Es war keine Vergewaltigung: Freispruch für Asylbewerber

(Foto: Monika Grunert Glas)

Mit einem Freispruch endete der Prozess gegen drei 19, 20 und 21 Jahre alte Asylbewerber, denen vorgeworfen wurde, im Mai 2018 in Friedberg eine damals 15 Jahre alte Schülerin mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt und gemeinsam vergewaltigt zu haben. Es war bereits der dritte Prozess, in dem das Mädchen als Opfer beziehungsweise als vermeintliches Opfer einer Vergewaltigung erschien.

Im Juni dieses Jahres wurde zunächst ein 18-Jähriger zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er hatte gestanden, Anfang Juli 2018 mit der Schülerin einen Joint geraucht zu haben, um anschließend ihren Drogenrausch in einem Zimmer des Asylheims an der Augsburger Proviantbachstraße auszunutzen. Anfang dieses Monats dann fiel das Urteil für den 21-jährigen Ex-Freund der mittlerweile 16-Jährigen: Drei Jahre und zehn Monate Haft. Auch er soll damals am gleichen Tag ihren Rausch zu einer Vergewaltigung genutzt haben, berichtete aber bis zuletzt von einvernehmlichem Sex. Allerdings war das Mädel später bewusstlos auf einer Straße in Lechhausen gefunden worden.

Das Problem, nun auch im Verfahren gegen drei Asylbewerber, einer davon wieder der 21-jährige Ex-Freund: Das mutmaßliche Opfer selbst kann sich an die Taten nicht erinnern. Die junge Frau berichtete in der aktuellen Verhandlung, dass sie an dem Tag im Mai vorigen Jahres in Augsburg mit einer Freundin unterwegs war. Diese bekam einen Anruf: Man solle nach Friedberg fahren, dort feiere ein Afghane Geburtstag. Die Mädchen setzten sich in die Straßenbahn.

Dann wurde in einem Park an der Stadtmauer "gefeiert": Es floss reichlich Alkohol, eventuell wurde auch etwas geraucht. Allerdings meinte die 16-Jährige, sie selbst habe erst getrunken, nachdem sie mit vier Afghanen in die Wohnung des einen gegangen sei. Ihre Freundin hatte sich da schon nach Hause verabschiedet.

In der Wohnung kam es zunächst zu einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit einem 20-Jährigen. Mit diesem habe sie sich super verstanden, sagte sie. Und dann weiß sie nichts mehr.

Am nächsten Morgen aber erzählten ihr zwei der drei anderen, sie hätten Sex mit ihr gehabt. Zunächst glaubte sie das nicht, kam sogar mit dem 21-Jährigen aus der Gruppe zusammen. Doch als sie in der Folge auch in Augsburg immer wieder von Afghanen auf den angeblichen Gruppensex angesprochen wurde, sei sie sich schließlich sicher gewesen, vergewaltigt worden zu sein. 

"Man kennt sie in jedem Flüchtlingsheim"

Im Prozess sagte der, der am fraglichen Tag Geburtstag feierte, als Zeuge aus. Er selbst hätte auch gern mit dem Mädchen geschlafen, erklärte er, bei ihm habe sie aber, anders als bei den anderen, abgelehnt. "Man kennt sie in jedem Flüchtlingsheim", fügte er an.

So schrieb sie sich mit zahlreichen jungen Männern tabulose, ordinäre WhatsApp-Nachrichten.

Der junge Mann, mit dem sie in Friedberg einvernehmlichen Sex hatte, belastete allerdings seine Mitangeklagten. Er habe nicht den Eindruck gehabt, dass die 16-Jährige sich ihnen in seiner Wohnung freiwillig hingab. 

Am Ende der Verhandlung, die sich über den ganzen Tag erstreckte, war der Vorsitzenden des Schöffengerichts, Angela Friehoff, ebenso wie Staatsanwältin Katharina Kramer, die Beweislage zu dünn. Die drei Afghanen, denen Lehrer wie Arbeitgeber unisono vorbildliches Verhalten, beste Integration und ausgezeichnete Sprachkenntnissen attestieren, wurden freigesprochen. Freilich wegen der Tat im Juli 2018 im Gefängnis bleiben muss der Ex-Freund der 16-Jährigen. (mg)
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