Alles nur geklaut? Augsburger Besitzer eines Tonstudios vor Gericht

Der Angeklagte behauptet, er habe verschiedene Künstler unter Vertrag, so auch die Berühmtheit aus Bosnien. Diese bestreiten das. Es laufen auch Klagen vor dem Zivilgericht. (Foto: gorosi, 123RF.com)

Der Besitzer eines Tonstudios soll Unterschriften von Künstlern gefälscht haben. Hat er von fremden Hits finanziell profitiert? Das versucht derzeit das Amtsgericht Augsburg herauszufinden.


Sie war in Bosnien eine bekannte Sängerin. So wie Helene Fischer hierzulande, meint ein Zeuge. Jetzt ist sie Putzfrau.

"Du hast meine Lieder gestohlen. Du hast mein Leben zerstört" - Die 52-Jährige weint, als sie das zu dem Angeklagten sagt. Dieser, ein 51-jähriger Administrator, hat sich derzeit wegen Urkundenfälschung vor dem Augsburger Amtsgericht zu verantworten. Ihm wird vorgeworfen, die Unterschriften von Künstlern auf mehreren Verträgen gefälscht und sich so die Rechte für diverse Hits erschlichen zu haben.

Der Angeklagte hat oder hatte mehrere Musikverlage und ein Tonstudio. In den 90er Jahren jedenfalls betreibt er in Augsburg ein Studio. Zunächst im Haus seiner Eltern, auf dem Dachboden, später dann in einem Keller in Oberhausen. Er behauptet, er habe verschiedene Künstler unter Vertrag, so auch die Berühmtheit aus Bosnien. Diese bestreiten das. Sie glauben, der Mann wollte mit ihnen Kasse machen und hat sie dabei übers Ohr gehauen. Deshalb laufen auch Klagen vor dem Zivilgericht.

Ob Youtube oder Amazon: Nirgends sieht die Sängerin einen Cent

Die bosnische Schlagersängerin ist für ihre Zeugenaussage aus Wien angereist. Sie ist sichtlich mit den Nerven fertig, als sie erklärt, dass sie selbst von ihren Hits keinen Cent sehe. Ob auf Youtube oder Amazon: Überall stehe der Angeklagte als Rechteinhaber. Mitte der 90er Jahre habe sie für einige Auftritte in einer Discothek die Fuggerstadt besucht und bei diesem Anlass in dessen Studio eine Handvoll Songs aufgenommen. An den Produzenten selbst aber könne sie sich gar nicht erinnern, auch nicht, diesen jemals, wie von ihm behauptet, in Wien getroffen zu haben. "Er hat mit mir eigentlich gar nichts zu tun", sagt die Frau. "Warum tust du mir das an?", spricht sie den 51-Jährigen direkt an.

Ein Polizeibeamter berichtet vor Gericht, er sei seit Jahrzehnten mit Wirtschaftsdelikten betraut, doch die Verträge in diesem Fall seien sehr ungewöhnlich und teils unverständlich. So habe der 51-Jährige wohl eine Vereinbarung mit einem Texter und Komponisten, wonach auch alle Kontakte zu Künstlern, die dieser wiederum habe, automatisch auf ihn übergingen. "Er war wie sein Leibeigener", meint der Polizist über das Verhältnis des Komponisten zu dem Angeklagten. 250 000 D-Mark pro Jahr wurden dem Autor allerdings pauschal versprochen. Gesehen hat er von dem Geld wohl nichts. Überdies bestreiten es laut dem Beamten wohl alle Betroffenen, jemals einen Vertrag mit dem Angeklagten geschlossen zu haben.

Dieser reichte entsprechende Schriftstücke jedoch bei der Gema ein. Ein Vertreter dieser Verwertungsorganisation sagt, das sei erst 2015 erfolgt, während der Angeklagte meint, die Verträge noch in den 90er Jahren an die Gema gegeben zu haben, da müsse bei dieser wohl etwas falsch vermerkt worden sein.

Ein Sachverständiger hat bereits festgestellt, dass die Unterschriften des Komponisten sowie der bosnischen Sängerin auf den von den Angeklagten eingereichten Verträgen, die diesem lukrative Rechte an verschiedenen Alben und Songs sichern, nicht oder nicht zweifelsfrei von diesen stammen. Wer allerdings an deren Stelle unterschrieben hat, ob der Angeklagte selbst die Signaturen fälschte, da will sich der Experte nicht festlegen.

Richterin Melanie Koch wollte das Gutachten verlesen, doch Verteidiger Hermann Kühn möchte den Sachverständigen persönlich im Zeugenstand befragen. Deshalb wurde die Verhandlung erst einmal unterbrochen. Fortgesetzt wird nächste Woche. 
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