Asylhelfer missbraucht zehnjährigen Flüchtlingsjungen

Wegen sexuellen Missbrauchs in vier Fällen verurteilte das Gericht den Mann zu drei Jahren Haft (Symbolbild). (Foto: skycinema/123rf.com)

Als die Familie vor etwa drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland floh, erhofften sich Eltern wie Kinder ein friedliches Leben in einem sicheren Land. Diese Hoffnung wurde von einem 46-Jährigen niederträchtig ausgenutzt. Er gab sich als engagierter Flüchtlingshelfer aus - dabei wollte er sich nur an den zehnjährigen Sohn der Afghanen heranmachen. Am Montag wurde der gebürtige Braunschweiger wegen sexuellen Missbrauchs in vier Fällen von Jugendschutzrichter Günther Baumann zu drei Jahren Haft verurteilt.

Wie es dem 46-Jährigen gelingen konnte, ohne Vorlage eines Führungszeugnisses als Fußballtrainer für Knaben in einem Augsburger Stadtteil-Sportverein eingesetzt zu werden, hätte den Mann vom Weißen Ring, der der Familie des missbrauchten Kindes in dieser schweren Zeit beisteht, schon interessiert. Doch vor Gericht wurde diese Frage nicht erörtert. Verteidiger Werner Ruisinger konnte sie auch nicht beantworten.

Zu Jahresbeginn jedenfalls besuchte der Angeklagte die Treffen einer Flüchtlingshilfe-Organisation in der Fuggerstadt. Der 46-Jährige hatte nach dem Abitur einst eine Ausbildung zum Erzieher gemacht und anschließend Sozialpädagogik studiert, um dann jedoch als Angestellter eines Schaustellers auf Weihnachtsmärkten zu jobben und schließlich in die Privatinsolvenz zu gehen.

Mann ist einschlägig vorbestraft

Aktuell ist er arbeitslos und vorbestraft, wegen diverser Diebstähle, Betrugs und Unterschlagung - aber auch wegen sexuellen Missbrauchs eines Buben 2010. In Berlin wurde er deshalb zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Das hätte man aus seinem Führungszeugnis ablesen können und so womöglich die weiteren Straftaten verhindern.

Bei der Hilfsorganisation sprach er die Mutter seines späteren Opfers an, ob er sie irgendwie unterstützen könne. Er stellte sich als Familienrichter vor. Ob sie Kinder habe? Als sie von ihren zehn und 14 Jahre alten Söhnen berichtete, war sein Interesse geweckt. Er forderte die Frau auf, den jüngeren zu ihm ins Fußballtraining und zur Hausaufgabenhilfe zu schicken. Er lud sich zu den Afghanen nach Hause ein und ließ sich von der gastfreundlichen Familie stundenlang bewirten. Während bei dem Vater bald die Alarmglocken läuteten - "Ich glaube nicht, dass er ein korrekter Mann ist", soll er geäußert haben - ließ sich die Mutter von der manipulativen Nettigkeit des Angeklagten einlullen. Und dieser machte sich auch bei dem Kind beliebt, ging mit ihm zum Shoppen, schenkte ihm Kleidung und Schuhe, kaufte ihm sogar einen Schulranzen.

Als die Eltern nach einiger Zeit misstrauisch wurden, weil ihr Filius oft sieben Stunden bei dem Angeklagten blieb, meinte dieser, man koche und esse gemeinsam, er helfe bei den Hausaufgaben, man gehe zusammen raus. Alles ganz harmlos. Doch in Wirklichkeit rückte er dem Schüler zwischen Januar und März immer näher. Er schaffte es, dass das Kind sich auszog, er fasste es an, duschte mit ihm.

Der Kleine veränderte sich in diesen Wochen, hatte keinen Appetit mehr, nahm ab, ließ in der Schule nach, wurde blass. Als der Angeklagte ihn schließlich mit groben Worten zum Geschlechtsverkehr aufforderte, lief der Junge davon und weigerte sich, noch einmal zu dem "Helfer" zu gehen. Dieser baute großen Druck auf, doch diesmal vergeblich. Der Zehnjährige versteckte sich verzweifelt unter seinem Bett, schließlich vertraute er sich seinen Eltern an.

Vor Gericht äußerte sich der Angeklagte zu den Vorwürfen nicht, er räumte jedoch über seinen Anwalt ein, was man ihm zur Last lege, stimme. So ersparte er dem Buben die Aussage. Das war allerdings das einzige, was das Gericht dem Angeklagten zu Gute hielt.

Wegen des Missbrauchs ist der kleine Junge seit Monaten in psychologischer Behandlung. Mittwoch für Mittwoch. Das könnte noch über Jahre so gehen. "Er ist ein Kind, er versteht das alles noch nicht", erklärte die Mutter. Auch die Eltern sprechen alle paar Wochen mit der Therapeutin, um das Geschehen verarbeiten zu können. "Wer weiß, was es in der Seele unseres Sohnes angerichtet hat." Das wird sich eventuell erst herausstellen, wenn aus dem Buben ein Mann geworden ist.

Staatsanwältin Gudrun Wagner forderte drei Jahre Haft, sie sagte, der Angeklagte habe ein "ausgeklügeltes Lügenkonstrukt" erschaffen.

"Das schwächste Glied der Gesellschaft" habe er sich ausgesucht, warf ihm Nebenklagevertreter Andreas Thomalla vor. Damals in Berlin hatte er sich als ehrenamtlicher Pate eines Kindes aus sozialschwacher Familie das Vertrauen erschlichen. Als Sachverständiger attestierte Psychiater Johannes Wittmann dem Angeklagten überdurchschnittliche Intelligenz. Die pädophilen Neigungen seien nur ein Aspekt der Sexualität des zweifachen Vaters. Verteidiger Ruisinger hatte auf zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe plädiert.
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