"Bin doch der liebe Opi": 75-Jähriger wegen Missbrauch von Stief-Enkeln in Augsburg vor Gericht

Zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilte das Gericht den Mann. (Foto: skycinema,123rf.com)

Dem Mädchen laufen die Tränen über das Gesicht, als es den Gerichtssaal verlässt. Drinnen musste die 15-Jährige berichten, wie der Mann, den sie für einen lieben Opa hielt, sie sexuell belästigt hat.

"Das war nicht der liebe Opi. Ganz und gar nicht. Es war ein sehr böser Opa", sagt Richter Günther Baumann als Vorsitzender des Jugendschöffengerichts zu dem Angeklagten. Gerade hat er den 75-Jährigen wegen sexueller Belästigung in einem und sexuellem Missbrauch von Kindern in sieben Fällen zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt.

Er verging sich an den Kindern in Schrebergarten und Hobbykeller

Der Angeklagte hat zwar die Taten an seinen Stiefenkeln gestanden und so den Mädchen, die damals zehn, zwölf Jahre alt waren, und dem Buben, der erst zwei war, das schmerzhafte Erscheinen vor Gericht erspart. Doch im Fall seiner zur Tatzeit 14-jährigen Stiefenkelin behauptete er, die Vorwürfe könnten zwar stimmen, doch er könne sich nicht erinnern.

Zu "besoffen", so sein Verteidiger Ralf Schönauer, sei sein Mandant am Heiligen Abend 2017 gewesen. Das Mädchen half da dem angeschlagenen Opa die Treppen runter, verfrachtete ihn auf den Beifahrersitz des Autos, schnallte ihn an - er befummelte den Teenager.

In der Folge kam schließlich alles ans Licht, was inzwischen die Familie entzweit hat. Der Mann machte sich selbst den Kleinen gegenüber vertraut, indem er meinte: "Ich bin der liebe Opi, da ist doch nichts dabei", wenn er sich ihnen triebgesteuert näherte. Er verging sich an den Kindern im Schrebergarten und im Hobbykeller. 

2012 missbrauchte er fünf Buben auf einem Campingplatz

Als er 2012 verurteilt wurde, weil er während eines Urlaubs auf einem Campingplatz am Staffelsee fünf fremde Buben missbraucht hatte, bekam er eine Bewährungsstrafe. Dass er auch seine Stiefenkelchen angefasst hatte, wusste der Richter in Garmisch damals nicht.

Erst als sich die 14-Jährige nach dem Vorfall an Weihnachten ihrer Mutter und dem Stiefvater, dem Sohn des Angeklagten, anvertraute, kam alles ins Rollen.

Nun wurden die weiteren Taten bekannt, von denen eine Vielzahl schon verjährt ist. "Warum, warum nur haben Sie das getan?", hakt der Richter mehrfach nach. Er bekommt keine befriedigende Antwort. Lahm meint der Angeklagte, er müsse halt vom Alkohol wegkommen.

Seit 2005 ist er impotent

Seine zweite Frau, die das erste Urteil kannte, redete ihm bereits entsprechend ins Gewissen. Doch sie hält zu ihm. Ob sie wahr haben will, dass ihr Partner pädophile Neigungen hat, wie ihm ein Gutachter attestiert? Ob er selbst das zugeben kann? Der Frau jedenfalls werfen die Opfer vor, die neuen Taten nicht verhindert zu haben. Auch seine Schwester setzt sich für den Senior ein. Sie steht auf, spricht den Richter an: "Er hat alles für die Kinder getan", sagt sie. "Sie sind immer gern zu ihm gegangen."

Der Angeklagte weint, als er realisiert, dass er nun eine Freiheitsstrafe bekommen hat. Er weiß ja schon, wie es im Gefängnis zugeht. Als "Kinderschänder" steht er in der Hackordnung ganz unten. Das musste er während seiner einjährigen Untersuchungshaft erfahren, berichtet sein Anwalt und sagt, der 75-Jährige wolle eine Alkohol- und eine Sexualtherapie machen.

Nach einer Prostataoperation sei er seit 2005 impotent. Das Fleisch ist schwach, doch der Geist nicht besiegt. Der Senior wäre deshalb auch mit einer medikamentösen Therapie einverstanden, erklärt Ralf Schönauer. Und dann, wenn er wieder draußen ist, will der Rentner einen 450-Euro-Job suchen. Fürs Schmerzensgeld.
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