrastruktur sowie das Angebot an Mittags- und Ganztagsbetreuung zu den Leuchttürmen der örtlichen Bildungslandschaft zählt. Es sei deshalb nicht hinnehmbar, dass eine gut funktionierende Einrichtung, die über die Landkreisgrenzen hinaus erfolgreich arbeitet und aus öffentlichen Steuergeldern massiv in den letzten Jahren finanziert wurde, zerschlagen werden soll.

Von Siegfried P. Rupprecht
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