Barakzaie schießt Altenmünster zum Derby-Coup

Vor dem Spiel ließ SCA-Coach Goran Boric verlauten, man wolle dem Gegner aus Gersthofen „das Leben schwer machen“ und „nicht nur hinten rein stehen“, sein spielendes Gegenüber Florian Fischer sah in Altenmünster eine „ganz andere Hausnummer“ als es zuvor Thannhausen war und eine „gut organisierte Mannschaft“. Hätten die 200 Anwesenden dies allesamt schon vor dem Spiel vernommen, kaum einer hätte den Weg zum Sportplatz auf sich nehmen müssen, denn exakt auf diese Art und Weise gestalte sich das Spiel.
Wie prophezeit beschränkte sich die Heimelf keineswegs auf die Defensivarbeit, sondern hielt dem Tabellenzweiten hohes Tempo und druckvolles Pressing der Offensivkräfte entgegen. Daraus entwickelte sich ein durchaus schön anzusehendes Spiel, in dem die Gersthofer allerdings zu kaum nennenswerten Aktionen kamen, sondern viel eher über wenig Spielanteile im vorderen Drittel des Feldes verfügten. Demzufolge war auch das 1:0 für die Zusamtaler in der 21. Minute keine Überraschung, denn auch hier zeigte sich die hervorragende Einstellung des SCA in dieser Partie. Abwehrspieler Sergej Scheifel erkämpfte sich im Mittelfeld der eigenen Hälfte den Ball, behielt den Überblick, schickte daraufhin Dominik Osterhoff mit einem mustergültigen Pass auf die Reise und dieser schob souverän in das Tor ein. Ein weiteres Problem der TSV-ler lag in der zunehmenden Beschäftigung mit dem Schiedsrichter und der Beurteilung dessen Entscheidungen, die Spieler verfingen sich schlichtweg zu oft in Diskussionen mit diesem. Kurz nach der Pause schließlich ab der 50. Minute begann eine kuriose und hitzige Spielphase, die bis zur 64. Minute anhalten sollte. Zuerst setzte Altenmünster den nächsten Nackenschlag, indem Fahad Barakzaie 40 Meter vor dem Tor zum Dribbling ansetzte, von den hinter ihm anstürmenden Gersthofern nicht gestoppt werden konnte, daraufhin aus halblinker Position aus gut und gerne 25 Metern abzog und die Kugel im rechten Winkel einschlagen ließ. Ein wunderschönes Tor, das die Zuschauer in Ekstase versetzte, doch bereits sechs Minuten später wachten auch die Ballonstädter auf, indem ein kurzer, raffinierter Pass von Ferkan Segcin die beiden SCA-Innenverteidiger ausspielte und TSV-Stürmer Niklas Kratzer die Vorlage eiskalt zum Anschlusstreffer nutzte. In der 59. Minute sorgte ein Aussetzer von Christoph Wagemann zu einer Balleroberung im Strafraum von Osterhoff, welche vom Verteidiger nur durch einen Schubser zu unterbinden war. Dafür sah dieser aber auch korrekterweise die rote Karte, denn die Aktion galt nur dem Stürmer, welcher sich dazu kurz vor dem Torabschluss befand. Den fälligen Strafstoß verwandelte erneut Barakzaie ohne Probleme. Lediglich drei Minuten später erhitzten sich die Gemüter erneut, als aus einer harmlosen Situation ein Wortgefecht zwischen dem TSV-Spieler Stefan Smolka und dem nach einem Zweikampf der beiden am Boden liegengebliebenen Osterhoff entstand, in dessen Folge aus dem Mund des Erstgenannten ein gut zu hörendes, derbes Schimpfwort, das an dieser Stelle nicht zitiert werden soll, entsandt wurde. Dies blieb jedoch auch dem Schiedsrichter-Assistenten Philipp Ettenreich nicht verborgen, welcher das Gehörte wiederum an Hauptschiedsrichter Felix Wagner weitergab und dieser konsequenterweise und in aller Richtigkeit erneut den roten Karton zückte. Der letzte Platzverweis in diesem Landkreisderby ging schließlich an die Mannschaft aus Altenmünster, als Sebastian Kaifer in der 64. Minute die gelb-rote Karte sah. Vorausgegangen war ein Wegschlagen des Balles in der ersten Hälfte und als zweite gelbe Karte ein Foul, bei dem allerdings auch eine Ermahnung ausreichend gewesen wäre. Allgemein hatten die Spieler der beiden Teams herbe Probleme damit, das Spielgerät nach Entscheidungen des Referees am Ort des Geschehens zu halten. Dafür verwendete Verwarnungen ließen sich nach Schlusspfiff kaum noch an einer Hand abzählen. Durch die Hinausstellung von Kaifer musste das eingangs erwähnte taktische Konzept des SCA natürlich auch über den Haufen geworfen werden, wenngleich man bei zehn gegen neun trotzdem noch die Deutungshoheit auf dem Feld hielt. Beispielsweise musste sich der Gersthofer Torwart, Michael Finkert, bei einem Barakzaie-Freistoß sehr lang strecken, um den Ball noch aus dem Kreuzeck zu fischen. Der TSV, bei dem im Übrigen zehn Spieler mit dem Geburtsjahr 1997 oder jünger im Kader waren, warf in den letzten 20 Minuten noch mal alles nach vorn, konnte sich auch gelegentlich Chancen erspielen, die jedoch allesamt keinen zählbaren Ertrag mit sich brachten. Stattdessen krönte Barakzaie seine überragende Leistung gegen seinen Ex-Club in der 89. Minute wiederholt mit einem Distanzschuss, der zugegebenermaßen als haltbar erschien, doch letztlich am Torwart vorbei ins linke untere Eck zirkuliert wurde.
Die Mannschaft aus Altenmünster veredelte damit einen perfekten Sonntag, mit Ausnahme der gelb-roten Karte, und holte sich beim Verlassen des Spielfeldes den emotionalen Applaus des Anhangs ab, während man in Gersthofen auf Ursachenforschung gehen muss.
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