Online-Lebensmittelhandel - Wie steht Deutschland im Vergleich zu England und USA da?

(Foto: Pixabay.com)

E-Commerce hat sich zu einer gewaltigen Macht entwickelt und in vielen Bereichen den stationären Handel an die Wand gedrückt. Ob Kleider, Schuhe, Bücher oder Elektronik - die Online-Bestellung ist heute gang und gäbe und der Internet-Handel erzielt nach wie vor jedes Jahr zweistellige Wachstumsraten. Eine Branche schien gegen solche Umwälzungen lange immun - der Lebensmittel-Einzelhandel.

Beim Einkauf für die täglichen Mahlzeiten und Getränke ist für viele immer noch der Supermarkt "um die Ecke" die erste Wahl. Das gilt umso mehr, als dafür meist keine weiten Wege zurückgelegt werden müssen und die Öffnungszeiten wesentlich flexibler geworden sind als in früheren Zeiten. Doch auch bei Lebensmitteln findet ein Paradigmenwechsel statt - Online ist im Kommen.


Ein zartes Pflänzchen im Vergleich zu USA und GB



Dabei stellt der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland einstweilen noch ein zartes Pflänzchen dar. In anderen Ländern ist man schon wesentlich weiter, zum Beispiel in den USA oder Großbritannien. In den Vereinigten Staaten dürften Online-Lebensmitteleinkäufe in diesem Jahr deutlich mehr als zehn Milliarden US-Dollar erreichen, in Großbritannien erzielt der Lebensmittelhandel via Internet bereits einen Marktanteil von 7,5 Prozent. Da nehmen sich die 1,7 Prozent in Deutschland noch sehr bescheiden aus.

Bisher wird das Geschäft hierzulande von Pionieren wie AllyouneedFresh betrieben. Das Angebot gilt für ausgewählte Postleitzahlen-Gebiete. Relativ zurückhaltend ist man aktuell noch bei den traditionellen Supermarkt-Ketten. Von den klassischen Filialisten wagte bisher vor allem Rewe den Einstieg in das Online-Geschäft. Tatsächlich hat der Online-Handel für Einzelhandelskonzerne zwei Seiten - einerseits folgt man einem Trend und sichert Geschäft, andererseits bedeutet das aber auch ein Stück weit drohende "Kannibalisierung".

Was deutsche Verbraucher erwarten

Dass sich der Online-Lebensmittelhandel hierzulande noch nicht so etablieren konnte wie in den USA oder Großbritannien, liegt auch am Verbraucher-Verhalten und an den Einstellungen. Der typische deutsche Lebensmittel-Einkäufer ist eher konservativ. Gerade bei Frische-Produkten können sich viele Konsumenten den Internet-Einkauf noch schwer vorstellen. Doch die "reservierte Haltung" beginnt sich zu ändern. In einer repräsentativen Befragung der Unternehmensberatung pwc unter 1.000 Bundesbürgern erklärten immerhin 40 Prozent, in den nächsten zwölf Monaten auch mal Lebensmittel online kaufen zu wollen. Nun bedeutet sporadischer Einkauf noch nicht automatisch verändertes Verbraucher-Verhalten. Doch mittelfristig geht pwc von einem möglichen Marktanteil von zehn Prozent für den Online-Lebensmittelhandel in Deutschland aus.


Affin für das Online-Geschäft sind vor allem jüngere Berufstätige mit Vollzeit-Beschäftigung und einem überdurchschnittlichen Einkommen - gleichzeitig eine interessante Zielgruppe. Neben geringen Vorlaufzeiten und schneller Abwicklung legen diese Kunden auch auf den Preis wert. Offenbar konnte dabei AllyouneedFresh bisher am Markt besonders gut überzeugen. In einem kürzlich durchgeführten Test des "Deutschen Instituts für Service-Qualität" (DISQ) errang der Online-Supermarkt im Vergleich zu anderen Online-Wettbewerbern die besten Bewertungen. Geschätzt wurden vor allem die Bedienungsfreundlichkeit, der hohe Informationswert des Angebots und der Bestellprozess - ein guter Grund für das DISQ, dem Unternehmen seinen diesjährigen Exzellenzpreis für "Strategie und Transformation" zu verleihen
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