Erpressungsfall vor dem Augsburger Amtsgericht: "Geld-Domina" muss Strafe zahlen

Ein 27-jähriger Österreicher ließ sich von einer 34-jährigen Stadtbergerin erniedrigen, aber nicht mehr erpressen. (Foto: Symbolbild tom_u 123rf.com)

Es soll Menschen geben, die reißen sich darum, Rechnungen anderer zu bezahlen und fühlen sich dabei sexuell herausgefordert, erniedrigt, befriedigt. Dazu würden Zahlungen erledigt und Gutscheine aus Wunschlisten einiger Internethandelshäuser verschickt. Ein solcher Fall landete nun vor dem Amtsgericht Augsburg.

Es ist, wie jemanden zum Kaffee einladen

Es sei für diejenigen, als ob sie jemanden zum Kaffee einladen, erklärt die 34-jährige in Stadtbergen wohnende Angeklagte, die wegen Erpressung und versuchter Erpressung am Freitag vor Gericht stand. 

"Kassenzettel"-Gruppen in Sozialen Netzwerken

In den Sozialen Netzwerken, erklärt die Angeklagte, gebe es entsprechend öffentliche "Kassenzettel"-Gruppen dafür. Das Opfer, ein 27-jähriger Österreicher, wohl der Sadomaso-Szene nicht abgeneigt, schloss sich solch einer Gruppe an, beglich der Angeklagten insgesamt für etwa 3000 Euro Rechnungen und hatte dabei, so wird ihm unterstellt, sein sexuelles Interesse befriedigt - ein Fetisch.

Im knapp einjährigen Kontakt zwischen Angeklagter und Opfer gingen auch Fotos im Chat hin und her, so einige ihrer Website und einige mit wenig aufreizenden Darstellungen. Sie soll auf seinen Wunsch hin auch auf des Opfers Paypal-Konto und Amazon-Konto Zugriff gehabt haben, er war ihr ausgeliefert, es sei in seinem Sinne gewesen.

Sie wollte es seinen Eltern berichten

Dann folgte die erste Erpressung: Sie forderte 750 Euro von ihm, sonst würde sie seinen Eltern von seinem Fetisch berichten. Er zahlte.

Das Geld wurde inzwischen bereits zurückgezahlt. Ein zweiter Erpressungsversuch im November 2018 mit einem seiner Fotos in Twitter mit Bankverbindung und Telefonnummer versehen sollte ihn zur Zahlung von weiteren 500 Euro bewegen.

Er zahlte nicht und erstattete Anzeige, weil er nicht glaubte, dass ihre Erpressungsversuche damit aufhören.

Ob die Angeklagte nun als Domina arbeitete, blieb offen. Begriffe wie "Blackmail" fielen, in denen oftmals Dominas Verträge unterschreiben lassen, um durch ihre "Sklaven" Erpressungen zu legalisieren. Der Österreicher sprach auch von einer anderen Herrin und somit waren seine Interessen, erniedrigt zu werden, vor Gericht offengelegt.

Die Frau bereut ihr Tun

Die Angeklagte gab ausgiebig Auskunft über ihren Kontakt zu dem 27-Jährigen, bereue was sie getan habe, ihre Erpressung und die teils eindeutig derb-sexuelle Ausdrucksweise im Schriftverkehr mit dem Österreicher. Sie bat um ein mildes Urteil.

Das Internet - kein rechtsfreier Raum

Amtsrichterin Ute Bernhard verurteilte die Frau zu neun Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung, sowie zu einer Geldstrafe von 2500 Euro, zu zahlen an den Bunten Kreis.

Sie begründete das Urteil mit einer guten Sozialprognose der Angeklagten, die allerdings bis vor fünf Jahren oftmals wegen Körperverletzung, Beträubungsmittelkonsum und -besitz, Trunkenheit und Verkehrsdelikten vor Gericht stand - sich seither aber nichts mehr zu Schulden kommen lassen hat.

Das Internet sei kein rechtsfreier Raum, erklärt Richterin Bernhard. Kein Problem herrsche, wenn beide Seiten einverstanden sind mit dem Tun, doch wenn aus solch einem Kontakt einseitig Übel auf den anderen ausgeübt werde, dann, so wie in diesem Falle, sei es eine Straftat.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.