Von "Poch" zu "Poker": Deutschlands Einfluss auf das berühmteste Kartenspiel der Welt

"In der Poker-Variante 'Bug' dient der Joker als Wildcard und stellt eine Erweiterung des Kartendecks dar." (Foto: Pixabay)
 
"Das Royal Flush fand erst um 1850 herum seine Aufnahme in die Poker-Regeln." (Foto: Pixabay)

Wenige Spiele sind weltweit - und auch lokal in Augsburg - so populär wie Poker. Was heute als das vielleicht amerikanischste aller Kartenspiele gesehen wird, hatte seine Anfänge allerdings nicht in Las Vegas, sondern in Straßburg. Die Geschichte des Poker hat dabei Kapitel in Frankreich, New Orleans und der Westküste der USA. Dass Poker strategisches Denken und sogar Management-Fähigkeiten verbessern kann, weiß man schon seit langem. Wie jedoch kam Poker zu seiner heutigen Popularität, was hat Deutschland damit zu tun? Wer sind die großen deutschen Spieler und welche sind die bedeutendsten Turniere?

Geschichte des Pokers

Poker wird heute vor allem mit den USA assoziiert, finden doch in erster Linie dort weltbekannte Turniere wie die World Series of Poker statt. Wer sich jedoch die Zeit nimmt, sich die Geschichte des bekanntesten Kartenspiels der Welt genauer anzusehen, stellt fest, dass die Wurzeln des Pokers viel mehr in Europa liegen - zum Teil sogar in Deutschland. Hierzulande und im Nachbarland Frankreich war das Kartenspiel „Poch“ (auch bekannt unter den Namen „Pochen“ oder französisch „Poque“) bereits seit Mitte des 15. Jahrhunderts bekannt. Poch ist ein Glücksspiel, für welches ein sogenanntes Pochbrett benötigt wird, welches die Einsätze für Karten wie Ass, König und Dame aufnimmt. Nach dem Austeilen der fünf Karten pro Spieler folgt das „Melden“: Besitzt man eine bestimmte Karte, kann man den in ihrem Fach des Bretts befindlichen Betrag einziehen. Daraufhin folgt das „Pochen“, das bereits einer einfachen Variante von Poker entspricht - pochen darf, wer zwei oder mehr Karten vom gleichen Rang besitzt und bereit ist, mit den zu Beginn verteilten Spielmarken zu wetten. Wer glaubt, den Spieler mit seinen Karten überbieten zu können, kann entweder halten oder nachpochen, also den Einsatz erhöhen. Bei schlechten Karten kann man passen.
Die Worte „Poch“ und „Poque“ leiten sich vom Verb „pochen“ ab, welches ins Englische übersetzt „to poke“ bedeutet. Der heutige Name Poker entwickelte sich später zeitgleich mit der modernen Variante des Spiels, welche im 19. Jahrhundert in Amerika entstand: Um 1830 herum wurde das europäische Spiel von französischen Siedlern nach New Orleans gebracht. Über die Wasserrouten des Mississippi wurde es schon bald an der gesamten Ostküste der USA populär. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts änderten sich die wirtschaftlichen Bedingungen in den Vereinigten Staaten: Die Politik trieb die Besiedlung der Westküste durch Europäer voran und als 1848 von James W. Marshall die ersten Gold-Nuggets in einer Sägemühle in der Nähe des heutigen Sacramento (Kalifornien) entdeckt wurden, brach der große kalifornische Goldrausch aus. Durch die Westwanderungen der Siedler gelangte das Spiel an die Westküste und erhielt einheitliche Regeln - so wurde standardisiert mit 52 Karten gespielt und der Flush eingeführt.
Während des Sezessionskriegs (1861-65) wurden Varianten wie Stud Poker und Draw Poker populär, das Straight wurde als Hand in die Regeln aufgenommen, bald darauf wurden auch Spielweisen wie Texas Hold’em immer beliebter. Seinen größten Boom erlebte Poker aber ab dem späten 20. Jahrhundert, mit dem Beginn der World Series in Las Vegas ab dem Jahr 1970.

