Trainieren Sie Ihr Gehirn wie einen Muskel

Das Gehirn besteht aus vielen Verbindungen (Foto: Pixabay.com)
 
Das Smartphone wird zum Zentrum des Gesundheitsmanagements (Foto: unsplash.com)
 
Ausreichend Schlaf ist ebenso wichtig wie gutes Training (Foto: unsplash.com)

Das Gehirn ist eigentlich kein Muskel. Stattdessen besteht es fast ausschließlich aus Nervengewebe und ist somit eher ein Geflecht an vielen, vielen Nervenbahnen, die als zentrale Schaltzentrale des Menschen dienen. Ein faszinierender Fakt: Zusammengenommen ergeben alle Nervenbahnen im Gehirn eine Gesamtstrecke von etwa 5,8 Millionen Kilometern. Das entspricht ziemlich genau 15 Mal der Entfernung zwischen der Erde und dem Mond. Diese Komplexität muss gepflegt werden, um sicherzustellen, dass sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns nicht nur in jungen Jahren, sondern auch noch in hohem Alter auf einem hohen Niveau befindet.


Körper und Geist

Der Fokus bei Fitness wird allzu häufig auf körperliche Trainingsweisen gelegt und keine Frage: diese ist ebenfalls sehr wichtig, um gesund durchs Leben zu kommen. Die Facette der mentalen Fitness wird stattdessen oft bestenfalls an zweiter Stelle genannt. Ist allerdings der Körper gesund, aber der Geist kann nicht mit ihm mithalten, dann kann kein gesundes Gesamtbild entstehen. Deshalb heißt es auch so häufig: Körper und Geist oder physisch und psychisch.

In diesem Artikel geht es um einige der effektiven Möglichkeiten, um das eigene Gehirn zu trainieren, ganz ähnlich wie man es mit einem Muskel tut. Denn unabhängig, ob man acht Jahre oder 88 Jahre alt ist: Das Gehirn kann immer trainiert werden, zwar auf unterschiedliche Weise, aber in jedem Fall mit einem guten Ergebnis.

Das richtige Trainingsmodell

Welche Methoden gibt es aber, um den Kopf auf Trab zu bringen? Die Trainingsmethoden sind wie auch in jedem Muskeltrainingsprogramm eingeteilt in Übungen, abgestimmt mit einer passenden Ernährung. Ganz richtig: Zu einer mentalen Gesundheit gehören nicht nur Gedächtnisübungen und Co., sondern auch bestimmte Lebensmittel, die dem Körper all die Stoffe und Elemente geben, die er braucht, um mental über sich hinauszuwachsen. Während das Angebot an Tipps und Trainings für die Muskeln sehr groß und vielseitig ist und kurz sowie langfristig Erfolge in Aussicht stellt, wird die mentale Fitness leider oft nur wie ein Hobby vermarktet. Wer aber regelmäßig trainiert und sich dabei gut ernährt, kann seine Leistungsfähigkeit noch lange auf einem hohen Niveau halten und sich eine hohe Lebensqualität sichern.

In der Wissenschaft kennt man sechs kognitive Fähigkeiten, die durch regelmäßiges Training verbessert werden können. Diese sind die Aufmerksamkeit, die Exekutivfunktionen, das Gedächtnis, kognitive Fähigkeiten, räumliches Denken und die Sprache. Je nach Fähigkeit gibt es unterschiedliche Trainingsmethoden, die durch Stimulation verschiedener Gehirnareale und durch viele Wiederholungen eine Bildung von neuen synaptischen Verbindungen zur Folge haben, was mit einer verbesserten Leistung einhergeht – auch noch im Erwachsenenalter. Zusätzlich wird das Gehirn durch Übung stetig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Die richtigen Karten

Ein typischer Klassiker des Gehirntrainings sind Gesellschaftsspiele, denn solche besitzen feste Regeln und neben einem stetigen Nachdenken über die eigene Gewinnstrategie spielt auch die soziale Komponente des Miteinanders eine bedeutende Rolle. Zu der großen Welt der Gesellschaftsspiele zählen auch viele Kartenspiele. Diesen wird eine besonders große Palette an positiven Effekten nachgesagt. Dauerrenner wie Poker, Mau-Mau, Skat oder Rommé werden mit mehreren Spielern gespielt und verbessern das Gedächtnis und strategische Denken. Der Casino-Klassiker Blackjack auf der anderen Seite, wirkt sich besonders auf die linke Gehirnhälfte aus, auf Regionen, die mit mathematisch-logischem Denken in Verbindung gebracht werden. Eine Gemeinsamkeit haben diese Spiele alle: Sie schützen vor sozialer Isolation, besonders in höherem Alter.

