BDSM in bürgerlichen Schlafzimmern angekommen

Es war ausgerechnet ein Roman zu einem reichlich schlüpfrigen Thema, das dem internationalen Büchermarkt neue Rekordzahlen verschaffte. Die Sadomaso-Trilogie "Shades of Grey" der britischen Autorin E.L. James, zuerst veröffentlicht im Mai 2011, verkaufte sich bis März 2013 weltweit über 100 Millionen mal, allein in Deutschland bis Dezember 2012 5,7 Millionen mal. Seitdem ist das Thema im Lande, und auch im Internet suchen die neuen BDSM-Fans nach mehr; darunter viele Frauen, die immerhin die Mehrheit der Leserschaft des Romans bilden.

Seit dem Erfolg von Shades of Grey entwickelte sich in Deutschland in kurzer Zeit ein breiter Markt für BDSM-Möbel und andere Produkte, die sich unter dem Begriff "Sex Toys" zusammenfassen lassen. Viele dieser Produkte stehen mit Sadomaso-Praktiken im eigentlichen Sinne nicht unbedingt in Verbindung, aber die Bezeichnung ist ohnehin unscharf und umfasst lediglich eine Anzahl sexueller Vorlieben rund um die Themen Dominanz und Unterwerfung. Darin unterscheiden sie sich auch von der Geschichte des Erfolgsromans. Die Beziehung in "Shades of Grey" sei nicht etwa - wie Literaturkritiker und Psychologen monierten - BDSM, also ein mit Lustgewinn für beide Beteiligte verbundenes freiwilliges Rollenspiel, sondern schlicht Missbrauch. Und das Werk ohnehin ein schlecht geschriebener Arztroman ohne Arzt. Wie auch immer: Bei sehr vielen Menschen war das Interesse geweckt.

Ein Markt für BDSM-Artikel entsteht

Auf dem Online-Markt für BDSM-Möbel und -Utensilien positionierten sich in den letzten Jahren schnell größere Player, denn der Markt verhieß eine interessante Rendite. Selbst auf Amazon findet der oder die Interessierte mittlerweile ein kleines Sortiment an BDSM-Möbeln. Pro Monat suchen allein in Deutschland Menschen in sechsstelliger Zahl nach dem Begriff "BDSM". Wenn exklusive Produktmerkmale fehlen, was in einem Low-Tech-Feld wie BDSM-Möbel zwangsläufig der Fall ist, resultiert große Konkurrenz allerdings automatisch in niedrigen Preisen. Und in niedriger Qualität der Produkte, da diese unter dem hohen Preisdruck zwangsläufig in Billiglohnländern mit niedrigen Qualitätsstandards entstehen.

Die Qualität ist nicht immer gegeben

In diesem Zusammenhang etablierten sich jenseits der größeren Anbieter einige kleine Unternehmen, die auf Qualität setzen. Gerade im Bereich der Erotikartikel haben sie starke Argumente. Bei Gegenständen, die im erotischen Spiel eingesetzt werden, ist die hohe Qualität der Produkte unabdingbar, wenn man die Sicherheit der Kunden nicht gefährden möchte. Wenn die falschen Oberflächen und Materialien Körperbereichen außen und innen nah kommen, kann es durchaus zu Verletzungen kommen. Schon Allergien können ein Problem darstellen. Die Baumärkte des Landes erlebten nach der Verfilmung des ersten Teils von "Shades of Grey" 2015 einen großen Zustrom von Menschen, die sich ihre BDSM-Möbel preiswert selber bauen wollten. Zu empfehlen ist dieser Weg nicht.

Innovative Anbieter punkten mit Materialqualität und Verarbeitung

Zu den Unternehmen im Bereich BDSM, die auf Qualität setzen, gehört Steeltoyz aus Delmenhorst. Marcel Kühne und seine Mitarbeiter, alle klassisch ausgebildete Handwerker, produzieren in den eigenen Werkstätten beinahe alle Produkte für den eigenen BDSM-Shop selber. Die BDSM-Möbel und die Sextoys aus seinem Haus sind allesamt aus Edelstahl, dem Lieblingsmaterial des Firmengründers und -inhabers. "Bei uns gibt es keine Metallteile mit scharfen Kanten, keine Weichmacher, keine allergieauslösenden Materialien, sondern nur Luxusware", sagt Kühne. "Unsere Kunden wissen das zu schätzen". Einen ähnlichen Weg mit einem anderen Material geht Fun Factory aus Bremen. Die Firma produziert klassisches Erotikspielzeug wie Dildos und Vibratoren und verkauft sie auf ihrem Webshop. Bei der Produktion werden nur hochwertige Rohstoffe wie medizinisches, hypoallergenes Silikon verwendet und teilweise in Handarbeit veredelt. Auch hier gilt als Anspruch: Qualität "Made in Germany".
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