Radau von der "Rüttelpiste": A8-Lärm plagt Anwohner

Der Lärm hinter der Mauer: Seit über einem halben Jahr ist die A 8 durchgängig auf sechs Fahrstreifen ausgebaut. Obwohl in den meisten Fällen die Lärmschutzwerte eingehalten werden, bleiben die Anwohner dabei, dass die Autobahn zu laut ist, denn: "Was Laborwerte wert sind, weiß man nach dem VW-Skandal". Foto: privat
Seit der Ausbau der A 8 zwischen Augsburg und Ulm beendet ist, klagen Anwohner über Lärm. Ruhig sei nur einer – zu ruhig: Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Auf die Anfragen, die die Autobahn-Anrainer aus dem Augsburger Land in diesem Jahr an den Bundesminister gestellt haben, gab es nie eine Rückmeldung; weder eine Eingangsbestätigung, noch ein Zwischenbescheid, noch sonst eine Nachricht. Der Frust über die ausbleibenden Antworten ist groß, denn offene Fragen gibt es einige.

Wer Schuld am Lärm hat, ist für die Anwohner klar: Der Straßenbelag und die Art des Einbaus. Eine regelrechte „Rüttelpiste“ sei die neue A 8, beklagt man auch in Streitheim. In dem Ortsteil der Marktgemeinde Zusmarshausen wohnt Stefan Vogg. Er ist dritter Bürgermeister und auf die große Politik ganz und gar nicht gut zu sprechen. Der Umgang mit den Anwohnern werfe „nicht unbedingt ein positives Licht auf den Verkehrsminister“, formuliert Vogg diplomatisch.

Eine der großen Fragen sei, warum beim Bau nicht lärmmindernder Asphalt verwendet wurde? Stattdessen besteht die Oberfläche der neuen Autobahn nun aus Waschbeton, der beständiger und dauerhafter ist als Asphalt. Dem Umweltbundesamt zufolge gilt er im Vergleich zu anderen Betondecken als leise. So zumindest die Theorie.

A8-Lärm: Kritik an Laborwerten


Die Bauverwaltungen gehen von einer dauerhaften Lärmminderung von zwei Dezibel auf Basis von Laborwerten aus, erläutert Vogg. Aber, betont er, dieser Wert, der den Einwohnern Streitheims als Verbesserung der Situation angepriesen wurde, sei tatsächlich wenig brauchbar. Es werde verschwiegen, „dass dies nicht eine Verbesserung zum bisherigen Asphaltbelag sei, sondern lediglich eine labormesswerttechnische Verbesserung gegenüber einem sogenannten Laborwert“. Vergleichswert sei lediglich ein „theoretischer Oberflächenzustand“. Dieser Laborwert stehe jedoch in keinem ermittelten Lärm-Verhältnis zum bislang vorhandenen Asphalt. Was die Messdaten der Behörden angehe, schiebt Vogg noch hinterher, wisse man spätestens nach dem VW-Skandal, was Laborwerte wert sind.

Der alte Belag, auch wenn dieser teilweise schon schadhaft gewesen sei, verursachte „nachweislich gemessen einen Lärmpegel von drei bis vier Dezibel weniger als die neue und raue Betonfahrbahn“. Diese werde inzwischen im ganzen Landkreis als „Rüttelpiste“ bezeichnet, „weil die Vibrationen, zum Beispiel am Lenkrad, deutlich heftiger sind als in den nach wie vor vorhandenen Asphaltbereichen bei Brücken und Unterführungen“, sagt Vogg, dem die A 8 schon lange keine Ruhe mehr lässt. „Vor dem Bau der sechsspurigen Autobahn wurde versprochen, es wird besser und leiser, stattdessen ist es lauter geworden. Was bleibt einem Bürger übrig? Auch im Sommer bei geschlossenem Fenster schlafen und wenn am Sonntag Besuch auf der Terrasse sitzt und es zu laut ist, dann geht man eben ins Haus?“

Neben dem lauten Belag beklagt Vogg den unzureichenden Lärmschutz, etwa in seinem Heimatort Streitheim. An den Lärmschutzwänden müsse nachgebessert werden. Und: „Kostenübernahme muss hier durch den Bund erfolgen und nicht durch die Kommune.“
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