Schwäbische Industrie: "Wir kommen in unruhiges Fahrwasser"

In der schwäbischen Metall- und Elektroindustrie blicken die Unternehmen zum ersten Mal seit Jahren wieder pessimistischer in die Zukunft. (Foto: Symbolbild: kasto-123rf.com)

Nach jahrelang guter Konjunktur blickt die schwäbische Metall- und Elektroindustrie erstmals wieder pessimistischer in die Zukunft.

"Die bayerische Metall- und Elektroindustrie befindet sich im Abschwung" - so deutlich drückte Markus Partik, Vorstandsvorsitzender der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm, aus, was die Umfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen zeigt: In Schwaben und im Rest Bayerns bewerten die Unternehmen ihre Geschäftslage deutlich schlechter als noch vor einem halben Jahr. In Schwaben sieht es im direkten Vergleich zwar etwas besser aus, doch auch hier sinken fast alle Umfrageergebnisse deutlich.

"Es wird aber nicht von heute auf morgen schlagartig schlechter werden", beruhigte Partik. Angst um die Zukunft müsse man nicht haben - in vielen neuen Technologien sei man auf einem guten Weg, und der Freistaat investiere weiter in den Sektor. Im internationalen Wettbewerb hätten Metall- und Elektrounternehmen aber einen schweren Stand. In einem Vergleich mit Konkurrenten wie den USA oder Japan stellte eine Studie der Arbeitgeberverbände fest, dass deutsche Unternehmen mit den höchsten Arbeitskosten, der zweithöchsten Unternehmenssteuerlast, den dritthöchsten Stromkosten und einer überdurchschnittlichen Regulierung des Arbeitsmarkts arbeiten. Diese negativen Standortfaktoren habe die gute Konjunktur bisher ausgeglichen und verdeckt, doch nun werde der Standortwettbewerb wohl wieder wichtiger.

Um wettbewerbsfähig zu werden, wünscht sich die bayme vbm etwa Anpassungen bei den Tarifverträgen. Den aktuellen Weg könne man "so nicht weiter beschreiten", sagte Partik. Die Tarifentgelte seien mit 28 Prozent seit 2010 deutlich stärker angestiegen als die Produktivität der Metall-und Elektroindustrie mit 7,5 Prozent. Außerdem seien die Verträge so komplex, dass sie für kleinere Unternehmen nicht mehr handhabbar seien. Auch eine Senkung der Unternehmenssteuerlast auf 25 Prozent fordert die bayme vbm.

Zwölf Prozent der Betriebe wollen Produktion drosseln

Die meisten schwäbischen Unternehmen bewerten ihre Lage zwar weiterhin positiv, doch nicht mehr so gut wie in der zweiten Jahreshälfte 2018. Im Gegensatz zu Bayern sind in Schwaben die Produktionspläne zwar noch leicht aufwärtsgerichtet, dennoch planen nur noch 17 Prozent der Betriebe, ihre Produktion zu erhöhen. Vor einem halbem Jahr waren es noch 31 Prozent. Zwölf Prozent wollen ihre Produktion drosseln, während der Großteil der Unternehmen von gleichbleibender Produktion ausgeht.

Die Ertragslage sei ordentlich. Knapp die Hälfte der Unternehmen geht für das Jahr 2019 von einer Nettoumsatzrendite von über vier Prozent aus. Rund fünf Prozent schreiben aber voraussichtlich Verluste, weitere 7,5 Prozent müssen mit einer Rendite von weniger als zwei Prozent auskommen, "was man erfahrungsgemäß dann nicht lange durchhält", erklärte Partik.

Auch Stellenabbau hat begonnen

Auch der Beschäftigungsanstieg in der schwäbischen Metall- und Elektroindustrie wird sich wohl "nicht mehr in dem Tempo" fortsetzen. 22 Prozent der Befragten fürchten, im zweiten Halbjahr 2019 Stellen abbauen zu müssen. Diese Anspannung wirkt sich auch dadurch aus, dass Arbeitszeitkonten wie Urlaubstage abgebaut und die Zeitarbeit zurückgefahren wird. Anfragen zur Kurzarbeit gebe es inzwischen deutlich häufiger, erzählte Stephanie Ammicht, Geschäftsführerin der bayme vbm Geschäftsstelle Schwaben. Dabei handele es sich noch vor allem um Vorüberlegungen, sollten die anderen Maßnahmen nicht ausreichen. Teilweise hat der Stellenabbau auch bereits begonnen.

Für die negativen Zahlen sind besonders die belastete Automobilindustrie sowie die Hersteller von Metallerzeugnissen und elektrischer Ausrüstung verantwortlich. Gut geht es der Elektroindustrie, dem IT-Sektor und dem Maschinenbau. "Das ist auch ein bisschen die politische Großwetterlage weltweit", analysierte Partik. Handelsbarrieren, zum Beispiel aus Großbritannien oder den USA, könnten die Lage weiter belasten. "Langfristig ist das ein Nachteil für uns alle", meinte Partik. Er hofft, dass "die neue Regelung nach dem Brexit" gut funktionieren wird. "Wir kommen in unruhiges Fahrwasser", fasste er zusammen. "Es wird spannend."
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