Neue Studie zu Digitalisierung in Unternehmen: Deutschland hinkt hinterher

 
Cloud-Computing, ERP-Systeme, künstliche Intelligenz, Internet of Things - in den Ohren vieler deutscher Unternehmer klingt das noch fremd. Denn in kleinen und mittelständischen Firmen fehlt es nicht nur an schnellem Internet, sondern auch an Experten. Dabei bietet die digitale Transformation Herausforderungen und Chancen gleichermaßen.

Laut der Studie "Digital Europe" des McKinsey Global Institutes (MGI) verschenkt Deutschland aktuell 500 Milliarden Euro bei der Digitalisierung. Wenn Deutschland sein Potenzial optimal nutzen würde, könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2025 zusätzlich um einen Prozentpunkt pro Jahr wachsen. Die Digitalwirtschaft macht der Studie zufolge aktuell lediglich 5,4 Prozent der deutschen Gesamtwirtschaft aus - im europäischen Vergleich belegt die Bundesrepublik damit einen der letzten Plätze.

Herausforderungen: Breitbandausbau auf dem Land

Die Chance auf dieses Umsatzwachstum erkennen und ergreifen nur wenige Mittelständler in Deutschland - ob aus Angst vor hohen Investitionen in neue Technologien, aufgrund des Mangels an Fachkräften oder schlicht wegen einer zu langsamen Internetverbindung. Denn ländliche Regionen sind gegenüber Metropolen klar benachteiligt, wie ein Blick auf den Breitbandatlas zeigt: Vielerorts ist eine Internetgeschwindigkeit von 50 Mbit/s die Ausnahme. Würden Förderungen der Landesregierungen für das Verlegen von Glasfaserkabeln schneller genehmigt, könnten auch kleinere und mittlere Unternehmen vom digitalen Wandel profitieren.

Wirtschaft 4.0: Abläufe effizienter und kostengünstig gestalten

Denn innovative Technologien erleichtern branchenübergreifend die Kommunikation wie auch Arbeitsprozesse und sparen somit Kosten, Energie und Zeit. Besonders deutlich zeigen sich die Vorteile in der Produktion und Logistik.

Vorteile der Digitalisierung in der Produktion


So nutzt der Automobilhersteller BMW zum Beispiel in seinen Werken Robotersysteme für körperlich anstrengende Tätigkeiten, um Mitarbeiter zu entlasten. Laut einer Studie des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) verbessert die Digitalisierung die Produktion um 32 Prozent. Dazu wurden im Rahmen des Forschungsprojekts TransWork vom Bundesministerium für Bildung und Forschung 74 Fach- und Führungskräfte aus der deutschen Metall- und Elektroindustrie befragt, wie Produktivitätsmanagement in ihren Unternehmen umgesetzt wird und die Digitalisierung dieses unterstützt.

Der Weg zu einer smarten Logistik


In der Logistik ersetzen inzwischen moderne und energieeffiziente Modelle wie die Ameise, die mit SAP-Systemen vernetzt sind, die alten Hubwagen. So wissen Mitarbeiter, die mit mobilen Datenerfassungsgeräten ausgestattet sind, genau, wann die Ware verfügbar ist, abgeholt werden kann und das Lager wieder aufgefüllt werden muss. Parallel dazu wechseln die Aufträge im Unternehmen automatisch von "offen" auf "erledigt'. Über Warenwirtschaftssysteme werden die Schritte auf dem kürzesten Weg, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort ausgeführt. Zudem werden Störfälle sofort erkannt.

Um die digitale Revolution nicht nur zu überstehen, sondern mitzugestalten, müssen Unternehmer kontinuierlich im Blick haben, welche Digitalisierungsmöglichkeiten es für ihr Geschäftsmodell gibt, gezielt priorisieren und Prozesse anpassen, Bildungsinitiativen für digitale Kompetenzen nutzen und ihre Mitarbeiter entsprechend schulen. Idealerweise schafft die Regierung bald die regulatorischen Rahmenbedingungen dafür.



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