Gebühren fallen weg: Keine Extra-Kosten beim Zahlungsverkehr mehr

Beim Zahlungsverkehr dürfen ab sofort keine Zusatzkosten erhoben werden (Foto: bluedog studio - 521200435 / Shutterstock.com)


Wer online einkauft, musste bisher damit rechnen, dass beim Zahlen mit einer Kreditkarte oder auch per Lastschriftverfahren zusätzlich Gebühren erhoben wurden. Diese Zusatzkosten sollen künftig wegfallen. Die Europäische Union hat mit einer neuen EU-Richtlinie zum Zahlungsverkehr in Europa, kurz PSDII die Gebühren abgeschafft. Ein Überblick zeigt, was sich künftig für Verbraucher ändert. 

 
Mit dem 13. Januar 2018 gelten für Banken und Finanzdienstleister neue europäische Regeln zum Zahlungsverkehr, die auch in nationalen Gesetzen verankert sind. Für Banken galt bisher, dass sie alleinigen Zugriff auf Kontodaten und unmittelbaren Kundenkontakt hatten. Die gesetzlichen Änderungen zwingen sie nun, dies mit anderen Finanzdiensten zu teilen. Davon können vor allem die Kunden profitieren.
Die Payment Service Directive 2, kurz PSD2, der EU soll den Zahlungsverkehr innerhalb der EU für Verbraucher bequemer und sicherer machen und den Wettbewerb beleben. Es gibt zwar noch an einigen Stellen Handlungsbedarf, bevor die Änderungen für sichere elektronische Zahlungen nach regulatorisch-technischen Standards der Europäischen Bankenaufsicht umgesetzt werden können, vorab fallen z.B. Extra-Gebühren im Zahlungsverkehr weg.

Zahlungen künftig ohne Zusatzgebühren und weitere Änderungen

Demnach darf das Bezahlen mit Kreditkarte, per Lastschrift oder auch per Überweisung künftig nicht mehr zusätzlich kosten. Die EU schätzt diese Zahlungsmethoden als gängig ein. Online-Händler haben zudem versucht, Kunden auf die möglichst günstigste Zahlungsmethode hinzuweisen. Nun dürfen die Händler keine Zusatzgebühren mehr SEPA-Lastschrift, Überweisungen oder Kreditkarten erheben.
Solche Gebühren konnten vor allem bei Fluggesellschaften, Reisebüros, aber auch bei spezielleren Portalen wie Online-Casinos festgestellt werden. Verbraucherzentralen weisen jedoch darauf hin, dass es weiterhin Ausnahmen gibt, wie etwa die Kreditkartenzahlung mit American Express, die in Europa nicht so gebräuchlich ist wie Visa oder Mastercard.

Ein wichtiges weiteres Thema ist auch die niedrigere Haftungsgrenze bei Kartenmissbrauch. Wenn Unbefugte über die Bank- oder Kreditkarte Buchungen via Online-Banking vorgenommen haben, blieben Bankkunden bisher auf Kosten bis zu 150 Euro sitzen. Künftig liegt dieser Betrag bei Schäden durch Kartenmissbrauch bei 50 Euro. Allerdings ist die Haftungsgrenze weiter unbeschränkt, wenn der Kunde vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt.
Bisher war es für Dienstleister wie Hotels oder Autovermietungen möglich, bei einer Buchung bzw. Anmietung einen Betrag auf dem Konto des Kunden zu reservieren. Dies ist künftig nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Verbrauchers möglich.

Verbraucherschützer raten zur Vorsicht

Die Verbraucherzentralen raten Kunden in jedem Fall zur Vorsicht beim Online-Banking, bevor Bankdaten freigegeben werden. Durch diese Daten erhalten Händler oder Finanzdienstleister Einblick in das Privatleben. Wer etwa häufig in der Apotheke einkauft, erlaubt Dritten Rückschlüsse auf die Gesundheit. Außerdem könnten Online-Shops die Preise dem Kontostand anpassen. Gutscheine oder günstige Preise könnten zur Datenfreigabe ermutigen, die Vorteile liegen jedoch bei Dritten. Dazu gleich mehr.

Zugriff Dritter auf Kontodaten

Um den Wettbewerb im Zahlungsverkehr zu fördern, sollen die Banken dazu die technischen Voraussetzungen schaffen und Bankdaten weitergeben, so der Wunsch der EU. Das gilt etwa für Handy-Anbieter, Versicherungen oder Online-Shops. Diese sollen mit Zustimmung des Kontoinhabers Einblick in die Kontodaten der letzten drei Monate erhalten. Allerdings sollen nur Unternehmen Anspruch darauf haben, die durch die Finanzaufsicht BaFin kontrolliert werden.
In der Realität können Kunden bereits über Apps Bankkonten zusammenführen und zentral verwalten. Außerdem werden Zahlungen durch Dienste wie Sofortüberweisung durchgeführt. Bisher gab es hier jedoch eine rechtliche Grauzone, die Banken wehrten sich vehement gegen die Datenweitergabe. Datenschützer kritisieren, dass sich so detaillierte Personenprofile erstellen lassen und die Sicherheit der Datenübertragung gewährleistet sein muss. Durch bestimmte Verfahren sollen Drittanbieter jedoch nicht anonym auf Kontendaten zugreifen können.

Fragen der Identitätsklärung

Ein wichtiges Thema ist die Authentifizierung der Kunden. Künftig sollen zwei von drei Sicherheitsfaktoren bei Zahlungen oder dem Zugriff auf das Konto erfüllt werden. Dazu gehören das Wissen in Form einer PIN, der Besitz in Form einer Karte oder eines Smartphones sowie die Inhärenz z.B. in Form eines Fingerabdrucks. Fraglich ist, ob damit der Verbraucherschutz effektiv gestärkt wird, denn bisher haften Banken oder Händler für mögliche Schäden.
Experten gehen davon aus, dass sich Banken und Zahlungsdienstleister nicht auf eine standardisierte einheitliche Lösung einigen, um sich im Wettbewerb zu differenzieren. Allerdings wären so kundenfreundliche und innovative Möglichkeiten denkbar. Neben klassischen Online-Shops nutzen einige Verbraucher auch für Online-Casinos diverse Zahlungsmethoden. Beispielsweise ist Lastschrift bei Casinos möglich. Die beliebtesten Bezahlmethoden sind bei Online-Casinos:
- Lastschrift
- Paypal
- Kreditkarte
- Giropay
- Sofortüberweisung
Für Ein- und Auszahlungen haben Online-Casinos abhängig von der Zahlungsmethode zusätzliche Gebühren verlangt. Inzwischen nutzen hier immer mehr User das bequeme Lastschriftverfahren, das die Online-Casinos in der Regel kostenfrei anbieten.
Schlussbemerkung
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass vor allem die Kunden von den Neuerungen des gebührenfreien Zahlungsverkehrs profitieren werden. Banken und Finanzdienstleister treten in Wettbewerb, um Kunden innovative und kundenfreundliche Lösungen anzubieten. Vorsicht ist geboten, wenn persönliche Bankdaten an Dritte weitergegeben werden.

Bildquelle: bluedog studio - 521200435 / Shutterstock.com
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