Anklage gegen Ehepaar Schottdorf: Augsburger Labor-Unternehmer sollen 14 Millionen Euro hinterzogen haben

Der Mann in Schwarz: Laborunternehmer Bernd Schottdorf bei seinem Freispruch im Januar 2016. (Foto: Kristin Deibl)

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat erneut Anklage gegen den Augsburger Laborunternehmer Bernd Schottdorf erhoben. Am Montag hat sie die Anklageschrift gegen den Geschäftsführer und dessen Ehefrau publik gemacht. Sie wirft dem Ehepaar Betrug und Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen vor.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte es bereits am Freitag bestätigt: Sie erhebt erneut Anklage gegen den Augsburger Laborunternehmer Bernd Schottdorf. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Augsburg wird den Fall verhandeln.

Auch angeklagt ist die Ehefrau Schottdorfs, Gabriele. Der 64-Jährigen, die als Geschäftsführerin des Unternehmens fungiert, wird zur Last gelegt, "es unterlassen zu haben, über 300 abhängig beschäftigte Fahrer in dem Zeitraum 1996 bis 2014 zur Sozialversicherung anzumelden und dadurch in insgesamt über 5600 Fällen Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt zu haben", heißt es in der Anklageschrift.

Dem 78-jährigen Bernd Schottdorf, bis August 2010 Mitgeschäftsführer, werden für diesen Zeitraum über 4000 Fälle des Vorenthaltens und Veruntreuens von Sozialversicherungsbeiträgen vorgeworfen.

"Beiden Geschäftsführern wird zudem für den Zeitraum bis August 2004 für die nicht abgeführten Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungen aus dem Entgelt der Fahrer Betrug in 2344 Fällen zur Last gelegt", so die Staatsanwaltschaft weiter. "Ab diesem Zeitpunkt wurde durch eine Gesetzesänderung auch das Nichtabführen der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung mit in den Tatbestand des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt aufgenommen."

14 Millionen Euro nicht abgeführt? Es drohen bis zu fünf Jahre Haft

Insgesamt wurden Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von mehr als 14 Millionen Euro nicht abgeführt.

Auf den Zeitraum bis August 2010 entfällt, strafrechtlich relevant für den ausgeschiedenen Geschäftsführer Bernd Schottdorf, ein Schadensbetrag von über zehn Millionen Euro.

Das Strafgesetzbuch sieht für Betrug sowie für Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt jeweils Freiheitsstrafen von einem Monat bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. "Termine zur Hauptverhandlung wurden noch nicht bestimmt", so die Staatsanwaltschaft.

Schottdorf wurde schon zwei Mal freigesprochen

Bernd Schottdorf stand bereits im Jahr 2000 vor dem Augsburger Landgericht. 15 Jahre später wurde er wieder angeklagt, dieses Mal gemeinsam mit seiner Frau. Beide Male lautete der Vorwurf Abrechnungsbetrug, beide Male urteilte das Gericht auf Freispruch.
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