31-jähriger Augsburger verurteilt: Er schickte Elfjähriger Pornobilder per WhatsApp

Per WhatsApp hat ein 31-Jähriger pornografische Bilder an eine Elfjährige verschickt. Dafür wurde er nun vom Amtsgericht verurteilt.

Ein Jahr und vier Monate muss ein 31 Jahre alter Arbeitsloser in Haft: Er schickte einer Elfjährigen über WhatsApp Fotos seiner Genitalien und brachte das Kind durch Drohungen dazu, ihm Fotos und ein eindeutiges Video von sich zu senden. Vor Richter Bernhard Kugler am Jugendschutzgericht behauptete der Mann am Donnerstag, das Mädchen habe das alles gewollt. Das glaubte man ihm nicht.

Offenbar spielte das kleine Mädchen mit einigen seiner Schulfreundinnen ein Handygame namens "Blunie". Avatare bewegen sich in einer Cyberwelt und können sich auch untereinander austauschen. Dort, so schilderte das Mädchen, sei sie einem Avatar begegnet, hinter dem der Angeklagte steckte. Mit diesem sei sie dann überein gekommen, sich fürderhin über WhatsApp zu unterhalten.

Wusste der 31-Jährige, dass er es mit einem Kind zu tun hatte? Er behauptete, das Mädchen habe sich für 18 ausgegeben. Die Kleine erzählte jedoch, sie habe in den Spielen manchmal behauptet 13 Jahre alt zu sein, keinesfalls jedoch älter. Spätestens auf WhatsApp hätte dem Angeklagten auch klar sein müssen, mit wem er es zu tun hatte, denn die häufig wechselnden Profilbilder zeigten stets die Wahrheit: Ein kleines Mädchen in Rosa, fotografiert mit einem Pony.

Ein Kriminalbeamter war sich ebenfalls sicher, dass dem 31-Jährigen klar gewesen sein musste, dass er mit einem Kind in Kontakt stand. Seine Forderungen nach Fotos von dem Mädchen steigerten sich, bis er es zuletzt auch aufforderte, pornografische Aufnahmen von sich zu machen und ihm zu schicken. Tue die Elfjährige das nicht, dann werde er Fotos von ihr ins Internet stellen. Diese Drohung schüchterte das Mädchen ein.

Schülerin vertraute sich ihrer Mutter an

Etwa zwei Wochen lang dauerte der Missbrauch, dann wurde der Schülerin alles zu viel. Sie vertraute sich ihrer Mutter an. Das meiste hatte sie da bereits aus dem Handy gelöscht, denn die Eltern kontrollierten jeden Abend, was sie tagsüber so damit unternommen hatte, bevor sie es gegen 20.30 Uhr sowieso über Nacht sperrten. Nicht alles konnten die Spezialisten wiederherstellen, doch was sie fanden, genügte für ein Urteil.

Besonders schwer wog bei der Strafzumessung, dass der Angeklagte der Kleinen nicht durch ein vollumfängliches Geständnis den Auftritt als Zeugin ersparte. Mehrfach hatte ihn der Richter darauf hingewiesen, was es für Folgen haben könnte. Doch der 31-Jährige meinte, er habe ohnehin schon alle Freund verloren, seine Familie meide den Kontakt zu ihm. Schlimmer könne es für ihn nicht mehr werden. Er blieb dabei: Er habe der Schülerin ausschließlich auf deren Wunsch hin Fotos seines Geschlechtsteils geschickt. Ihr Alter habe er nicht gekannt und sonst sei nichts passiert. Er beklagte sich, sein Handy sei nicht gründlich genug ausgewertet worden. Er habe das Kind nicht über das harmlose Blunie-Spiel kennengelernt, sondern über einen "Anti-Chat", der eigentlich nur Erwachsenen zugänglich sei.

Anwalt fordert Freispruch

Dem entsprechend forderte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Florian Engert, einen Freispruch. Staatsanwältin Beate Christ hatte auf ein Jahr und vier Monate Haft plädiert. Angesichts der zahlreichen Vorstrafen - der Arbeitslose saß bereits unter anderem wegen Körperverletzungen, Diebstählen, Nötigung, Drohung, versuchter Erpressung und mehr öfter in Haft, jedoch noch nie wegen Sexualstraftaten - sah die Anklägerin keine Möglichkeit, den Strafvollzug zur Bewährung auszusetzen.

Richter Bernard Kugler teilte diese Auffassung. Selbst wenn gewisse Ermittlungsansätze vielleicht nicht weiter verfolgt worden seien, sei die Schuld des 31-Jährigen erwiesen. Dass dem Kind die "sehr, sehr belastende Aussage" nicht erspart worden sei, wiege schwer: "Sie musste hier in den Saal, vor all die Leute in den schwarzen Kitteln, und sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen." Die Elfjährige sei vollkommen glaubwürdig und wirke nicht annähernd wie eine 18-Jährige.
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