Brot und Spiele: Warum wir es lieben zu spielen

Candy Crush unterwegs, Red Dead Redemption auf PS4, Mühle mit Oma, UNO mit Freunden, Starburst im Casino und Bundesliga am Samstag; kaum jemand, der nicht täglich ein Spiel spielt oder beobachtet. Spielen liegt in unserer Natur. Von klein auf spielen wir und lernen durch Spielen die Welt und die gesellschaftlichen Verhaltensweisen kennen. Der römische Dichter Juvenal prägte den Ausdruck „Panem et circenses“ als Vorwurf an die Gesellschaft, die sich ab Kaiser Augustus kaum mehr für Politik interessierte. Wichtiger waren den Menschen Brot und Spiele, also grundsätzliche Ernährungssicherheit und Unterhaltung. Obwohl alle Säugetiere spielen, ist es für den Menschen kulturbildend und deshalb wichtig für die Entwicklung und den Fortschritt.

Homo Ludens

„Der spielende Mensch“ gestaltet sein Leben nach dem Leitsatz „ludo ergo sum“, Latein für „ich spiele, also bin ich“. Ein Mensch ist demnach nur dann ganz Mensch, wenn sie/er spielt. Diese Theorie wurde 1939 vom niederländischen Kulturhistoriker Johan Huizinga geprägt. Er versteht Spiel als zentralen kulturbildenden Faktor in allen Lebensbereichen, speziell aber in Wissenschaft und Recht, Kultur, Kunst und Philosophie. Alle menschlichen Errungenschaften entstehen im Spiel. Huizinga meint damit nicht, dass jedes Spiel notwendigerweise in Kultur umschlägt, vielmehr dass jegliche Kultur zunächst spielerisch beginnt, dann rituell festgelegt und zum Schluss institutionell verfestigt wird. Die Regeln „spielen sich ein“ und so werde aus Spiel „heiliger Ernst“. Unter Spiel versteht er Beschäftigungen freiwilliger Art nach festgelegten Regeln. Ein Spiel hat sein Ziel stets in sich selbst, ist zeitlich und lokal begrenzt und ruft Gefühle des Außergewöhnlichen, der Spannung und Freude hervor.

Was gehört zu einem Spiel?

Spiele können beliebig wiederholt werden und sind doch endlich. Jede Wiederholung ist anders als die vorherige, denn obwohl das Spiel festgelegten Regeln folgt, bleibt der Zufallscharakter bestehen. Dies macht das Spiel spannend und es bleibt jedes Mal auf ein Neues interessant. Doch sind Spiele geschlossen organisiert und unterliegen spezifischen Abmachungen. Immer sind Spiele ambivalent und schwanken zwischen vorhersagbar/überraschend, real/imaginär, ernsthaft/naiv. Die richtige Mischung macht die Spannung eines Spiels aus. Im Spiel können Probleme des echten Lebens spielerisch bewältigt werden, indem ihnen aktiv begegnet wird. Zudem gelten im Spiel nicht dieselben Regeln wie im Leben, es ist mehr erlaubt und innerhalb eines Rahmens werden soziale Regeln ausgehebelt. Eine dieser ausgehebelten Regeln ist die Zeit: Während des Spiels gilt nur das Hier und Jetzt

Ersatz für Krieg?

Spiele sind frei, das heißt, ihr Zweck besteht in sich selbst. Somit sind Glücksspiel und Leistungssport streng genommen keine Spiele (mehr), denn deren Ziel ist das Anhäufen von Geld und Ranglistenplätzen. Freud hingegen erklärt den Zweck des Spiels als „Wunscherfüllung und Katharsis“, wo tabuisierte Bedürfnisse wie Gewalt ausgelebt werden können. Böse Zungen sehen im modernen Mannschaftssport einen Ersatz für Schlachten der Vergangenheit. Typische Merkmale des Spiels sind Konkurrenzkampf, Wettkampf und Kreativität. Spielen setzt Kraft, Energie und Aktivität frei und kann zu ungewöhnlichen Lösungen führen. Die ganzheitliche Betätigung regt diverse Hirnregionen an und lässt neue Denkmuster entstehen. Je nach Art des Spiels fördert es vernetztes Denken, geistige Beweglichkeit, Toleranzfähigkeit, Einfühlungsvermögen und hält außerdem jung.

Meta Description: "Ein Mensch ist nur ein Mensch, wenn er/sie spielt." Sie kennen den Satz nicht? Erfahren Sie, was ein niederländischen Kulturhistoriker dazu zu sagen hatte.
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