Frauen-Trio begeht Einbruchsserie: 123.000 Euro Diebesgut aus vier Städten

Eine von drei Einbrecherinnen stand nun vor Gericht. (Foto: Sebnem Ragiboglu 123rf.com)

Wie ein Wirbelwind fegten Anfang 2015 drei diebische Frauen aus Holland durch Bayern. Wo sie waren, in München, Ingolstadt, Nürnberg und Augsburg, hinterließen sie enorme Schäden. Das Trio hatte sich auf Wohnungseinbrüche spezialisiert. Eine 38-Jährige bekam gestern vor einem Schöffengericht am Amtsgericht Augsburg die Quittung. Vorsitzender Richter Baptist Michale schickte sie für drei Jahre und fünf Monate hinter Gitter. Eine zweite Frau wurde bereits, ebenfalls in Augsburg, zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Sie sitzt ihre Strafe in Aichach ab. Die dritte im Bunde ist noch auf freiem Fuß und wird mit einem internationalen Haftbefehl gesucht.

Staatsanwalt Martin Neumann brauchte knapp eine halbe Stunde, um die umfangreiche Anklageschrift zu verlesen. Insgesamt hat die Niederländerin zusammen mit ihren Komplizinnen 16 Mal zugeschlagen, manchmal mehrfach am Tag. Die Wohnungen wurden genauestens ausspioniert. Betroffen waren ausschließlich asiatische Bürger, insbesondere Vietnamesen. Wie der Staatsanwalt der Angeklagten vorwarf, sei das Trio dabei nicht zimperlich vorgegangen. Teilweise wurden die Wohnungstüren brachial aufgehebelt oder mit den Füßen eingetreten, wie die 38-Jährige einräumte. Nachdem sich Staatsanwalt, Gericht und Verteidiger Jendrik Adam hinter verschlossenen Türen auf einen Deal geeinigt hatten, zeigte sich die Angeklagte geständig. Nicht mehr als drei Jahre und sechs Monate wurden ihr zugesichert.

Das Trio war in Wohnungen eingedrungen und hatte alles mitgenommen, was wertvoll aussah. Aus einer Wohnung in Ingolstadt klauten sie hochwertige Abendkleider. Die Gesamtbeute hier bezifferte Staatsanwalt Neumann auf 31 000 Euro. In einer Wohnung in München fiel den diebischen Elstern Schmuck und Bargeld im Wert von 34 000 Euro in die Hände. Auch hochwertige Herrenbekleidung und Damenhandtaschen passten ins Beuteschema. Wie die Angeklagte durch eine Dolmetscherin übersetzen ließ, durchforschten zwei Einbrecherinnen die Wohnung, während eine draußen Schmiere stand. In anderen Fällen lag der Wert der Beute zwischen 100 und 12 000 Euro. Der angerichtete Sachschaden geht in die Tausende.

"Wieso?", wollte Richter Michale wissen, aber das konnte ihm die Angeklagte nicht sagen. "Ich weiß nicht", wiederholte sie mehrfach. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll." Die Pläne für die Einbrüche hätten sie gemeinsam geschmiedet. "Und wie wurde die Beute verteilt?", fragte das Gericht nach. "Die haben wir ehrlich durch drei geteilt", war die Antwort. Insgesamt gab es 123 000 Euro "ehrlich" zu verteilen. Wieso ausschließlich asiatische Mitbürger ausgesucht wurden, konnte sie dem Gericht ebenfalls nicht erklären. Das aber wusste ein Kripo-Beamter aus München. "Sie haben zu den Banken wenig Vertrauen und daher viele Wertsachen und Bargeld zu Hause."

Auf die Schliche kam die Kripo München dem Trio durch ihre Handynummern, die am Tatort durch die Funkzellenüberwachung erfasst wurden. Auch die durchgeführten Kontrollanrufe, die sogenannten Schweigeanrufe, bei denen festgestellt wird, ob jemand zu Hause ist, hinterließen eindeutige Spuren. Verhandelt wurde der Fall in Augsburg, weil sich dort die Einbrüche häuften, die dem Trio direkt zugeordnet werden konnten. Zweimal wären sie beinahe aufgeflogen, konnten aber noch rechtzeitig fliehen. Im Dezember 2017 klickten die Handschellen.

Wie sich die Angeklagte rechtfertigte, habe sie zu den Tatzeiten zwischen Januar und März 2015 "schwierige Lebensverhältnisse" gehabt und zwischen vormittags und mittags bereits zwei Flaschen Wein getrunken. Bei den Wohnungsinhabern entschuldigte sich die Mutter eines siebenjährigen Kindes: "Es tut mir sehr leid, was ich Ihnen angetan habe." Das Gericht nahm ihr die Entschuldigung zwar ab, ließ aber deswegen keine Milde walten.

Immerhin ist die 38-Jährige in Hamburg, Duisburg, Dortmund, Mönchengladbach und Bochum einschlägig vorbestraft, und das nur in Deutschland. In Holland bringt sie es auf sage und schreibe 33 Einträge, überwiegend zu schwerem Diebstahl unter Verwendung einer Waffe. Als 14-Jährige begann sie ihre zweifelhafte Karriere. Das Gericht war überzeugt, dass hinter den Wohnungseinbrüchen noch eine höhere Hierarchie mit einer organisierten Kriminalität steckt. Das könne man jedoch nicht beweisen. Dr. Michale fasste zusammen: "Sie sind eine professionelle Diebin und nichts anderes." (
Von Alfred Haas)
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