Poker in Deutschland

Einige Zeit später begann Poker in seiner modernen Form dann auch in Deutschland wieder beliebter zu werden. Dies geschah zunächst durch regelmäßigere Berichterstattungen über Veranstaltungen wie die World Series of Poker; insbesondere nach dem sensationellen Sieg von Christopher Moneymaker beim Main Event der World Series 2003, bei welchem er als Amateur sein Vermögen von 40 Dollar auf sagenhafte zweieinhalb Millionen vermehrte. Zwischen 2003 und 2006 begannen auch in Deutschland insbesondere die Online-Varianten von Poker stark zu boomen. In dieser Zeit verdoppelte sich der Pool der Internet-Pokerspieler jährlich und besonders die Variante No Limit Texas Hold’em wuchs rasant. 2006 griff Entertainer Stefan Raab den Trend auf: zehn Jahre lang spielten Prominente mit dem TV-Moderator regelmäßig um hohe Geldsummen und wurden dabei live im Fernsehen übertragen.
Heute setzt die Glücksspielbranche in Deutschland pro Jahr rund 15 Milliarden Euro um, bis zum Jahr 2021 wird ein Wachstum auf über 18 Milliarden Euro erwartet. Poker ist dabei nach wie vor einer der größten Treiber der Industrie, mehr als eine halbe Million Deutsche spielen regelmäßig Online-Poker. Und Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte weltweit - nur in den USA gibt es einen größeren Poker-Markt, jeder zehnte Spieler weltweit kommt aus Deutschland. Online-Poker hat es einer breiten Masse an Nutzern ermöglicht, regelmäßig ihrem liebsten Kartenspiel zu frönen - ohne, dass man dafür gleich ins echte Casino gehen müsste. Und auch Events wie die World Series of Poker erfreuen sich hierzulande nach wie vor großer Beliebtheit. Private Spielrunden und die allseits bekannten Pokerabende mit Freunden sind in diese Zahlen noch nicht einmal eingerechnet: Gerade bei Menschen unter 30 Jahren wächst die Popularität von Poker beständig.


Bekannte deutsche Pokerspieler

Abseits der allgemeinen Beliebtheit des Spiels gibt es heute auch eine Reihe an bekannten deutschen Pokerspielern.
Tobias Reinkemeier ist eines der bekanntesten Beispiele: Der in Cuxhaven geborene Profi begann seine Karriere im Jahr 2006, als er 150 Dollar beim Online-Poker setzte. Seit 2007 nimmt er regelmäßig an großen Live-Turnieren teil und gewann im selben Jahr die Hoyensburg Open in Dortmund, die mit einem Preisgeld von 35.000 Euro dotiert waren. Insgesamt hat Reinkemeier bis heute mit Poker über elf Millionen Dollar verdient, sein höchstes Preisgeld belief sich auf über zwei Millionen.
Philipp Gruissem hat sich in der Szene ebenfalls einen Namen gemacht und ist mit Reinkemeier auch privat befreundet. Seit 2007 spielt er auf verschiedenen Online-Plattformen Poker und erreichte 2011 erstmals beim Main Event der World Series of Poker den 28. Rang, wodurch er ein Preisgeld von 240.000 Dollar gewann. Sein bislang erfolgreichstes Jahr hatte er 2014, als ihm bei vier großen Turnieren der Sieg gelang und er insgesamt über 4,6 Millionen Dollar einnahm.
Deutsche Prominente sind ebenfalls oft gesehene Gäste am Pokertisch: Mario Basler wurde 1996 mit der Fußballnationalmannschaft nicht nur Europameister, sondern ist auch ein äußerst bekannter Vertreter der deutschen Poker-Freunde. Außerhalb seiner Rolle als Sport-Direktor des FC Leipzig verbringt er seine Zeit gerne an den Tischen der besten Pokerpieler bei Veranstaltungen wie dem 888Live Barcelona. Basler bevorzugt 3-Bets.
Und auch der ehemalige Tennis-Profi Boris Becker hat inzwischen den Tennisschläger an die Wand gehängt, um dafür eine Poker-Hand aufzunehmen. Becker hatte bereits Deep Runs bei WPT-Veranstaltungen, wurde 2016 bei der Premiere des Devilish Cup überraschend 13. und macht nicht den Eindruck, als wolle er so schnell mit dem Spielen wieder aufhören: Oft sehen Fans ihm zu, wie er Texas Hold’em oder 7 Card Stud spielt.
Pius Heinz wiederum wurde erst durch seine Fähigkeiten als Poker-Spieler zur deutschen Berühmtheit. Im Jahr 2011 war er der erste deutsche Poker-Profi, welcher das Main Event bei der World Series of Poker gewann und dadurch zu weltweitem Ruhm kam.
Sie alle jedoch stehen zurück hinter Fedor Holz, dem erfolgreichsten deutschen Pokerspieler aller Zeiten, der bei Turnieren bislang über 26 Millionen Dollar gewann. Holz gilt als einer der besten Turnierspieler der Welt und steht auf Platz fünf der „All Time Money List“. 2014 gewann er das World Series Main Event und stand daraufhin drei Wochen auf Platz eins der Onlinepoker-Weltrangliste. Im Jahr 2017 siegte er bei fünf großen Turnieren und gewann über 6,3 Millionen Dollar.



