Caritas um 800.000 Euro geprellt: Bewährungstrafe für Buchhalter

Ein ehemaliger Buchhalter hat die Caritas um mehr als 800.000 Euro geprellt und wurde dafür nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. (Foto: rclassenlayouts - 123rf.com / Symbolbild)


"Mit solchen Summen hat es auch ein Schöffengericht nur selten zu tun", machte Vorsitzende Richterin Ulrike Ebel-Scheufele in der Urteilsbegründung auf die Tragweite der Straftaten aufmerksam. Um 819 667,62 Euro hat ein ehemaliger Buchhalter seinen Arbeitgeber, die Ulrichswerkstätten in Aichach, die zur CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH gehören, betrogen.

Hinzu kommen noch einige Paypal-Abrechnungen auf verschiedene Konten, so dass sich der 37-Jährige innerhalb von drei Jahren um mehr als 800 000 Euro bereicherte. Bei diesem Betrag ist normalerweise eine Gefängnisstrafe "unausweichlich", wie Staatsanwältin Tanja Horvarth erklärte. Weil der Angeklagte aber ein tränenreiches Geständnis ohne Wenn und Aber ablegte, und weil er Willen zur Wiedergutmachung des Schadens zeigte, kam er nun mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon.

Der Angeklagte war als Buchhalter in der gemeinnützigen Einrichtung in Aichach für den Zahlungsverkehr verantwortlich. "Im Rahmen dieser Tätigkeit veruntreute er in 20 Fällen Gelder der Firma", warf ihm die Staatsanwältin in der Anklageschrift vor.

Dabei hatte der 37-Jährige eine Idee, die für sein Bankguthaben äußerst lukrativ war. Eingegangene Rechnungen bezahlte er ordnungsgemäß an die Rechnungssteller. Dann kam der Trick. Zwei bis drei Wochen später scannte er die Rechnung erneut ein, verpasste ihr eine andere Rechnungsnummer, versah sie mit einer neuen IBAN und überwies das Geld auf sein eigenes Konto. Dazu fälschte er Belege. Das ging von 2014 bis 2017 so: Eine dreijährige Einnahmequelle, die nicht versiegte. Der Angeklagte hatte während dieser Zeit vier Wirtschaftsprüfer im Haus, die nichts zu beanstanden hatten. "Ich weiß nicht, wieso den Prüfern nichts aufgefallen ist, das war alles so einfach", sagte er vor Gericht.

"Warum haben Sie das gemacht?", wollte die Richterin wissen. Wer meint, jetzt folge die Schilderung eines schönen und flotten Lebens, der irrt. "Man kann selber kaum fassen, was da passiert ist. Es ist unverzeihlich, es tut mir unsagbar leid", begann der Ex-Buchhalter sein Geständnis unter Tränen. "Wir haben ein Haus gebaut. Dann hatte ich einen schweren Unfall, der fast tödlich war, und dann hat man bei mir auch noch Hautkrebs diagnostiziert", startete er einen Erklärungsversuch. Er habe plötzlich Existenzängste gehabt. Er habe Angst bekommen, seine Frau und seine zwei Kinder, sechs und acht Jahre alt, seien nicht abgesichert, wenn ihm etwas passiere.

Abhilfe wollte er zunächst mit Online-Glücksspielen schaffen: "Anfangs hat das gut funktioniert." Am Ende habe er allerdings zwischen 100 000 und 150 000 Euro in den Sand gesetzt. Er sei verzweifelt gewesen. "Was mache ich jetzt?" Dann sei er auf die Idee mit "den blödsinnigen Überweisungen" gekommen. Freimütig räumte er ein, dass er schon immer Probleme hatte, sein Geld zusammenzuhalten. "Ich war deswegen schon einmal wegen psychischer Probleme im Bezirkskrankenhaus." Seine Familie habe natürlich mitbekommen, dass Geld plötzlich in Hülle und Fülle vorhanden war. "Ich habe gesagt, das sind Sonderzuwendungen meiner Firma. Das wurde mir geglaubt."

Das meiste Geld habe er nicht für sich gebraucht, sondern ins Haus gesteckt. "Nur ein schönes Auto", einen BMW X 5, beanspruchte er für sein Vergnügen. Für die Kinder kaufte er Gold und für die Frau ein wenig Schmuck, "zur Absicherung. Meine Familie geht mir über alles." Schwer zu schaffen mache es ihm, dass er seine Kollegen enttäuscht habe: "Die waren mir sehr wichtig."

Die Sache sei schließlich aufgeflogen, "weil die Kosten explodierten". Letztendlich habe er gar nicht mehr versucht, vertuschende Umbuchungen vorzunehmen. "Ich weiß nicht warum." Vermutlich wollte er, dass man ihm auf die Schliche kommt. Als er bei der Hauptbuchhaltung in Augsburg über einige Fälle Rechenschaft ablegen sollte, ergriff er die Flucht nach vorne und zeigte sich bei der Kripo selbst an. "Ich bin jetzt glücklicher als vorher. Eine große Last ist von mir abgefallen", beteuerte der 37-Jährige.

"Er war von Anfang an kooperativ, einer der wenigen Angeklagten, die wirklich geständig sind", sagte ein Polizeibeamter dem Gericht. Das und der Wille zur Wiedergutmachung wurden dem Angeklagten bei der Urteilsfindung hoch angerechnet. Auch ist er strafrechtlich bisher nicht aufgefallen.

Verteidiger Stefan Pfalzgraf wies darauf hin, dass die "Kontrollmechanismen des Arbeitgebers" versagt haben. "Wenn man früher dahintergekommen wäre, wäre der Schaden nicht so hoch gewesen." Angekreidet wurde dem Angeklagten allerdings, dass die Gelder aus einem Bereich abgezwackt wurden, in dem schwerstbehinderte Menschen betreut werden. Wie der kaufmännische Leiter der Einrichtung allerdings versicherte, hätten die Behinderten selbst darunter nicht leiden müssen.

Nach seiner fristlosen Kündigung begann der 37-Jährige eine Ausbildung in einem ganz anderen Bereich. Im Sommer ist er damit fertig, eine Übernahme wurde ihm bereits angekündigt. 3900 Euro verdient er dann monatlich. Zudem kann er noch Gold, etwas Schmuck und seinen BMW verkaufen.

Pfalzgraf rechnet, dass sein Mandant für die Doppelhaushälfte etwa 600 000 Euro bekommen wird. Unterm Strich bleiben noch knapp 240 000 Euro offen, die der Angeklagte bis 31. August seinem ehemaligen Arbeitgeber überweisen muss, wenn er nicht doch noch ins Gefängnis wandern will. Außerdem verdonnerte ihn das Gericht zu 120 Sozialstunden. Die letzten Worte des Angeklagten waren an die Vorsitzende Richterin gerichtet: "Ich kann Ihnen versprechen, Sie werden mich hier nie wiedersehen." ( Alfred Haas )
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