Ein Dorf gräbt an seinen Wurzeln

Der Heimatforscher Malcher erklärt im Anschluss an seinen Vortrag den Adelsriedern, wie die Region um 1600 aufgeteilt war
 
Organisator Friedrich Geiger vor der Kopie der Karte

Die große Feier Adelsried EINTAUSEND steht im Jahr 2019 bevor. Im Rahmen einer Vortragsreihe berichtete Werner Malcher aus Altenmünster über das Leben unserer Vorfahren vor 400 Jahren. 

Heimathistoriker Malcher führte einem bis auf dem letzten Platz gefüllten Bürgersaal die sogenannte „Burgauer Landtafel“ vor. Diese drei mal drei Meter große Landkarte hatte der österreichische Maler Johann Andreas Rauch 1613 gemalt.

Die österreichische Vergangenheit des bayerischen Dorfes

Dort sind die frühneuzeitlichen Besitzungen zu sehen, die zur sogenannten Markgradschaft Burgau zählten, darunter auch die Dörfer Adelsried, Kruichen und der Engelshof, die das heutige Adelsried ausmachen. Die Markgrafschaft Burgau als Verwaltungseinheit existierte bis in das Jahr 1799 und stand unter der Herrschaft der Habsburgs, wie Malcher erläutert. „Damit sind wir hier in der Gegend gewissermaßen auch ein Stück weit Österreicher“, merkte der Altenmünsterer mit einem Augenzwinkern ein. Von diesem Joch habe erst Napoleon die Region befreit, scherzte der Heimatforscher.
Malcher machte mit den zahlreich erschienenen Besuchern einen Spaziergang durch die Geschichte anhand der Karte, deren Original sich im Bayerischen Nationalmuseum befindet, und die er auf eigene Kosten sehr aufwendig kopieren ließ. Die Karte beschreibt unsere Region vom Lech bis an die Donau und die Iller. Adelsried befindet sich ziemlich am Rand dieser Markgrafschaft Burgau und hatte um die Zeit der Entstehung der Karte 40 Feuerstätten aufzuweisen, darunter eine Bräustätte und einen Zapfenwirt. Für Kruichen sind 16 Feuerstätten verzeichnet.

Karte und Kunstwerk zugleich

Auf der Karte hat der Maler außerdem zwei große Medaillons angebracht, eines für die „Justitia“, die Göttin der Gerechtigkeit und eines für „Eirene“, die Friedensgöttin, in deren Darstellung Rauch seine Auftraggeber, den Markgrafen von Burgau und seine Gattin verewigte. Damit ist die Landkarte nicht allein ein wertvolles Dokument für die Rekonstruktion der damaligen Herrschafts- und Lebensverhältnisse, sondern auch ein Beispiel der Selbstdarstellung des Adels im 17. Jahrhundert.
So findet sich auf der Karte auch eine Vielzahl von Wappen. Viele Klöster, Adelige, Patrizier übten die Grundherrschaft in den Dörfern aus und gaben ihren Besitz an die Bauern, Lehensnehmer, zur Bewirtschaftung ab. Für Adelsried findet sich der Hinweis auf das Hochstift (Bischof) und das Kloster Heilig Kreuz in Augsburg.

Aufwendige Zeichnungen und spannende Wimmelbilder

Malcher bezeichnete die Karte auch als eine Art „google earth“ des Mittelalters, mit deren Hilfe man sich gut orientieren konnte. Für den Maler war es allerdings sehr eine weit größere Herausforderung als für die heutigen Menschen, die Realität auf die Karte zu übertragen. In elf Monaten lief Rauch mit Gehilfen die ganze Gegend ab, skizzierte mit einfachen Hilfsmitteln und malte dann diese detaillierte Karte, die im Maßstab nur etwa 10-20 % von den tatsächlichen Größenverhältnissen abweicht.
Der interessierte Kartenleser findet oft auch witzige Szenen. In sogenannten Wimmenbildern, Malcher bezeichnet sie als „Comics des Mittelalters“, findet man etwa ein junges Mädchen, das seine Schwangerschaft beklagt, weil der junge Bursche sie jetzt nicht mehr wolle und vor seinen Verpflichtungen fliehe. So ermögliche die Karte auf vielfältige Weise einen Blick in die Vergangenheit, so Malcher.

Adelsried auf der Meilenscheibe

Der Vortragende hatte neben der Rauchschen Karte auch noch eine andere Besonderheit für die Besucher bereit. In zwei Meilenscheiben von Hans Rogel aus dem Jahr 1565 wird die Bedeutsamkeit Adelsrieds offenbar. Die Meilenscheiben zeigen die Entfernung zwischen einzelnen Orten auf Reiserouten an und geben dem Wanderer damit ein Gefühl für die noch zu bewältigende Entfernung. Auf den Scheiben findet sich auch Adelsried, da der Ort damals schon eine wichtige Raststation auf dem Postweg von Augsburg nach Heilbronn über Gersthofen, Adelsried, Reutern, Lüftenberg und weiteren hatte. Die Meilenscheiben waren somit die Vorläufer des heutigen Navigationssystems.
Im Anschluss an seinen Vortrag versammelten sich zahlreiche Besucher um Werner Malcher, suchten nach Dörfern und Flüssen, stellten viele Fragen und dokumentierten ihr großes Interesse an diesem beeindruckenden Nachmittag.

Der Heimatforscher Malcher erklärt im Anschluss an seinen Vortrag den Adelsriedern, wie die Region um 1600 aufgeteilt war.

Den Vortrag organisiert und in denselben eingeführt hatte Friedrich Geiger, der sich bereits intensiv mit der Geschichte seines Heimatdorfes Adelsried befasst hat und auch bereits ein Buch zum Leben auf dem Dorfe generell und in Adelsried im Besonderen verfasst. Dabei ist Melchers Vortrag Teil einer Veranstaltungsreihe zur Geschichte Adelsrieds und der Region, die Geiger organisiert und die noch weitere spannende Vorträge beinhalten wird.
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