Deutsche Poker-Turniere

Zuletzt lohnt es sich, einen Blick auf die deutsche Turnierszene zu werfen. Inzwischen haben sich mehrere große Events etabliert, welche sich lediglich noch vor den großen amerikanischen Serien zu verstecken brauchen - auch wenn Poker stark mit der amerikanischen Kultur vernetzt ist und mit einer der Gründe dafür ist, dass die USA bei jungen Menschen ein solch beliebtes Reiseziel sind. Von 2007 bis 2009 war das Casino Hohensyburg in Dortmund Austragungsorts des größten Turniers des Landes und sorgte für einige Highlights: So gelang 2009 Sandra Naujoks als einziger deutschen Frau der Titelgewinn. Ein Jahr später wechselte das Turnier dann nach Berlin. Das EPT Berlin / Dortmund wiederum wurde als Ableger der World Poker Tour am 10. Januar 2018 in der Hauptstadt abgehalten. Der Jackpot befindet sich regelmäßig in der Größenordnung von einer Million Dollar. Und die German Poker Tour (GPT) vergibt jedes Jahr den Titel des deutschen Poker Meisters und ist damit eines der renommiertesten Turniere des Landes. Das Hauptevent wird dabei traditionell im Schenefeld-Casino (Teil der Spielbank Berlin, zu der insgesamt fünf Häuser zählen) ausgetragen und in der Variante Texas Hold’em gespielt. Im Preistopf erwarten die besten Teilnehmer bis zu 80.000 Euro.
In den letzten Jahren sind zudem Online-Turniere immer wichtiger und für die Spieler lukrativer geworden. Es hat sich, neben der etablierten Turnierszene, eine weitere Poker-Szene im Internet gebildet, welche heute vom Amateur bis zum Profi für jeden Spieler passende Gegner und Veranstaltungen bietet.

Fazit

Die Geschichte des Poker erstreckt sich über die gesamte westliche Welt. Deutschland kommt dabei gemeinsam mit Frankreich eine Schlüsselrolle zu: Durch die Popularität von Vorgänger-Spielen wie „Poch“ konnte der Poker erst zu der großen Sportart werden, die er im Zeitalter von Internet und Smartphones heute ist. Von Europa an die Ostküste der USA, dann nach Kalifornien und schließlich zurück ins Land der Dichter und Denker, hat Poker als Spiel eine lange Reise hinter sich. Heute, zwischen Online-Turnieren und regelmäßigen Veranstaltungen wie der World Series, ist Poker zu einem der beliebtesten Taktik- und Glücksspiele der Welt avanciert, noch vor Spielen wie Blackjack oder Roulette. Trotz der starken Verankerung von Poker in der amerikanischen Kultur, sollte man die deutschen Einflüsse auf das vermutlich tiefgängigste Kartenspiel der Welt jedoch nicht unterschätzen: Beim Poker Boom war Deutschland von Anfang an mit dabei.
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