34.000 Euro Schaden durch Graffiti - Augsburger vor Gericht

Ein 21-Jähriger wurde nun vom Jugendschöffengericht Augsburg zu 14 Monaten Haft verurteilt. Symbolbild: ginasanders,123rf.com

Als kunstvolle Graffiti kann man beim besten Willen nicht bezeichnen, was ein junger Mann auf diversen Gegenständen in Augsburg hinterließ: 50 sogenannte "Tags", also Schriftzüge, werden dem 21-Jährigen zugerechnet, der sich nun vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht zu verantworten hatte. "Solek", "Alesh", "Sharp" und "Asil" kritzelte er auf Rollläden, Verteilerkästen, Türen und Altglascontainer. Meist verwendete er dafür einen dicken Edding, ab und zu ging er auch mit Spraydosen zu Werke.

Was die Worte bedeuten? In einem Fall war es den ermittelnden Polizeibeamten schnell klar: "Asil" rückwärts gelesen heißt Lisa: Der Name der Freundin des Angeklagten. "Es sind Spitznamen", erklärte am Rande des Prozesses ein Freund des Angeklagten. Ein Mädchen ergänzte: "Man kann ja schlecht seinen eigenen Namen nehmen." Sonst käme die Arbeitsgruppe Graffiti der Augsburger Polizei den Verursacher womöglich noch schneller auf die Spur.

Der 21-Jährige wurde im Sommer auf frischer Tat ertappt. Ein Polizist beobachtete, wie er am Milchberg ein Rolltor beschmierte: "Respect Solek".

In der Folge wurde ermittelt: Wo überall stand noch dieser Schriftzug? Inwiefern stimmte er mit bislang gegen Unbekannt laufenden Anzeigen überein? Am Ende hatte man 50 Sachbeschädigungen, die dem jungen Mann zugerechnet wurden.

Im Afragässchen ließ ein Hauseigentümer, nachdem mehrfach sein Tor mit Graffiti verunziert worden war, eine Kamera installieren. Ein Video zeigt den Angeklagten, wie er sich in Begleitung weiterer junger Leite nähert. Die anderen gehen weiter, er bleibt stehen und schreitet zur Tat.

Gut 34 000 Euro Schaden soll er in Augsburg verursacht haben. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Felix Hägele, behauptet, diese Summe sei viel zu hoch. Aus Erfahrung wisse er, dass die Reinigung meinst nur ein Drittel des Geschätzten koste.

Ausbildung zum Maler und Lackierer

Zunächst sagte der Angeklagte gar nichts zu den Vorwürfen. Nach der Aussage einer Polizeibeamten aber schlug der Vorsitzende Richter, Günther Baumann, einen Deal vor. Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren damit einverstanden, dass der 21-Jährige nicht mehr als eineinhalb Jahre Haft bekommen würde, falls er gestehe. Daraufhin wurden die Vorwürfe eingeräumt: "Das war blöd von mir", gab der Bursche zu.

Derzeit sitzt der junge Mann in Haft. Er hatte Zigaretten gestohlen, dafür sechs Monate mit Bewährung bekommen, war mit Drogen erwischt worden, woraufhin man auf acht Monate aufstockte. Er erledigte seine sozialen Hilfsdienste nicht, die Bewährung wurde widerrufen. Nun kommen weitere sechs Monate oben drauf; das Schöffengericht verurteilte ihn zu 14 Monaten Haft. Die Jugendgerichtshelferin meinte, der 21-Jährige sei mittlerweile auf einem guten Weg. In Haft hat er eine Ausbildung begonnen: Er möchte Maler und Lackierer werden. (mg)
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