Goldfinger-Modell: Staatsanwaltschaft Augsburg erhebt Anklage gegen 19 Superreiche - Ermittlungen gegen 100 weitere Beschuldigte

Wegen Steuerhinterziehung in großem Stile hat die Staatsanwaltschaft Augsburg nun Anklage gegen 19 Beschuldigte erhoben. (Foto: Claudio Ventrella,123rf.com)

Im Zusammenhang mit einem illegalen Steuersparmodell hat die Staatsanwaltschaft Augsburg nun Anklage gegen 19 Angeschuldigte erhoben.

Unter dem Namen „Goldfinger“ durchsuchten Ermittler vor einem knappen Jahr die Anwesen von rund 100 Millionären, die zwischen 2009 und 2016 hunderte Millionen Euro Steuern am Fiskus vorbeigeschleust haben sollen. Die Bezeichnung „Goldfinger“ bekam die Masche, weil sich die Reichen zur Bildung steuerlicher Verluste häufig einer dafür gegründeten Goldhandelsfirma im Ausland bedienten.

Nun erfolgte die Anklageerhebung gegen 19 Angeschuldigte. Diese hat die Staatsanwaltschaft aus dem Gesamtverfahren abgetrennt. Das abgetrennte Verfahren umfasse sechs Bände Akten und 21 Umzugskartons Beweismittel, berichtet Matthias Nickolai, Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg. Die Anklageschrift mit einem Umfang von 180 Seiten sei nun beim Landgericht Augsburg eingereicht worden. Sie richte sich gegen die Initiatoren und gegen Gesellschafter der eingebundenen Unternehmen aus den bisher weitestgehend abgearbeiteten acht von 24 Verfahrenskomplexen. Gegen die verbliebenen rund 100 Beschuldigten seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Die Ankläger wollen sich zunächst auf die Verdächtigen konzentrieren, die im Zentrum der Affäre stehen. Laut einem Bericht des Handelsblatts gehören dazu Anwälte und Berater einer Kanzlei und eine Beratungsgesellschaft aus München, die das Modell aufgesetzt und an Mandanten vertrieben haben. Einige Berater saßen bereits in Untersuchungshaft, wurden gegen Kaution aber wieder freigelassen.

Goldfinger: 800 Beamte durchsuchten 200 Gebäude

Die Staatsanwaltschaft Augsburg führte Anfang 2018 eine der größten Razzien ihrer Geschichte durch. Mehr als 800 Beamte waren im Einsatz, sie durchsuchten 200 Häuser und Geschäftsräume in Deutschland, der Schweiz und in Österreich. Sieben Beschuldigte wurden damals festgenommen.

Die Abgabenordnung sieht für Steuerhinterziehung eine Freiheitsstrafe von einem Monat bis fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. In besonders schweren Fällen, die beispielsweise vorliegen, wenn – wie im aktuellen Fall vorgeworfen – Steuern in großem Ausmaß verkürzt wurden, beträgt der gesetzliche Strafrahmen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.
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