Natürlich können typische Gehirn-Fitness-Spiele wie Kreuzworträtsel oder Memory nicht genug empfohlen werden. Sie trainieren das Arbeitsgedächtnis, das schnelle Abrufen von Informationen sowie das Kurzzeitgedächtnis (Memory ist, was dies angeht, das Non-Plus-Ultra). Wie ein Muskel wird das Gehirn mit der Zeit ohne ein Training träge. Im Alltag kann so ein spielerisches Training Wunder wirken und vielen der kleinen Probleme mit dem Gedächtnis kann durch regelmäßiges Spielen entgegengewirkt werden.

Virtuelle Intelligenz

Viele Studien haben zudem klar belegt, dass durch Training die kognitive Leistung wie auch die Intelligenz gesteigert werden kann. Das heißt, die Methoden wirken sich auf die unterschiedlichsten Bereiche aus und machen einen nicht nur fitter, sondern zugleich schlauer. Weiterhin ergeben sich durch die Digitalisierung viele zusätzliche Möglichkeiten für Gehirn-Training. Dank der Tatsache, dass nahezu jeder mittlerweile einen Minicomputer in Form eines Smartphones in der Tasche mit sich herumträgt, lassen sich viele Spiele und Trainingsmethoden unterwegs über das Handy durchführen. Zahlreiche Spieleapps mit Kreuzworträtseln, Sudoku, kuratierten Trainings im Stil von Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging, aber auch Apps, die bei Selbstaufmerksamkeitsübungen, beim Yoga oder beim Meditieren helfen, gehören zum Repertoire der verschiedenen mobilen App Stores. Es braucht also oft keine teuren Kurse oder Trainer mehr, stattdessen kann heute von zu Hause aus, ohne viel Aufwand viel erreicht werden.

Mal so, mal anders

Wichtig dabei und nicht zu vergessen, ist die Abwechslung. Wie in der Ernährung und im Sport sollte nicht ständig das Gleiche wiederholt werden. Man sollte sich nicht zu einseitig ernähren oder zum Beispiel nicht immer nur Push-ups machen, sondern ein abwechslungsreiches Trainingsprogramm durchführen. Das gilt auch für das Gehirntraining. Man verteilt die Trainingsmethoden auf die unterschiedlichen Areale des ganzen Gehirns, verbessert sich auf unterschiedlichen Leveln und verliert gleichzeitig nicht die Motivation und Konzentration. Der Mensch ist zwar ein Gewohnheitstier, schaltet aber bei repetitiven Aufgaben irgendwann den Kopf ab. Und genauso wie sich dadurch im Arbeitsalltag oder beim körperlichen Training Unkonzentriertheit breitmacht, führt dies bei mentalem Training zu stagnierenden Fortschritten – und keiner möchte schließlich umsonst trainieren.

Echte Nervennahrung

Neben dem Training spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Bevorzugt werden sollten vor allem Lebensmittel, die Antioxidantien enthalten. Diese schützen den Körper vor sogenannten freien Radikalen, das heißt, Molekülen, Atomen und Ionen, die Körperstress hervorrufen und zu Zell- und Gewebeschäden führen können. Antioxidantien stehen unter anderem in Verbindung mit Vitamin E, C und Beta-Karotin. Das heißt, Lebensmittel wie Nüsse, grünes Gemüse, Cerealien, Sonnenblumenkerne, Haselnüsse, Brokkoli, Spinat, Mango, Kohl, Paprika, Tomaten, Erdbeeren, Kiwi, Eier, Milch, Karotten, Melonen und viele weitere sind reich an diesen Stoffen. Außerdem helfen Omega-3 Fettsäuren in Fisch und ebenfalls Nüssen und Vitamin K dabei, die Konzentration und die Stimmung zu steigern.

Besonders wichtig, neben einer guten Ernährung, ist auch ausreichend Schlaf. Die Hirnregion Hippocampus leidet unter zu wenig Schlaf und mit ihm das Gedächtnis. Eine Menge von 7-8 Stunden Schlaf pro Nacht ist die typische Empfehlung für eine gesunde Erholung.

Die mentale Gesundheit wird im Vergleich zur physischen Gesundheit häufig vergessen oder nur am Rande betrachtet, dabei hat sie eine sehr bedeutende Relevanz für die Gesundheit des gesamten Körpers. Das Gehirn ist als zentrale Leitstelle des Körpers ständig im Einsatz und muss dementsprechend pfleglich behandelt und trainiert werden. Denn wenn das Gehirn träge und schlapp wird, leidet darunter der ganze Körper und in hohem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit stetig ab, wie auch bei der physischen Fitness. Hand in Hand mit einer bewussten Ernährung, reich an Antioxidantien, Vitamin K und Omega-3 Fettsäuren kann das Training maximal unterstützt werden.

Am Ende schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, denn neben der geistigen Fitness, die die Leistungsfähigkeit auch im hohen Alter noch garantiert, haben viele Konzentrations- und Gedächtnisspiele den Vorteil, dass sie gleichzeitig Gesellschaftsspiele sind. Somit wird auch das Sozialleben nicht vernachlässigt, welches gerade im hohen Alter häufig kürzer kommt, als es sollte.
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