Big Brother am Kö: Kameraüberwachung hat begonnen

Die Videoüberwachung am Augsburger Königsplatz startete am Donnerstag. Foto: Patrick Bruckner

Der Königsplatz gilt als Kriminalitätsschwerpunkt der Stadt. Seit Donnerstag wird er mit Kameras durchgängig videoüberwacht. Die Polizei hofft, mit dieser Maßnahme die Zahl der Straftaten verringern zu können und die Sicherheit in der Innenstadt zu verbessern.

Im Vergleich zu anderen öffentlichen Plätzen in Augsburg finde nach Angaben der Polizei am Königsplatz ein überproportional hohes Einsatz- und Straftatenaufkommen statt. Die Zahl der registrierten Straftaten zwischen Januar und September stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Während es 2013 nur 52 Delikte waren, erhöhte sich die zahl im Jahr 2017 auf 323. Obwohl diese heuer auf 212 gesunken ist, sagt Polizeipräsident Michael Schwald, dass es in Anbetracht der Körperverletzungen und Raube der vergangenen Monate am Königsplatz qualitativ keinen Rückgang der Straftaten gegeben habe.

Darum wurden nun 15 Kameras an neun Masten im Bereich des Königsplatz montiert. "Die Videoüberwachung ersetzt nicht die polizeiliche Präsenz", betont Schwald. Beamte sollen künftig weiterhin für die Bürger vor Ort ansprechbar sein.

Die Videoaufnahmen werden in die zuständige Polizeiinspektion und die Zentrale übertragen. An insgesamt vier Arbeitsplätzen werfen die Polizisten neben ihrer normalen Tätigkeit bei Bedarf einen Blick auf die Bilder. Es handelt sich bei den Aufzeichnungen lediglich um Bild- und keine Tonaufnahmen. Die Außengastronomieflächen werden verpixelt und können bei Straftaten nachträglich ausgewertet werden. Bereiche, die durch Grundrechte geschützt sind, wie Wohnungen, werden geschwärzt und nachträglich nicht kenntlich sein. Außerdem sollen die Kameras bei Versammlungen am Königsplatz komplett abgeschaltet werden. "Die hochauflösenden Kameras ermöglichen eine Identifikation auch bei schlechten Lichtverhältnissen", erklärt Polizist Christian Mergel, der das Projekt leitet.

Die Installation der Videoüberwachung und der nötigen Hardware kostet etwa 322 000 Euro, die zukünftigen laufenden Kosten belaufen sich auf 15 600 Euro jährlich. Großer Wert werde laut Schwald auch auf den Datenschutz gelegt. So könnte die Polizei nach Datenschutzrichtlinien die Aufnahmen bis zu zwei Monate speichern. "Wir speichern nur 14 Tage, das reicht uns", erklärt der Polizeipräsident.

Nach Ablauf der Frist erfolge die Löschung der Aufnahmen, sofern diese nicht zur Aufklärung von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten von erheblicher Bedeutung benötigt würden.

Laut Polizeiaufgabengesetz ist die Videoüberwachung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zulässig. Passanten werden beim Betreten des Königsplatz mit zehn Schildern auf die Überwachung hingewiesen.

Die Kameras sollen das Sicherheitsgefühl am Königsplatz steigern, Straftaten dokumentieren und potenzielle Täter abschrecken. Polizeipräsident Schwald geht nicht davon aus, dass sich die Straftaten durch die Überwachung auf andere Plätze verschieben. Wie lange die Maßnahme bestehen bleibt, sei noch unklar. "Man muss sehen, wie sich die Kriminalität entwickelt", erklärt er. Eine Prognose über eine mögliche Überwachung weiterer öffentlicher Plätze wollte Schwald nicht geben. "Es muss jeder Platz gesondert betrachtet und mit der Stadt Rücksprache gehalten werden", sagt er.
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